Die Suche nach dem Mädchen mit Schwert – oder: Die Grenzen des Gender-Marketings

„Gender-Marketing“, das ist mir schon Zeit meines Lebens ein Dorn im Auge. Noch mehr, seit ich selbst Kinder habe, Kinder die sich nicht in eine Norm pressen lassen und von denen ich das auch nicht erwarten werde.
Als Töchterchen nun drei Jahre alt wurde, war ich auf der Suche nach einer ganz bestimmten Art von Puppe. Töchterchen spielt gerne mit Puppen, Actionfiguren und Stofftieren und eben allem, was man so verwenden kann. Darunter sind nicht nur ihre geliebten bunten Mädchen-Puppen, sondern auch Drachen, Dionosaurier, rosa Ponys und ganz normale Tiere.
Die Puppen, die sie hat sind jedoch Mädchen. Nicht nur von Äußeren her mit langen Beinen und riesigen Augen, Kleidern und Schuhen mit Absätzen, sie sind auch noch rosa oder lila mit Glitzer.
Nun hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Töchterchen eine Alternative zu dem Prinzessinnen-Rosa-Glitzerzeugs zu schenken – und bin kläglich gescheitert. Es gibt keine Puppe für Mädchen, die ein Schwert hat und alle tragen Kleider. Selbst die so selbstständigen Disneyfiguren „Merida“ und „Mulan“ werden nur mit Kleidern verkauft und ohne richtige Waffen. Der Köcher, der Merida-Puppe beinhaltet sogar einen Kamm, getarnt als Pfeile.
Ich fand keine Playmobilfigur, keine Figur von Schleich, kein Lego, keine Actionigur, nichts. Nirgendwo war eine Frau die ein Schwert trägt. Ritter sind grundsätzlich Männlich und Feen und Elfen tragen keine Waffen sondern nur Blumen und süße Tierchen.

Da stellt sich mir unwillkürlich die Frage: Sind meine Kinder anders als andere?
Ich kann es mir nicht vorstellen. Wieso sollten sie anders sein? Gut, Sohnemann ist ein Sensibelchen, Töchterchen dafür die Aufmüpfige. Während Sohnemann mit Puppen spielt, rennt Töchterchen mit einem Schwert in der Küche im Kreis und bekämpft böse Schatten.
Ich für meinen Teil finde das völlig in Ordnung. Die einzigen Bedenken, die ich habe, sind eventuelle Sticheleien, die mein Sohnemann vielleicht in der Schule aushalten muss. Will er etwas haben, das als „Mädchenspielzeug“ angesehen wird, habe ich damit kein Problem. Will er es irgendwo mit hinnehmen, weise ich ihn darauf hin, das ihn andere deswegen vielleicht ärgern werden; doch das ist ihm egal. Er mag, was er mag. Er mag kämpfende Schildkrötenmutanten genauso gerne, wie zaubernde Ponys, Drachenreiter und Geheimagentinnen. Und er hat das Glück, dass seine beste Freundin all das auch mag.

Bei Töchterchen gehe ich das nicht anders an. Sie spielt mit all den Sachen, die sie ihrem großen Bruder abluchsen kann und hat selbst viel unterschiedliches Spielzeug. Sie hört zu, was ich Sohnemann vorlese und freut sich, wenn ich ihr zuvor noch ihren eigenen Vorlesewunsch erfülle.
Sie darf sich ihre Kleidung selbst aussuchen und mag rosa Pullis genauso gerne, wie blaue oder grüne; je nach Laune.
Nur eines hat sie nun noch nicht: ein Mädchen mit Schwert als Spielzeug, weil das Gender-Marketing derlei Dinge nicht vorzusehen scheint und man ganz tief für Speziallösungen graben muss.

Ein paar Links zum Thema „Gender-Marketing“

Wikipedia: Gender-Marketing

Spiegel.de: Mädchenprodukte: „Weniger Lillifee, mehr Pippi Langstrumpf“
Brigitte Mom: Gender-Marketing: Was Rosa und Hellblau mit den Kindern macht
Süddeutsche.de: Ich. Will. Rosa.

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3 Kommentare zu “Die Suche nach dem Mädchen mit Schwert – oder: Die Grenzen des Gender-Marketings

    • Danke 🙂 Gerade zu dem Thema gab es aber kein halbes Jahr nach meines Suche wirklich einen kleinen Wandel. Töchterchen hat eine Feen-Puppe mit Schwert bekommen. Und plötzlich dürfen auch die Mädchen bei Lego Abenteuer erleben.
      Ist aber wohl nicht auf meinen Artikel zurückzuführen 😉

      • Aber im Prinzip hast Du trotzdem recht. Schau Dir doch die Werbung an…..und nach Jahren wundert man sich, dass Mädchen keine Programmierer oder Ingenieure werden wollen.

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