Das Missverhältnis zwischen Arbeit und Kinderbetreuung

Unter Müttern erzählt man sich immer viel; nicht nur was die Arbeit betrifft, auch über die Kinder, Haushalt und natürlich auch über die Betreuungsbegebenheiten. So hat eine Kollegin bei mir den Dampf über ihre Kindertagestätte abgelassen.

Eigentlich sollte man sich ja denken, spätestens wenn das Kind drei Jahre alt ist und endlich regulär in den Kindergarten gehen kann, können die zuhause gebliebenen Eltern wieder arbeiten gehen. Sie können sich eine neue Arbeitsstelle suchen oder – wie meine Kollegin – nach der Elternzeit wieder einsteigen.

Seit etwa zwei Jahren ist meine Kollegin nun wieder im Dienst, drei Mal die Woche, fünf Stunden täglich. Dass ist das absolute Mindestmaß, mit dem sie arbeiten gehen konnte, weniger erlaubt unser Arbeitgeber nicht. Ihr Mann arbeitet Vollzeit und trotz Betreuung der Kinder gibt es zuhause natürlich auch einiges zu tun. Drei Mal die Woche bleibt ihre Tochter bis nachmittags im Kindergarten und geht ihr Sohn nach der Schule in den Hort. Die Frage, die sich stellt, ist nun aber: Wie lange noch?

Meine Kollegin hat das unsagbare Pech in einer Stadt zu wohnen, in denen die Betreuungsplätze mitnichten kostenlos sind. Und mit zwei Kindern kommen die Kosten schon fast an das heran, was jeden Monat dank ihrer Arbeit auf ihrem Konto landet. Noch dazu werden immer mehr Leistungen in der Betreuungsstätte gestrichen, gleichzeitig aber die Beitragskosten erhöht. Das dies mehr oder minder klammheimlich geschieht, setzt dem ganzen noch die Krone auf.
Wenn das aber so weiter geht, wie soll es dann möglich sein, ihre Kinder weiter betreuen zu lassen?

Darf es sein, dass ein arbeitender Mensch seine Arbeit vielleicht aufgeben muss, weil es zu teuer ist, seine Kinder in der Zeit unterzubringen? Oder dass sojemand letztlich vielleicht mehr davon hat, einen 400 Euro Job anzunehmen, anstatt im erlernten Beruf zu arneiten, weil man sich damit die Betreuungskosten spart, aber letztlich mehr in der Tasche hat?

Es mag ja so einiges geben, weswegen ich froh bin, ausgerechnet in Deutschland zu leben, aber das gehört ganz sicher nicht dazu.

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8 Kommentare zu “Das Missverhältnis zwischen Arbeit und Kinderbetreuung

    • Was aber wiederum bedeutet: Man geht nur der Arbeit wegen einer Arbeit nach.
      Kann auch nicht Sinn der Sache sein. Das macht den Umstand, seine Arbeit halten zu müssen, wichtiger, als die eigenen Kinder – denn wegen denen muss man dann ja nicht arbeiten gehen.

  1. Schwierig. Ich hoffe, dass es eines Tages leichter wird, beides zu verbinden. Aber für den Arbeitgeber sind mehrere Minijobber preiswerter, als Halbtags- oder Ganztagskräfte. Der Schritt vom Minijob weg kostet ihm viel Geld.

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