Straßenverkehr

Vater und Kind auf dem Rad

Vater und Kind @ Günter Havlena / pixelio.de

Ich oute mich, ich fahre kein Auto. Ich habe nicht einmal einen Führerschein. Doch obgleich ich nicht in einer Großstadt wohne – und dies auch nicht möchte – bedaure ich es nur wenige Male im Jahr, keinen zu haben. Ein Erwachsener in der Familie mit Führerschein reicht im Normalfall aus.

So kommt es nun aber, dass ich oft mit dem Fahrrad unterwegs bin. Söhnchen hat den funktionellen Wert seines Fahrrades schnell begriffen und fährt auch gerne mit mir zu Spielplätzen, zum Schwimmbad oder zu Festen. Aber Vorbild sein heißt auch, sich an Verkehrsregeln halten. Die Regeln besagten leider: Söhnchen darf noch nicht auf der Straße fahren, ich hingegen nicht mehr auf dem Bürgersteig. Wie aber soll ich dann meinem Sohn nicht davonfahren, ohne entweder den Straßenverkehr oder die Fußgänger zu behindern?

Die Antwort: Gar nicht.

Die Verkehrsregeln

Schon im Kindergarten werden die Grundlagen gelegt, sich sicher als Fußgänger im Straßenverkehr zu bewegen. In der Schule geht es dann weiter mit der Prüfung zum Radfahren, bis man dann auch irgendwann eine Prüfung für Mopeds, Autos und alles weitere an fahrbaren Untersätzen ablegen darf. Da sollte man doch meinen, jeder Mensch kennt die Verkehrsregeln. Viele haben aber schon viel vergessen oder sind nicht über Änderungen informiert.

Die erste Straßenverkehrsordnung trat schon im Jahre 1934 in Kraft. Seit dem gab es immer wieder Anpassungen und Änderungen. Die letzte Neufassung trat am 6. März 2013 in Kraft. Sowohl die aktuelle Fassung der Straßenverkehrsordnung, als auch die außer Kraft getretene Fassung der Straßenverkehrsordnung kann man online einsehen.

Allein im Internet gibt es diverse Möglichkeiten sich über das Thema Straßenverkehr zu informieren. Der ADAC (Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V.) bietet auf seinen Webseiten die Rubrik Ratgeber Verkehr an. Auch der ADFC (Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club) hat mit Verkehr & Recht ein gutes Angebot im Internet. Hinzu kommen zahlreiche nützliche Links, die eine gängige Suchmaschine bei der Suche nach „Straßenverkehr Regeln“ ausspuckt, wie Die „10 goldenen Regeln“ für Kinder im Straßenverkehr.

Rein objektiv gesehen sollte also alles klar sein. Subjektiv habe ich allerdings oft den Eindruck, jeder fährt nach seinen eigenen Regeln.

Das Chaos im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr regt sich jeder über jeden auf. Die Autofahrer über die Radfahrer und Fußgänger, die Radfahrer über die Autofahrer und Fußgänger, die Fußgänger über die Auto- und Radfahrer. Irgendjemand passt immer nicht auf und schon gibt es Chaos.
Und Menschen wie ich, egal ob im Auto, mit dem Rad oder zu Fuß, leiden darunter. Wie oft wurde ich schon von der Seite abgepflaumt, weil ich mein Rad brav über einen Zebrastreifen schiebe, statt zu fahren? Wie oft beschweren sich Fußgänger, die ich mit einem Klingeln vom Fahrradweg zu verscheuchen versuche, weil alle fünf nebeneinander gehen mussten? Wie oft bin ich auf dem Radweg schon fast mit einem Auto zusammengeknallt, das einfach von einem übersichtlichen Parkplatz fuhr und musste mir anhören, das ich gefälligst stehenzubleiben habe, wenn sie raus wollen?
Oft, das könnt ihr mir glauben. Und leider nehmen diese Leute auch nicht mehr Rücksicht, wenn Kinder dabei sind. Man hat sich so zu verhalten, wie sie es wollen. Kommt man ihnen in die Quere, wird man, höflich ausgedrückt, vor seinen Kindern getadelt.

Allein der Ausflug von ein paar Tagen zur Bibliothek war gespickt mit unschönen Ereignissen. Jugendliche Mädchen sind die schlimmsten Fußgänger. Und ich spreche nicht vom verträumten Schlendern – da war ich wohl selbst schlimm genug – oder wenn sie einfach zu sehr in ein Gespräch oder ihre Musik vertieft sind, dass sie mein Klingeln nicht rechtzeitig mitbekommen. Nein, schlimm sind die, die nicht beiseite gehen wollen. Sie laufen mindestens zu zweit durch die Gegend, quatschen und interessieren sich einfach nicht für andere Menschen. Statt dass sie auf dem Radweg platz machten, mussten Söhnchen und ich auf die Straße und um sie herumfahren.
Später standen zwei gestylte Mädchen an einer roten Fußgängerampel und unterhielten sich. Gleichzeitig mit uns kam ein Mann und wartet auf das Grün. Da verabschieden sich die beiden Mädchen und eine ging schnurstracks über die rote Ampel von dannen – ohne zu schauen. Da wussten wir alle: sie haben nichtmal gedrückt. Schlimm fand ich, dass Söhnchen solche Szenen leider schon kennt und sich nicht mehr über die Dreistigkeit wundert.

Auf dem Rückweg fuhren wir auf dem Radweg einer breiten Straße; breit genug, um auf beiden Seiten einen Radweg zu haben. Brav wie ich bin, fuhren wir rechts. Da kammt ein Mann auf dem Rad aus einer Straße rechts heraus. Es war nichteinmal knapp, er hatte genug Zeit und Platz, um links an uns vorbei zu fahren. Dennoch fuhr er so dicht an Söhnchen vorbei, dass er ihn fast gerammt hätte und beschwerte sich dann auch noch über ihn. Ich bin froh, dass Söhnchen sicher genug Rad fährt, das er nicht ins Schlingern geriet.
Keine Minute später wurde er fast noch von einem Auto auf dem Zebrastreifen über den Haufen gefahren. Der junge Mann hatte es eilig, sich aber immerhin für den Beinahe-Crash entschuldigt – während mir das Herz in die Hose gerutscht war.
Und das war noch lange nicht alles, was uns an diesem Tag erlebten. Leider gab es den ganzen Nachmittag nur ein einziges positives Ereignis mit zwei älteren Herrschaften, die sogar bereitwillig auf dem Gehweg Platz machten, damit Söhnchen nicht auf der Straße an ihnen vorbei musste.

Was mir bei all dem missfällt: Viele Dinge werden schon von so vielen Menschen falsch gemacht, dass man angemotzt wird, wenn man versucht es richtig zu machen. Wie man fährt, man macht es falsch und sich ständig Gedanken, wie man gleichzeitig seine Kinder und den Verkehr im Auge behält. Zudem gerate ich regelmäßig ins Zweifeln; immer dann, wenn mich jemand beschimpft. So macht es aber keinen Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein. Und eine unsichere Mutter ist für das Kind ebenfalls nicht förderlich.

Fazit

Im Grunde hilft es nur, sich selbst so gut wie möglich zu informieren; besonders wenn man, wie ich, oft mit zwei Kindern auf dem Rad unterwegs ist. Nach zahlreichen Anfeindungen und meines Erachtens ungerechtfertigten Aktionen von Autofahrern mir gegenüber, habe ich oft lange gegrübelt, wer nun falsch lag.
Am meisten geholfen hat es mir, mich noch einmal zu informieren, worauf ich zu achten habe. Schön zusammengefasst und übersichtlich habe ich es beim ADFC gefunden: Regeln für Radfahrer.

Dort fand ich auch endlich eine Antwort, wie ich mich als Mutter im Straßenverkehr mit dem Rad verhalten muss, wenn meine Kinder dabei sind. Und gerade diese Antwort stimmte mich sehr zuversichtlich: Auch wenn ich Autofahrer oder Fußgänger behindere, ich darf immer zugusten der Sicherheit meiner Kind entscheiden, ob ich und Söhnchen auf der Straße oder auf dem Bürgersteifg fahren.
Das lässt mich entspannter an den nächsten Ausflug herangehen.

Quellen

Wikipedia: Straßenverkehrs-Ordnung (Deutschland)
Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC)
Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V. (ADAC)

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