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Anekdote: Erste Hilfe einer 5-Jährigen

Auf dem Spielplatz traf Töchterchen eine Freundin aus dem Kindergarten. Sie spielten, ich las – bis Töchterchen mit ihrer Freundin zu mir kam und mich nach einem Pflaster fragte. Ihre Freundin habe sich beim Spielen den Fuß aufgeschürft, ein kleiner Kratzer, der aber ein sehr leidendes Gesicht verursachte. Leider konnte ich weder mit einem Taschentuch noch mit einem Pflaster oder Ähnlichem dienen.
Aber Töchterchen half trotzdem. Sie nahm meine Wasserflasche und meinte: „Mit Wasser kann man sie sauber machen!“ Und das tat sie dann. Allein diese kleine Geste half ihrer Freundin bereits und beide gingen wieder spielen.

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Anekdote: Wir streiten

Neulich stritt ich mit meinem Sohnemann. Mein Mann war mit meiner Tochter unterwegs, ich kam erst nachmittags von der Arbeit und konnte erst nach Sohnemanns Sportstunde seine Aufgaben durchgehen.
Wie jeden Tag schrieb er am Frühstückstisch einen Zettel mit den anstehenden Aufgaben. Nach dem Abendessen stellte ich jedoch fest, dass er fast nichts auf dem Zettel erledigt hatte. Er musste seine Aufgaben also nach dem Abendessen erledigen – was für ihn bedeuten kann, dass er nicht vorgelesen bekommt, wenn er zu sehr trödelt, denn irgendwann möchte ich abends auch meine Ruhe haben.

Wie gewöhnlich regte er sich fürchterlich auf, als ich ihn, zum mindestens tausendsten Mal an diesem Tag, an seine Schönschreiben-Übung erinnerte.* Wir diskutierten nicht lange, ich verließ sein Zimmer und er brachte mir fünf Minuten später den Zettel mit seiner Übung. Folgendes war (wenn auch nicht besonders schön) dort zu lesen:

Wie „Sohnemann“ und Mama streiten
S: Es sagt mir ja auch niemand!
M: Ach Ja? Und wo ist der Zettel?
S: Weiß ich nicht!
M: Egal, nimm einen anderen. Was steht da!?
S: Schönschreiben.
M: Von wegen, es sagt dir niemand! Lass mich raten, du hast die ganze Zeit ferngesehen, stimmt’s?
S: Raus!
M: Prrrr!
S: Prrrr! (spuckt dabei den Boden voll)
M: Das mache ich nicht weg.

Anmerkung: Der Verständlichkeit halber habe ich ergänzt, wer was sagt 😉

Obgleich ich böse auf ihn sein wollte, als ich unser Streitgespräch las, konnte ich nicht anders, als zu lachen 😉

* Diese Übung war mein bisher letzter Versuch, ihm irgendwie Selbstorganisation vermitteln. Das Schönschreiben hat er sich als tägliche Aufgabe selbst ausgesucht.

Anekdote: Konflikte und Mutterstolz

Neulich erzählte mein Sohnemann, ein Junge in der Schule habe ihn geärgert und ihn ins Gesicht geschlagen. Es war nicht richtig fest, doch fest genug, dass ein Wackelzahn herausfiel. Ich fragte ihn, was er dann gemacht habe und er sagte, er habe sich bei einem Lehrer der Pausenaufsicht beschwert. Danach sei er dem Jungen gefolgt, um zu sehen, in welche Klasse er ging, und habe sich noch einmal bei der Klassenlehrerin beschwert. Von dieser habe der Junge nochmal richtig Ärger bekommen – und Sohnemann ein »Idiot« hinterhergeworfen.
Ich kann schwer beschreiben, was bei dieser Geschichte in mir vorging. Ich weiß, mein Sohnemann ist kein Rabauke und er würde nicht zurückschlagen. Doch als ich über diese Geschichte nachdachte, füllte sich meine Brust zunehmend mit Stolz. Mein Sohn hat dem Jungen gezeigt, dass er sich nicht herumschupsen lässt und er hat es ihm gezeigt, indem er den richtigen Weg gewählt hat. Er hat nicht etwa zurückgeschlagen, er war nicht außer sich oder in Tränen aufgelöst. Er war sicherlich wütend, doch er hat das getan, was bei Kindern, die unbedingt dazugehören wollen, verpönt ist: petzen. Und es ist gut so! Es ist gut, dass er sich nicht davon scheut, es Erwachsenen zu sagen! Es ist gut, dass er nicht den Kopf einzieht und sich herumschupsen lässt!
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Schule damals so gehandelt habe, ob es mir eingefallen ist, den Lehrern bescheid zu geben, wenn ich geärgert wurde. Allerdings wurde ich als Mädchen nie geschlagen. Aber ich bin stolz darauf, dass mein Sohnemann von ganz alleine den meines Erachtens richtigen Weg gewählt hat um dem Jungen zu zeigen, dass er sich nicht herumschuppsen lässt!

Anekdote: Die Achtsamkeit eines Neunjährigen

Neulich brachte Sohnemann ein Bild von der Schule mit nach Hause. Er hatte seine ganze Familie gemalt, samt Haustieren. Ich schaute das Bild an und war ganz baff: er hatte mir rote Haare gemalt. Schon seit einigen Jahren habe ich sie mir nicht mehr gefärbt und bin mit meinem Naturbraun unterwegs.
Auf meine Frage, warum er mir trotzdem rote Haare gemalt hatte, antwortete er: „Du hättest doch gerne rote Haare.“

Familienbild

Familienbild

Anekdote: Ich will Muffins!

Letzte Woche stand Töchterchen vor mir, als ich von der Arbeit kam, und frage: „Mama, kannst du Muffins backen?“ Mein Mann erklärte, er habe sich mit ihr ein Buch angeschaut, in dem wohl auch Muffins vorkamen. Ich überlegte und beschloss, ich könnte es in ein paar Tagen einrichten.

Am nächsten Tag fragte Töchterchen erneut nach den Muffins und wieder vertröstete ich sie auf den nächsten Tag. Als es dann endlich soweit war, half sie mir sogar beim backen. Sie löffelte das Mehl in die Schüssel und verteilte die Papierförmchen in die Backform. Als die Muffins dann endlich fertig waren und ich sie ihr anbot, wollte sie plötzlich nicht. Sie leckte nur etwas des Zuckers von ihrem Finger ab und verkündete: „Ich will ins Bett!“ Etwas verdattert machte ich sie bettgehfertig. Nach dem Zähneputzen wollte sie dann plötzlich doch einen Muffin essen. Da wir uns nun schon die Mühe gemacht hatten, ließ ich sie gewähren. Ein Bissen, dann hieß es: „Das schmeckt nicht.“ Dabei waren es die gleichen Muffins, wie immer.

Kindergartengeschichte: Lukas ist zu schrecklich

Vor einiger Zeit bin ich über eine Kurzgeschichte in meinem Gedankensplitter-Blog gestolpert, die ich zu den Kindergartenzeiten für Sohnemann geschrieben hatte. Ich hatte mehrere geschrieben, allerdings nur diese eine vernünftig ausgearbeitet und sie in meinen Blog gestellt.
Und da das Thema Kindergarten dank Töchterchen nun wieder präsent ist, passt die Geschichte auch hier herein 🙂

Also, viel Spaß beim (Vor)Lesen der Kindergartengeschichte Lukas ist zu schrecklich.

Wortgewalten – oder: wie man mit seinem Kind nicht reden sollte

Neulich war ich mit Töchterchen auf dem Rad unterwegs. Töchterchen fährt gerne Rad, besonders dann, wenn sie mir sagen darf, wo wir hinfahren. An einer ungünstigen Kreuzung, wo die Vorfahrtsstraße abbiegt und es weder einen Zebrastreifen noch eine Fußgängerampel in unmittelbarer Nähe gibt, begegnete mir eine Frau mit ihrer Tochter. Das Mädchen war vielleicht drei oder vier Jahre alt und hatte ihr Laufrad dabei.
Auf der Vorfahrtsstraße war viel Verkehr und ich wartete geduldig auf eine Gelegenheit, die Straße schiebender Weise zu überqueren. Die andere Mutter war nicht so geduldig. Ich hörte neben mir ein „Schnell jetzt!“. Die andere Mutter hatte einen Augenblick gewählt, in dem sich die abbiegenden Autos gegenseitig ausbremsten, um auf die andere Seite zu gelangen. Mir war das zu heikel. Also wartete ich, aber keinen Moment später drang erneut die Stimme der anderen Mutter zu mir, jetzt von der anderen Straßenseite. „Bist du dumm!“, sagte sie ärgerlich. Ich schaute wieder hin. Das Mädchen hatte Schwierigkeiten, ihr Laufrad auf den Gehweg zu heben. Ob sie an dem hohen Bordstein hängen geblieben war oder in dem Gullideckel davor konnte ich nicht einordnen. Ich sah und hörte nur, dass das Mädchen begann zu weinen – und es tat mir so Leid.

Die falsche Wortwahl

„Du bist dumm.“, das ist ein Satz, der so niemals aus meinem Mund käme. Schon gar nicht auf meine Kinder bezogen. „Das war dumm“ ist eher meine Wortwahl. Es ist nur eine kleine Feinheit und doch ist die zweite Variante nicht derart beleidigend.
„Das war dumm“ kann sich auf alles Mögliche beziehen. Es kann etwas Gesagtes meinen, es kann eine Handlung beschreiben, aber es beschreibt nicht den Menschen selbst. Jemand kann etwas Dummes tun ohne selbst dumm zu sein. Oft beziehe ich diese Worte sogar auf etwas, das ich selbst getan habe, manchmal auch auf etwas, das Sohnemann oder unser Hund getan hat. Aber es beleidigt nicht und meistens lachen wir über die Dummheit.
Selbst, wenn ich wirklich sauer bin, beleidige ich meine Kinder niemals.

Aber wie sehr muss es schmerzen, wenn man von der eigenen Mutter als dumm bezeichnet wird? Besonders, wenn es nicht einmal die eigene Schuld gewesen war? Dann gibt es kein Lachen, dann gibt es nur Tränen; wie bei dem armen Mädchen.
Das Mädchen hatte keine Schuld, es war nur auf die Eile der Mutter eingegangen. Die Mutter hätte ihr mit dem Laufrad helfen müssen, hätte fragen müssen, ob sie es schafft, das Laufrad den Bordstein hochzustemmen.

Meinen eigenen Prinzipien zur Folge müsste ich nun sagen: „Es war dumm von der Mutter, ihre Tochter über die Straße zu hetzen. Es war dumm von der Mutter ihre Tochter zu beleidigen und für etwas zu tadeln, dass wirklich nicht ihre Schuld gewesen sein kann; dass sie bestimmt nicht absichtlich getan hat.“
Aber in diesem Fall würde ich der Mutter gerne an den Kopf werfen: „Du bist dumm! Du bist zu dumm deiner Tochter die Sicherheit zu geben, die sie benötigt! Du bist zu dumm um deiner Tochter zuliebe die Geduld zu haben, so lange zu warten, bis keine Autos mehr kommen und sie sicher über die Straße zu lotsen anstatt zur Eile anzutreiben!“ Ich frage mich, wie sie sich dann fühlen würde.

Anekdote: Ganz großer Bruder

Neulich war ich mit einer Freundin in der Stadt verabredet. Weil es mit unserem Mama-Söhnchen-Tag in der letzten Zeit nicht so recht geklappt hatte, durfte Söhnchen mitkommen. Als es auf dem Spielplatz dann zu kalt und zu dunkel wurde, wanderten wir in einen bekannten Elektronik-Großmarkt, in dem es immer irgendwelche Konsolen und Videospiele zum Ausprobieren gibt. Perfekt, um Söhnchen für sein an dem Tag wirklich unproblematisches Verhalten zu belohnen und noch etwas in Ruhe zu plaudern.
Während ich mit meiner Freundin dort saß und Söhnchen irgendwo in einem Nebengang spielte, kam eine Durchsage: „Der Zweijährige XYZ würde seine Eltern suchen und warte beim Sicherheitsdienst auf seine Abholung.“ Etwas zehn Minuten später folgte diese Durchsage noch einmal. Mutter die ich bin fragte ich mich natürlich, was da los sei und unterhielt mich auch mit meiner Freundin darüber; Söhnchen war derweil schwer beschäftigt.

Als sich der Nachmittag dann auch dem Ende zuneigte und wir beschlossen noch irgendwo eine Kleinigkeit zu essen, kamen wir auf der Suche nach einem Café an einem kleinen Jungen vorbei, der seelenruhig an einem (kleinkindersicheren) Geländer stand und dem Treiben unter ihm zuschaute. Einige Meter entfernt waren noch mehr Mütter mit Kleinkindern und ich nahm an, der Junge gehöre dazu. Söhnchen aber blieb stehen, sah sich nach der Mutter des Jungen um und fragte: „Mama, ist das vielleicht der Junge, der vorhin seine Eltern gesucht hat?“
Die Mutter des Jungen hatte derweil auch bemerkt, dass wir stehen geblieben waren und kam herüber. Da war Söhnchen beruhigt – und ich unheimlich stolz auf meinen Jungen. Er ist eben wirklich ganz der große Bruder, auch wenn seine kleine Schwester gar nicht da ist!

Anekdote: Wenn Mama es zugenau nimmt

Diese Art von Gesprächen häufen sich derzeit.

Söhnchen: Mama, kann ich nen Apfel?
Mama: Aus dem Fenster werfen?
Söhnchen: Nein, essen natürlich.
Mama: Dann frage das doch auch.
Söhnchen: Kann ich nen Apfel essen?
Mama: Ob du einen essen kannst, weiß ich nicht. Aber du darfst einen essen.

Manchmal bin ich in Sachen Sprach einfach etwas kleinlich, aber ich möchte wenigstens wissen, dass Söhnchen auch weiß, wie die Frage richtig heißt 😉

Apfelbaum