Was macht eine gute Mutter aus?

Nach gerade mal vier Monaten Auszeit habe ich gestern, am 20. Februar, wieder angefangen zu arbeiten. Damit verbunden ist eine gute Organisation und viele Gefühle. Zwar befinden wir uns derzeit in der glücklichen unglücklichen Situation, dass mein Mann seit geraumer Zeit arbeitssuchend ist; ihm fällt also die Betreuung unser Kinder zu. Ich weiß sie somit in guten Händen und kann beruhigt arbeiten gehen. Ich will auch arbeiten gehen, die Rolle der reinen Hausfrau liegt mir nicht besonders.
Aber da ist dennoch dieser Zwiespalt mit der Mutter in mir.

Die Mutterrolle

Die simple Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen, hat das Bild der Frauen gesellschaftlich geprägt. Auf der ganzen Welt ist das Konzept weit verbreitet, dass sich die Frauen um die Familie kümmern. Das beinhaltet nicht nur Kinder, sondern auch die Pflege Alter und Kranker.
Arbeiten und Mutter sein wiederspricht sich im Allgemeinen aber nicht. Mutter sein entspricht in meinen Augen nicht dem gängigen Bild der Hausfrau.
Mutter sein bedeutet, für seine Kinder da zu sein, sie zu lieben, zu pflegen, zu erziehen; kurzum dafür zu sorgen, dass es ihnen rundum gut geht. Das beißt sich nicht mit der gleichzeitigen Ausübung eines Berufes, wenn Zeit für die Kinder da ist.
Dennoch sind viele Menschen von dem Denken in der Gesellschaft derart geprägt – Haushalt und Kinder sind Pflicht der Mutter. Alles, was Kinder und Haushalt betrifft, fällt in fremden Augen zuerst auf die Mutter zurück. Manches Mal wurde ich schon schief angesehen, weil andere Frauen meinen Hintergrund nicht kennen.

In meinem Leben bin ich bisher vornehmlich auf zwei verschiedene Arten von Müttern gestoßen: Die Übermütter im Kindergarten und die arbeitende Mütter in meiner Abteilung.

Über-Mütter

Dank unserer Lebenssituation ist mein Sohn in einer Kindergartengruppe, in der es die Regel zu sein scheint, dass ein Elternteil zuhause ist. Die Betreuungszeit ist nicht übermäßig lang und mittags werden die Kinder als erste vom Kindergarten abgeholt. Alles schön und gut, nur wird mein Sohn im Gegensatz zu allen anderen Kindern von seinem Vater abgeholt.
Generell empfinde ich das nicht als schlimm, diese Über-Mütter machen mir nur ein schlechtes Gewissen. Es scheint ihre Lebensaufgabe zu sein, sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder essen um Punkt 13 Uhr, werden nachmittags zu diversen Aktivitäten kutschiert oder treffen sich dank der Absprache der Mütter mit Freunden. Zu allem Überfluss engagieren sie sich zusätzlich noch im Elternbeirat und helfen im Kindergarten, wo sie können.
Die Erwartungen von diesen Frauen an eine Mutter sind höher, als mir lieb ist und oft habe ich sogar den Eindruck, die Kindergärtnerinnen Fragen sich, warum ich an so vielen Aktivitäten kein Interesse habe; obgleich sie wissen, dass ich arbeite und schlicht keine Zeit habe. Der Umgang mit zu vielen Über-Müttern schraubt auch ihre Erwartungen nach oben. Da kommen Zweifel in mir auf: Mache ich alles richtig? Müsste ich nicht mehr für meine Kinder tun? Müsste ich meinen Sohn nicht schon lange fördern?

Auch unter diesen Müttern gibt es im Übrigen welche, die arbeiten gehen – zum Spaß.

Arbeitende Mütter

Seit fast genau fünf Jahren arbeite ich in Frankfurt, die Hälfte meiner Kolleginnen sind ebenfalls Mütter. Bei diesen stellt sich das Mutterdasein etwas anders dar. Sicherlich arbeiten die meisten Halbtags, um Zeit für ihre Kinder zu haben – ich eingeschlossen. Auch bei diesen Müttern gibt es straffe Zeitpläne um das eine Kind zu seinem Fußballtraining zu bringen und gleich darauf das andere vom Kindergarten abzuholen; auch diese Mütter sind in Elternbeiräten oder versuchen sich anderweitig einzubringen. Aber es ist eine andere Mentalität. Gespräche drehen sich nicht nur um Kinder und Haushalt. Natürlich wird über die Arbeit gesprochen, aber auch viele andere Kleinigkeiten. Es fehlt die Oberflächlichkeit.
Diese Mütter haben sich ihre Kinder nicht zur Lebensaufgabe gemacht, das merkt man ihnen an.

Das richtige Maß

Wie bei so vielem im Leben muss auch hier jede Frau natürlich für sich selbst entscheiden, welches Mutterdasein sie ausleben möchte. Wer als Über-Mutter zufrieden ist, darf auch eine Über-Mutter soein. Ein schlechtes Gewissen sollte ich mir deswegen nicht machen lassen.
Alles in allem bin ich mit der Situation ganz zufrieden. Mein Mann schlägt sich als Hausmann ganz gut und ich muss mich nur noch damit zurechtfinden, dass er einige Dinge anders und vielleicht nicht so gründlich macht, wie ich es machen würde. Dinge, die mir wichtig sind, wie das alltägliche Kochen, mache ich selbst.
Mit einer guten Organisation und etwas Planung ist es möglich dabei auch noch die Zeit für meine Kinder zu finden, die sie brauchen. Was zählt ist die Qualität, nicht die Quantität. Denn was hat mein Sohn davon, wenn ich halbherzig viel Zeit mit ihm verbringe, obgleich ich lieber etwas Ruhe hätte? Er freut sich viel mehr über vielleicht eine halbe oder eine ganze Stunde volle Aufmerksamkeit im Spiel. Noch bevor das Baby da war, habe ich ihm versprochen, wenn ich wieder arbeite, jede Woche einen Nachmittag nur für ihn zu haben. Und meine Versprechen pflege ich zu halte.

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