Die geteilte Phantasie – oder: Die Besonderheit des Vorlesens

Hat man Kinder, liest man vor. Zumindest habe ich das immer so gesehen. Ich lese meinen Kindern sogar gerne vor – meistens jedenfalls. Töchterchens Geschmack ist (noch?) nicht unbedingt der meine und wenn ich sie zu einem anderen Buch bekomme, als dem Bilderbuch zum Disneyfilm „Eiskönigin“, bin ich schon zu froh (den Grund dafür erfahrt ihr auf meinem Autorenblog).
Aber ich kann mich glücklich schätzen, dass mein Sohnemann bisher meinen Geschmack an Büchern teilt. Das Resultat: ich habe in meinem Autorenblog bereits auch Bücher vorgestellt, die ich ohne das Vorlesen wohl eher nicht ausprobiert hätte. Geschichten sind wunderbar und Kinder- und Jugendbücher oft eine Abwechslung.

So war ich natürlich neugierig, als ich von der Vorlesestatistik erfuhr. Ich weiß, dass leider nicht jedes Kind vorgelesen bekommt, da auch die Eltern oft nicht den Bezug zu Büchern haben, wie ich zum Beispiel. Ein Leben ohne Bücher will ich mir gar nicht vorstellen.
Doch ein Ergebnis der Studie hatte mich verwundert: auch wenn die Eltern vorlesen, scheint ein Großteil derer aufzuhören, wenn ihre Kinder selbst lesen können. In der Grundschule ist es also oft aus mit dem Vorlesen. Und da formten sich dann doch viele Fragezeichen über meinem Kopf. WARUM?
So wie ich als Kind nicht das Vorlesen kennengelernt habe, so mache ich es nun selbst. Meine Mutter liest immer noch gerne vor und nicht nur ihren Enkeln. Und ich liebe es, mit Sohnemann und auch mit Töchterchen Geschichten zu lesen. Am Anfang, als Sohnemann gerade lesen gelernt hatte, war es dann oft ein gemeinsames Vorlesen; wir wechselten uns ab. Jetzt ist es vielfach so, dass Sohnemann nach dem Vorlesen selbst noch weiter liest – und ich sehen muss, wann ich das noch nicht gelesene aufhole. Dennoch bedauert er es jedes Mal, wenn ich aus irgendeinem Grund vor dem Schlafengehen nicht vorlesen kann oder will. Für ihn gehört es zum Abendritual und ich würde es auch nicht anders haben wollen. Wir teilen Geschichten, verbringen Zeit miteinander und ich genieße diese Zeit – auch wenn sie manches Mal stressig ist. Wir können gemeinsam unsere Phantasien schweifen lassen und können im laufe des Tages darüber srechen. Es schweißt zusammen! Warum also sollte ich darauf verzichten wollen, nur weil mein Kind nun selbst lesen kann?

Dass das Vorlesen sich allgemein positiv auf das Befinden und die Entwicklung von Kindern auswirkt, scheint zumindest auch belegt zu sein. Dann haben meine Kinder also sogar doppelt was davon.

Interessante Links

Stiftung Lesen: Vorlesestudie von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.
Stiftung Lesen: Vorlesestudie 2014 – Vorlesen macht Familien stark.

WEbseite zum Bundesweiten Vorlesetag am

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6 Kommentare zu “Die geteilte Phantasie – oder: Die Besonderheit des Vorlesens

  1. Ich habe meinen Kindern immer vorgelesen. Später haben wir wie Du gemeinsam gelesen, abends im Bett, Kapitel abwechselnd. So habe ich auch Harry Potter gelesen ! Inzwischen sind sie älter, schlagen mir Bücher vor oder ich ihnen. Und wir diskutieren ab und zu darüber. Lustigerweise mag ich den Ebook reader, sie lehnen ihn ab 😉 Wir leihen uns auch gegenseitig Bücher aus. Es ist einfach Teil unserer Familienkultur, sie kannten mich immer nur mit Büchern herumlaufen 😉

    • Ja 🙂 Ganz ähnlich ist es mit meiner Mutter, meinen Brüdern und mir. Da werden Bücher empfohlen und ausgeliehen und mit Geschenken liege ich meistens wohl auch richtig.
      Das angepriesene „Macht Familien stark“ scheint also wirklich zu stimmen. Es fördert den Zusammenhalt auf Jahrzehnte.

      • Ich glaube, man erfährt auch sehr viel mehr übereinander, weil man auf einer Metaebene kommuniziert 😉

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