Mit großen Schritten vom Baby zum Kleinkind

Kleine Forscherin

Forscherin @ Helene Souza / pixelio.de

Und große Schritte sind es wirklich, denn ich habe den Wechsel für mich immer so definiert: Sobald ein Baby selbstständig laufen und / oder die ersten richtigen Worte sprechen kann, ist es kein Baby mehr, sondern ein Kleinkind.
Gefühlsmäßig stoße ich mich nun allerdings an meiner eigenen Definition. Töchterchen kann laufen. Aber es kann doch nicht sein, dass sie jetzt nach nur einem Jahr schon kein Baby mehr ist, oder?

Expertenstimmen

Gleich der erste Satz auf Wikipedia zum Thema Kleinkind lautet: „Der Begriff Kleinkind bezeichnet die Lebensphase des Menschen im 2. und 3. Lebensjahr nach dem Säuglingsalter.“ Auch steht dort, dass Kinder meist bis zum Ende des 12. Monats selbstständig laufen können.

Lernen von Anfang an
In der Entwicklung vom Baby zum Kleinkind muss das Kind viel lernen. Das erste Lernen findet bereits im Mutterleib statt. Dort erfährt das Kind die ersten Sinneseindrücke; fühlen, hören, sehen und schmecken. Aber auch die ersten Bewegungen werden geübt.
Nach der Geburt und ohne die Schwerelosigkeit im Fruchtwasser, muss das Baby die Muskeln stärken und lernen seine Gliedmaßen gezielt zu koordinieren, um zu sitzen, zu krabbeln, zu laufen und zu essen. Dazu gehört es aber auch sich in Fingerfertigkeit zu üben und Dinge in den Händen zu halten um alles Mögliche damit auszuprobieren.
Auch die Wahrnehmung entwickelt sich zum großen Teil im ersten Lebensjahr. Die Kinder lernen, wie sich etwas anfühlt, schmeckt, riecht und natürlich wie es aussieht und sich anhört. Dazu kommt, dass Babys schon im Mutterleib Sprache erfahren und mit dem Kleinkindalter die ersten Worte sprechen lernen. Auch Gefühle muss ein Baby erst lernen, Unangenehmes zu meiden und schönes zu wiederholen.

Eng mit der gesamten Entwicklung verbunden ist das Denken. Ohne einen Denkprozess, wie das Kind zum Beispiel am besten zu seinem Spielzeug kommt, findet keine Bewegung statt. Oder ohne den Drang etwas von allen Seiten betrachten zu wollen, würde sich das Kind nicht darin üben, etwas fest in den Händen zu halten.

Aufgbabe der Eltern
Wir als Eltern können dabei wenig tun. Babys Motto lautet „learning by doing“. Den Eltern bleibt nur, das Kind zu begleiten und tun zu lassen, was immer es auch tun möchte – natürlich so lange es sich nicht ernstlichen Gefahren aussetzt. Ein Baby muss herausfinden dürfen, wie etwas funktioniert. Fällt es hin, steht es wieder auf und macht weiter – oder geduldet sich, bis es sich sicher genug fühlt, den Schritt wieder zu probieren.
Was Eltern dabei machen können? Das Baby in seiner Entwicklung beobachten. Es wird sogar empfohlen, sich zu notieren, wann welche Entwicklung stattgefunden hat: Wann fing das Kind an zu krabbeln? Wann kam der erste Schritt? Oder das erste Wort? Wann hat das Kind das erste Mal mit jemand anderem mitgefühlt?
Diese Notizen helfen den Kinderärzten oder auch den Erziehern im Kindergarten das Kind richtig einzuschätzen.

Krabbeln, Hangeln, Laufen

Wenn ich zurückdenke, ging das alles sehr schnell vonstatten. Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen lernte Töchterchen im Sommerurlaub krabbeln und begann auch gleich sich überall hochzuziehen. Die große Wohnküche des Ferienhauses war schnell erkundet und bevorzugtes Ziel zuerst die Hundenäpfe, die so schön „Dong!“ machten, wenn man sie auf den Boden knallen ließ. Danach schlossen sich auch gleich Schrankerkundungen an.

Dank unserer Haustiere folgte auf das Hochziehen fluchs das erste Hangeln. Lag eines der Tiere auf der anderen Seite der Couch, wollte Töchterchen sofort dort hin. Mit Keks in der Hand ließ sich natürlich nicht so gut krabbeln und aus den Augen verlieren wollte sie die Tiere auch nicht. Also wurde der Weg auf beiden Beinen bestritten. Unser Hund belohnte das Hangeln auch immer schnell mit dem lustigen stibitzen des Kekses – und der anschließenden Fluch von der Couch.
Aber genau das war es, was letztlich die ersten Schritte ohne Stütze auslöste. Nicht etwa Mama, Papa oder der große Bruder, nein, unser Hund. Dieser hat bereits Erfahrung darin, was es bedeutet, wenn ein Baby in jeder Hand etwas zu essen hält. Er hat schon zu Söhnchen Babyzeiten neben ihm auf der Decke gelegen und darauf gewartet, dass etwas für ihn abfällt. Aber unser Hund weiß auch, dass ein Baby sehr schnell unangenehm werden kann, wenn es am Fell oder Schwanz zieht oder sich gar auf ihn drauf hängt. Also hält Hund Sicherheitsabstand. Während der Hund also gut einen halben Meter von Töchterchen entfernt stand und ihre Arme nicht lang genug waren, um ihm den Keks zu geben, passierte es nach und nach: Sie ging ohne es selbst zu merken zuerst einen halben, dann einen ganzen Schritt auf den Hund zu – der natürlich das Leckerchen schwanzwedelnd entgegen nahm. Sobald Töchterchen alleine da stand, wurde sie jedoch wieder unsicher und ging zum Krabbeln über.

Nach und nach wurde sie sicherer auf ihren Beinen, jetzt folgt Hund und Katze schon durch die ganze Wohnung und spielt ein noch wackeliges Fangen mit ihrem großen Bruder.

Fazit

Technisch gesehen mag Töchterchen wirklich schon zu den Kleinkindern gehören. Sie läuft, sie brabbelt und singt mit mir. Gefüttert werden ist passé, lieber will sie alles selbst machen; ihre neueste Leidenschaft ist Treppen steigen. Sie lernt so schnell so viel, erkundet alles und hat langsam schon keine Lust mehr auf einen Mittagsschlaf.
Trotzdem: Sie ist immer noch mein Baby und wird es auch mindestens noch ein paar Monate sein, wenn nicht gar Jahre.

Quellen

Vom Baby zum Kleinkind : Entwicklungstagebuch zur Beobachtung und Begleitung in den ersten Lebensjahren / Prof. Dr. Sabina Pauen. – Verlag: Spektrum Akademischer Verlag
ISBN: 978-3-8274-2779-3

Wikipedia: Kleinkind
Planet Wissen: Babys und Kleinkinder – die ersten Lebensjahre
Eltern.de: Babys erstes Jahr

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Ein Kommentar zu “Mit großen Schritten vom Baby zum Kleinkind

  1. Pingback: Sprachentwicklung « moechtegernsbabytagebuch

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