Das Ding mit dem Allergierisiko

In sämtlicher Literatur rund um Babys wird immer wieder darauf hingewiesen, dass bestimmte Stoffe bei allergiegefährdeten Kindern Allergien auslösen können. Solche Sätze habe ich immer übergangen, meine Kinder habe ich nie als allergiegefährdet angesehen.
Nun hatte Sohnemann Anfang des Jahres jedoch Neurodermitis und wir ließen beim Kinderarzt einen Allergietest machen. Ergebnis: er reagiert auf Hausstaubmilben und Katzen.

Zeit also, sich endlich einmal damit auseinanderzusetzen, wie sich so ein Allergierisiko eigentlich definieren lässt.

Allergierisiko

Laut Wikipedia ist eine Allergie „eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte und normalerweise harmlose Umweltstoffe (Allergene) [..] die sich in typischen, oft mit entzündlichen Prozessen einhergehenden Symptomen äußert.

Eine Allergie ist also eine Fehlreaktion des Körpers auf Stoffe, auf die er gar nicht reagieren müsste, weil sie eigentlich harmlos sind. Folglich ist das Allergierisiko das Risiko, dass der Körper harmlose Stoffe als schädlich einstuft.

Eine Allergie kann sich auf verschiedene Wege äußern; sie kann die Schleimhäute reizen, das zu vermehrtem Schnupfen und auch Nasenbluten führen kann, sie kann auf die Atemwege gehen und Asthma hervorrufen, einen Ausschlag auf der Haut verursachen oder auch zu Durchfall und Erbrechen führen. Im schlimmsten Fall führt die allergische Reaktion zu einem anaphylaktischem Schock.
Eine der bekanntesten Allergien dürfte der Heuschnupfen sein, bei dem die Schleimhäute empfindlich auf bestimmte Pollen reagieren. Bei sogenannten Kreuzallergien reagiert das Immunsystem nicht nur auf einen Stoff, sondern ebenso auf ähnliche.

Auslöser für eine Allergie kann alles sein. Es gibt vielleicht Stoffe, auf die vermehrt Menschen allergisch reagieren, doch kann so gut wie alles eine allergische Reaktion hervorrufen. Mit Allergietests kann ermittelt werden, auf welche Stoffe der Körper mit einer Abwehrreaktion reagiert. Weiß man, woran man ist, kann im Idealfall der Allergieauslöser gemieden werden.

Für Kinder gilt als gängige Meinung: sind beide Elternteile Allergiker, besteht ein erhöhtes Allergierisiko für das Kind.

Selbstbetrachtung

Es gibt allerhand Möglichkeiten für schnelle Tests, mit denen das Allergierisiko ungefähr ermittelt werden kann. Allein eine Suche über eine gängige Suchmaschine nach „Allergierisiko“ befördert bereits diverse Treffer zu Tage. Im Zuge solcher Tests wird nach den Allergien der Eltern und Geschwister sowie nach den Lebensumständen der Eltern gefragt.
Ich muss mich also auch selbst betrachten – und meine Allergien.

Ja, ich habe Allergien. Allerdings kann ich nicht genau sagen, welche. Ich habe eine empfindliche Haut, reagiere bei Pflegeprodukten auf diverse Inhaltsstoffe und habe noch dazu jeden Frühling eine unangenehme Sonnenallergie.
Als Allergikerin habe ich mich allerdings nie gesehen. Wozu auch? Ich weiß, ich muss bei Pflegeprodukten aufpassen und habe weder Asthma noch eine Lebensmittelallergie. Meine Allergien sind unangenehm aber nicht lebensbedrohlich. Demnach habe ich auch nie bestimmen lassen, auf was ich allergisch reagiere.
Ähnlich geht es meinem Mann.

Dass Sohnemann auch eine empfindliche Haut hat, war klar, als er mit vielleicht zwei Jahren auf ein ungewaschenes Stofftier mit einem Ausschlag reagierte. Seitdem wird jedes neue Stofftier gewaschen, bevor die Kinder es richtigi knuddeln dürfen. Kleidung werfe ich ohnehin immer erst in die Waschmaschine; ein Resultat meiner eigenen empfindlichen Haut.

Diverse Test im Internet stellen auch immer die gleichen Fragen: Allergien der Eltern und Geschwister, Raucherhaushalt und Katzen. Alle Test hatten das gleiche, niederschmetternden Ergebnis: Töchterchen hat ein hohes Allergierisiko. Dabei gibt es nicht viel, was wir anders machen könnten. Wir sind Nichtraucher, Ernähren uns vernünftig, ich habe Töchterchen gestillt und Schimmel in den Wänden gibt es hier nicht. Aber wir haben Haustiere.

Schafft die Katzen ab!

Ich bin fast aus allen Wolken gefallen, als ich die allgemeinen Ratschläge für ein hohes Allergierisiko bei Babys las. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft empfiehlt in seiner Broschüre „Allergie-Risiko-Check“ folgendes:

Allergiegefährdete Babys sind besser in einer katzenfreien Umgebung aufgehoben. Schaffen sie am besten gar keine Haustiere an, die Fell tragen. Lebt bereits eine Katze im Haushalt, dann holen Sie sich rat bei einem Allergologen oder einem allergologisch versierten Kinder- und Jugendarzt

Zwar ist auf der selben Webseite unter „häufige Irrtümer“ auch die Rede davon, dass Haustiere natürlich nicht gleich abgeschafft werden müssen und Hunde keine Probleme darstellen. Aber dennoch haben solche Sätze einen sehr bitteren Beigeschmack, denn dieser Rat taucht immer und immer wieder auf.
Ob er nun befolgt wird, steht natürlich im Ermessen jeder Familie. Ich verstehe auch, dass es Situationen gibt, in denen es keinen anderen Ausweg gibt. Wenn das eigene Kind allzu sehr leidet und zum Beispiel Asthma hat, geht die Gesundheit des Kindes den Haustieren natürlich vor. Doch solche pauschalen Formulieren klingen schon beinahe, wie eine Freikarte und das finde ich nicht gut. Auch Tiere sind Lebewesen und auch für diese hat man schließlich die Verantwortung übernommen, als man sie in die Familie geholt hat.

Außerdem: gab es nicht auch die gegenteilige Behauptung, dass Kinder von Haustieren in der Familie gesundheitlich profitieren? Oder schloss das Katzen etwas aus?

Fazit

Im Nachhinein denke ich nun: gut, dass ich mir nie Gedanken um das Allergierisiko gemacht habe. Wenn die einzige Möglichkeit, wie in einigen Fällen beschrieben, darin bestand unsere Haustiere abzuschaffen, empfinde ich das bereits als Unmöglich. Sätze wie „Schaffen Sie sich am besten erst gar keine Haustiere an!“ machen mich ärgerlich.

Dass Sohnemann bei dem Allergietest auf Katzen reagierte, empfand ich einfach als ziemlich blöd; wir haben zwei Katzen, der Kater ist auch noch seine Katze. Aber es sind Freigänger. Wir täten unseren Kindern keinen Gefallen damit, die Katzen wieder abzuschaffen, weder emotional noch moralisch. Die Milben sind das größere Leiden, denn sie sind immer da. Die Milben sind die Haustierchen, die ich nur allzu gerne abschaffen würde. Leider liegt das im Bereich des Unmöglichen.

Übrigens kann Sohnemanns Allergie nicht durch die Anwesenheit von Katzen induziert worden sein. Die erste Katze kam uns erst ins Haus, als er bereits vier Jahre alt war. Er ist mit Hunden aufgewachsen und mit diesen hat er keine Probleme.
Ziehe ich daraus dem Umkehrschluss, hätte Sohnemann vielleicht keine Katzenallergie, wenn wir bereits damals Katzen gehabt hätten.

Links

Eltern.de: Allergierisiko-Test

Broschüre des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: Allergie-Risiko-Check

Wikipedia: Allergie

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