Archiv

Über Leichen in die Bibliothek – oder: Beitrag zur Blogparade „Was mache ich eigentlich beruflich?“ #workingblogger

Da stolpert man über eine interessante Blogparade mit einem Thema, zu dem man ohnehin schon mal etwas schreiben wollte und hat dann sogar noch zwei Wochen Zeit, selbst einen Artikel zu verfassen. Zwei Wochen heißt bei mir etwas 4 bis 5 Stunden verteilt auf zwei Wochenenden. Viel mehr Zeit für meine Blogs bleibt mir einfach nicht.
Und genau darum geht es auch in der Blogparade: »Was mache ich eigentlich beruflich?« von Großstadtküste (#workingblogger). Denn, wenn ich etwas schon öfter erwähnt habe, dann dass ich berufstätig bin.

Familie, Beruf und Hobby – all diese Dinge muss ich unter einen Hut bekommen. Leider wird es einem dabei oft nicht ganz einfach gemacht. Ich bin Pendlerin und habe noch dazu nur einen Führerschein für mein Fahrrad, nicht aber für irgendetwas, dass einen richtigen Motor hätte. Die größte Tageshürde ist derzeit der Kindergarten, der leider im falschen Stadtteil liegt.
Nachdem ich also zwischen 5:30 bis etwas 8:30 erst einmal alles erledige, was ich so zu erledigen habe (das umfasst mich fertig machen, schreiben, den Hundespaziergang, die Kinder fertig machen und wegbringen), schlage ich dann täglich gegen 9:30 endlich auf der Arbeit auf. In »meiner« Bibliothek nämlich. Ja, ihr lest richtg: Ich bin Bibliothekarin.

Und wie kommt man zu sowas?

Meine Antwort darauf ist: Berufsberatung. Nach meinem Abitur stand nur fest, dass ich etwas mit Büchern studieren wollte. Da gab es nur zwei Möglichkeiten. Das eine war ein Studium in Bibliotheks- und Informationswissenschaften das andere war ein Kunststudium für Buchkunst. Da ich trotz einem Leistungskurs in Kunst einfach nicht gut genug war, habe ich dann einfach das andere gemacht.
Schon im Studium habe ich mich gerne mit Webdesign beschäftigt. Das traf meine künstlerische Ader und vor allem auch meinen Hang zum Perfektionismus. Schon pixelkleine Verschiebungen stechen mir ins Auge und sind im Code so einfach zu beheben! Leider saß ich, mit meinem Diplom in der Hand, nach dem Abschluss trotzdem erst einmal auf der Straße, völlig ohne Job. Und was macht Frau dann, wenn sie es nicht leiden kann, gar nichts zu tun? Genau: Sich bewerben. Neben den üblichen Bewerbungen im Bibliothekswesen hatte ich aber noch die grandiose Idee, mich auch für ein Zweitstudium zu bewerben. Dumm herumsitzen liegt mir nicht. Ich wollte also etwas Sinnvolles machen und mich gleichzeitig bewerben. Ein halbes Jahr hing ich rum ohne, dass meine Bewerbungen einen Erfolg gebracht hätten – zumindest nicht die als Bibliothekarin. Aber eine Uni nahm mich mit offenen Armen zwei Wochen vor Semesterbeginn in meinem Wahlstudiengang Humanmedizin auf.

Die Leichen sezierenende Bibliothekarin

Zur Erklärung für alle, die sich nun wundern: Ich habe eine medizinische Vorprägung. Ich bin Ärztinnentochter und habe somit auch schon immer einen Hang zur Medizin gehabt. Es war also nicht ganz so abwegig Medizin zu studieren, wie es im ersten Moment klingt.
Zwei Wochen waren nun aber nicht viel Zeit, um umzuziehen. Ein Glück nur, dass mich gerade die Uni aufgenommen hatte, die in erreichbarer Nähe zu meinen Eltern liegt. Mein Mann war zur gleichen Zeit mit seiner ersten Ausbildung fertig und so schafften wir es wirklich innerhalb dieser zwei Wochen vor Studienbeginn in eine Wohnung zu ziehen, die ungenutzt im Haus meines Vaters zur Verfügung stand. Und dann begann das erste Mal in meinem Leben richtig Stress. Das Medizinstudium war Stress pur. Ich paukte zum zweiten Mal in meinem Leben sämtliche Naturwissenschaften durch und die Anatomie des Menschen. Ohne den Anatomiekurs hätte ich wahrscheinlich noch weniger als nicht ganz zwei Semester durchgehalten. Doch da ich dabei meinen ursprünglichen Plan, mich während des Studiums weiterzubewerben, nicht durchhalten konnte und auch nicht ernsthaft vor hatte, Ärztin zu werden, sondern viel mehr darüber in einer medizinischen Bibliothek hatte Fuß fassen wollen, gab ich das Studium auf und landete in meinem ersten Minijob.

Führerscheinlos in der Autowerkstatt

Letztlich fand ich mich, dank meines Vaters, in dem Büro seiner Werkstatt wieder. Es war die Zeit meiner ersten Schwangerschaft und er brauchte dringend eine Bürokraft; jemanden, der mitdenken konnte und der sich seine Arbeit am besten auch noch selbst suchte.
Und das tat ich. Ich bastelte an der Werkstatthomepage und baute mein Wissen im Webdesign aus. Nachdem mein Sohnemann auf der Welt war und ich mich von der Geburt erholt hatte, begann ich auch wieder, mich zu bewerben.

Endlich in der Bibliothek

Nach mehreren Bewerbungsanläufen landete ich schließlich in »meiner« Bibliothek. Der Zufall wollte es, dass auch diese ohne Umzug für mich erreichbar war. Die simple Tatsache, dass ich autodidaktisch arbeitete und mir einfach selbst die nötigen Kenntnisse im Webdesign erworben hatte, qualifizierte mich für den Job, den ich heute noch mache.
Leider hat sich meine Vorgabe »etwas mit Büchern« zu machen in meinem Beruf nicht gänzlich erfüllt. Ich habe nämlich für gewöhnlich keine Bücher in der Hand, sondern sitze am PC und programmiere mit Javascript, schreibe News oder Anleitungen und gestalte diverse Kleinigkeiten. Systembibliothekar nennt sich so etwas heute. Und nein, ich hätte mir zu Schulzeiten niemals träumen lassen, dass ich einmal programmieren würde. Auch nicht während meines Studiums. Aber mir gefällt es.

Und wie ist das mit der Vereinbarkeit?

Tja, was meinen Beruf angeht, hatte ich bis letzten September zum Glück wenig Probleme mit der Vereinbarkeit. Der einfache Grund dafür hieß: Hausmann.
Nachdem ich das Medizinstudium aufgegeben hatte, hing es nur noch davon ab, wer zuerst einen Job findet, um zu entscheiden, wer bei Sohnemann zuhause blieb. Ich fand zuerst den Job – und mein Mann hatte fortan all die Probleme, die man als Elternteil hat, wenn man ein Kind zuhause hat und vielleicht doch irgendwo einen Fuß in die Tür der Arbeitswelt bekommen will. Außerdem hatte mein Mann schlicht die falsche Ausbildung gemacht und wenig Motivation in seinem Beruf letztlich auch zu arbeiten. Mir fiel also die Ernährerolle zu. Und ich kann nur sagen: Ich hasse sie! Sein eigenes Geld zu verdienen ist eine Sache. Es fühlt sich auch gut an. Aber alleine das Geld zu verdienen und abwägen zu müssen, wie viele Stunden ich unbedingt arbeiten muss, um unseren Lebensstandard aufrechtzuhalten und dabei aber trotzdem noch genug Zeit für die Kinder zu haben, ist nochmal etwas anderes. Denn auch wenn ich gerne arbeite, meine Kinder sind mir einfach wichtiger. Als Hausfrau würde ich mich allerdings sicherlich auch nicht wohl fühlen. Ich brauche einfach ein gutes Mittelmaß.

Dass es hier läuft, hängt jedoch auch mit großem Glück in vielen Dingen zusammen. Von der Wohnung über verständnisvolle Chefs und Kollegen, bis hin zu meinen Verwandten, die uns immer so wunderbar unterstützt haben. Ohne all das wäre ich wahrscheinlich schon lange am Boden zwischen all dem, was ich will und was ich muss. Denn die Unterstützung von Seiten des Staates hält sich jetzt, wo mein Mann eine zweite Ausbildung macht, leider in Grenzen. Zwar bekommt er einen Bildungsgutschein, doch dieser deckt vielleicht gerade Mal die Hälfte der Kosten. Trotzdem ginge es ohne diesen gar nicht, denn die ersten zwei Jahre als angehender Erzieher verdient mein Mann nichts, kann aber nicht wie vorher die ganze Zeit für die Kinder da sein. Die müssen in der Nachmittagsbetreuung untergebracht werden und die gibt es ja bekanntlich nicht umsonst.

Das größte Problem: Der falsche Kindergarten

Töchterchen ist nicht in unserem Wunschkindergarten gelandet. Stattdessen geht sie im Nachbarstadtteil in den Kindergarten. Nun habe ich ja bereits schon geschildert, dass ich nicht Auto fahre. Bis letzten September hat es mir nichts ausgemacht. Bis selbst ich Autohasserin begriff, für wie selbstverständlich es gilt, ein Auto zu haben, selbst in einer doch recht großen Stadt wie unserer mit eigentlich guten Verkehrsanbindungen.
Aber die Verkehrsanbindungen sind nicht gut genug. Eine halbe Stunde brauche ich morgens, bis ich Töchterchen im Kindergarten abliefern kann. Da macht es wenig Unterschied, ob wir mit dem Bus fahren oder mit dem Rad. Als Pendlerin muss ich dann rennen, um am Bahnhof meinen Zug zu bekommen. Und das ist noch weit einfacher, als die Situation, wenn ich Töchterchen abholen muss. Denn ja, auch mein Mann muss in die entgegengesetzte Richtung. Nun ist es aber leider nicht so einfach, von unserem Hauptbahnhof oder von der Schule meines Mannes mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad pünktlich am Kindergarten zu sein. Nicht, wenn man bedenkt, dass weder ich – und trotz all der Flexibilität, die ich glücklicherweise in meinem Job habe – einfach weniger arbeiten kann, als ich wöchentlich muss, noch mein Mann seinen Unterricht versäumen sollte. Eine Verlängerung der Kindergartenzeit können wir uns allerdings nicht leisten. Wir werden schon ein Problem bekommen, wenn die Betreuungskosten im nächsten Jahr, wie angekündigt, steigen werden.
Für einen Kindergartenwechsel haben wir bisher jedoch eine Abfuhr erhalten. Dabei wäre unser Wunschkindergarten sogar von der Verkehrsanbindung ideal. Aber es zählt eben nur, dass all das möglich wäre, hätten wir ein Auto. Und so steht mittlerweile auch wieder eines vor der Wohnung auf der Straße – und selbst ich muss zugeben, dass ein Auto entlasten ist.

Und wo bleiben da die Kinder?

Tja, das frage ich mich in der letzten Zeit oft. Ich habe doch nicht zwei Kinder in die Welt gesetzt, um am Ende kaum noch etwas mit ihnen zu tun zuhaben?
Unser Tagesablauf hat sich im letzten Jahr radikal geändert. Ich kochte unter der Woche nicht mehr abends. Die Kinder Essen in der Betreuung warm, dann brauche ich mir nicht mehr Mühe machen, als Abends noch Brote zu schmieren und Obst zu schneiden. Kleinigkeiten für mich sind schnell zubereitet. Wir essen also noch zusammen und dann ist der Tag quasi auch schon gelaufen. Ich bin abends einfach nur noch fertig und meinem Mann geht es nicht besser. Alles, was ich mit meinen Kindern mache, verlagert sich auf das Wochenende; einen Tag, an dem ich mir die Kinder schnappe und einfach irgendetwas mit ihnen unternehme und wenn es nur ein langer Spielplatzausflug ist.
Irgendwie zwischendurch wird dann auch noch ein ganz klein wenig Hausarbeit erledigt.

Fällt noch irgendwem auf, dass an diesem Konzept irgendwas nicht so ganz stimmen kann? Die große Frage, die ich mir da stelle, ist: geht das nur uns so? Sind nur wir so unfähig, den ganzen Alltag zu meistern? Geht es nur uns so, dass keiner von uns am Ende mehr die Energie hat, mit den Kindern zu reden oder auch nur zuzuhören, was sie zu sagen haben? Geht es nur uns so, dass die ganze Woche einfach nicht genug Zeit ist, sich wirklich mit den Kindern zu beschäftigen?

Der Wunschtraum Autorin

Es gibt in all dem Tagesstress noch eine kleine Zeitspanne, die mir so wichtig ist, dass ich versuche sie im (fast) jeden Preis zu halten. Mein Name Möchtegernautorin kommt nicht von irgendetwas. Ich habe so viele Hobbys zwischenzeitlich aufgegeben, doch das Schreiben hat sich gehalten. Es war sogar so wichtig, dass ich während meiner Schwangerschaft mit Sohnemann beschloss, es wirklich ernst zu nehmen und zu lernen. Denn dieses Hobby, dass ich im Moment wirklich in den geringsten Zeitfenstern ausübe, die ich mir im Laufe des Tages schaffen kann, ist das, was ich eigentlich wirklich will. Ich will schreiben! Ich will mein Buch in der Buchhandlung stehen sehen! Oder besser noch meine Bücher?
Dreißig Minuten habe ich dazu täglich. Dreißig Minuten am frühen Morgen, in denen ich versuche, mir etwas aufzubauen, dass veröffentlichungswürdig ist und das ich an einen Verlag schicken kann. Ich mache mir nicht die Illusion davon leben zu können. Ich weiß, dass ich auch weiterhin werde arbeiten gehen müssen; dass ich weiterhin arbeiten gehen möchte! Aber mein erklärtes Ziel ist es, etwas in einem guten Verlag zu veröffentlichen.

Und ganz vielleicht klappt es ja doch. Vielleicht werde ich ja doch Bestsellerautorin und kann mir ein kleines Schreibbüro leisten, in der Nähe von Töchterchens zukünftiger Schule. Dann wäre ich so flexibel, wie man nur sein kann, könnt schreiben so viel ich will und hätte all die Zeit, die ich wirklich haben will für meine Kinder. Wäre das nicht toll?

 

Zuletzt

Ja, das bin also ich: Vollzeitmutter, Teilzeitbibliothekarin und Möchtegernautorin 🙂 Dies sind die drei wichtigsten Eckpfeiler meines Lebens und meines Alltags – und fragt bloß nicht, wo ich da noch das Stricken unterbringe.

 

Die KiTas streiken und keinen interessiert es?

Zumindest ist genau das der Eindruck, den ich in den letzten Wochen gewonnen habe.

Seit dem 8. Mai streikt unsere Kindertagesstätte bereits. Sie streiken, weil sie für ihre Aufgaben, ihre Verantwortung und den täglichen Stress besser bezahlt werden wollen. Eine Forderung, die ich als Mutter nachempfinden kann. Alle Eltern sollten das, denn alle Eltern wissen, wie stressig Kindergartenkinder sein können. Dazu kommen allerhand Pädagogische Aufgaben, die Erzieher mittlerweile erledigen. Und wer will sein Kind schon bei inkompetenten Betreuern abgeben?
Nein, der Grund des Streiks ist mir sehr einleuchtend. Und hier ist es ein Glück, dass mein Mann arbeitslos zuhause sitzt und ich nicht auf unabsehbare Zeit Urlaub nehmen oder auf die Elterninitiativen zurückgreifen muss – denn das ist über Wochen hinweg ein organisatorischer Kampf.

Was mich aber an dem ganzen Kita-Streik stört ist eine Sache: Wo sind die Medien? Bin ich einfach zu blind, um zu sehen, wie darüber berichtet wird? Bin ich zu verwöhnt vom vorangegangenen Bahnstreik, der in allen Mündern und Medien auftauchte? Oder interessiert es die Presse wirklich nicht, dass viele Eltern von diesem Streik betroffen sind?

Diese Fragen kann ich nicht beantworten. Aber eines weiß ich: Der Job, den Erzieher machen empfinde ich als weit wichtiger, als meinen eigenen. Er ist noch dazu stressiger und von Personalmangel betroffen. Erzieher singen und musizieren, basteln und malen, spielen und fördern. Sie sind Vertrauenspersonen und machen noch so viel mehr. Trotzdem verdienen sie weit weniger als ich es tue. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?

Mehr noch: Es geht doch hier um unsere Kinder! Auch ich hatte natürlich schon den Gedanken, dass die Eltern ihre Kinder doch einfach bei den Entscheidungsträgern absetzten sollten, damit diese einmal live erleben könnten, wie viel wirklich im Beruf der Erzieher steckt. Aber ganz ehrlich? Welche Eltern würden es wagen, die eigenen Kinder bei Wildfremden abzugeben, die sicherlich nicht in der Lage sind für eine kompetente Betreuung zu sorgen? Vermutlich gibt es keine Eltern, die das wirklich tun würden.

Die richtigen Leidtragenden sind im Moment jedenfalls vor allem die Kinder. Kinder, die nicht in den Kindergarten gehen dürfen, die nicht mit anderen Kindern spielen können, auch wenn sie es wollten, die in den Elterninitiativen täglich von jemand anderem betreut werden, die aus ihren Gewohnheiten herausgerissen werden. Aber wenn interessiert es schon, wenn Kinder nicht vernünftig betreut werden, so lange es doch offensichtlich dank der Eltern auch ohne Kindertagesstätten geht? Für unsere Kinder ist kein Geld mehr da, das wurde ja schon alles in die Banken investiert.

Interessante Infos:

Zeit: Das müssen Eltern über den Kita-Streik wissen

tagesschau.de: Den letzten beißen die Hunde

Draußen nur Kännchen: KiTastreik

Mein schlechtes Gewissen – oder: Man kann nicht alles richtig machen

Rettungswagen

Rind @ Uschi Dreiucker, Fleich @ Peter Smola / pixelio.de

An so manchen Stellen, wenn es hier in meinem Blog um das Thema Ernährung ging, habe ich bereits erwähnt, dass ich Vegetariern bin. Ich bin Vegetariern aus Überzeugung. Kein Tier sollte Leiden müssen, nur damit ich billig ein Schnitzel oder ähnliches Essen kann. Oft finde ich allein die Vorstellung etwas zu essen, dass nicht einmal erwachsen war, einfach widerlich. Bei der Erwähnung von Lammfleisch muss ich mich jedes Mal schütteln.

Nun ist es aber so, dass ich meinen Kindern die Entscheidung nicht aufzwinge. Ich koche vegetarisch, reichere ein oder zwei Mal die Woche die Gerichte mit Tofu- oder Sojaprodukten an und mache meinen Kindern auch Wurstbrote, wenn sie sie haben wollen. Fleisch selbst aber koche ich nicht, das übernimmt – wenn überhaupt – mein Mann.

Es ist aber nichteinmal der Konflikt zwischen Fleisch und kein-Fleisch, der mir aufstößt. Söhnchen weiß, dass ich kein Fleisch esse, er weiß auch warum. Und weswegen ich seine geliebte Gelbwurst über unseren Bio-Lieferanten bestelle. Wenn schon, dann wenigstens Schweine, die sich glücklich im Schlamm suhlen durften, bis sie getötet wurden.
Ich bin auch zufrieden damit, dass meine Kinder vielfach meinen veggi-Fleischersatz lieber mögen, als das echte Fleisch. Trotzdem, dieser innerliche Konflikt ist viel weittragender und gibt mir bei so vielem ein schlechtes Gewissen.

Abbildungen glücklicher Tiere

In Spielzeugläden, Buchhandlungen und Fernsehsendungen stapeln sich Szenen von Bauernhöfe. Man kann sich viele grüne Weiden ansehen, mit glückliche Kühen, glücklichen Schafen, glücklichen Hühnern und so weiter. Es ist immer ein Hund auf dem Hof und vielleicht eine Hand voll Katzen. Aber macht man sich mal im realen Leben auf die Suche nach diesen glücklichen Kühen, sieht es schon wieder ganz anders aus. Unser Städtchen hat so etwas nicht. Echte Kühe kennt Töchterchen nur aus diversen Medien. Mit Mühe habe ich in unserer Umgebung eine kleine Koppel mit einem Pferd und einem Pony ausfindig gemacht; in einem Schrebergarten steht noch ein einzelnes Schaf. Aber ob das glücklich ist?
In keinem der Bücher, die mir untergekommen sind, wird auch nur ansatzweise erwähnt, dass die Tiere getötet werden, damit man sie essen kann. Häufig wissen die Kinder nichteinmal, dass sie tote Tiere essen. Nicht alle Eltern sind so ehrlich zu ihrem Nachwuchs, wie ich es bin. Dazu kommt, Töchterchen versteht das alles ohnehin noch nicht.

Bilderbücher von Massentierhaltungen will aber sicherlich niemand haben; selbst ich nicht. Es will auch niemand wissen, dass Kühe nur Milch geben, wenn sie ein Kalb gehabt haben – das auch getötet wird. Schließlich kann man das ja auch essen.

Da lobe ich mir zumindest die Bücher von Astrid Lindgren. Zu den Zeiten von Michel aus Lönneberger gab es zwar noch keine Massentierhaltung, aber Schlachten, die Wurst und alles, was man aus toten Tieren so machen kann, ist durchaus ein Thema. Und ich war zufrieden damit, dass Michel ein Herz für Tiere hat und sehr wütend wird, als sein Schwein geschlachtet werden soll.

Die Stofftierparade

Ein weiterer Konfliktpunkt sind diverse Stofftiere. Erst seit Töchterchen mache ich mir sogar darüber Gedanken. Söhnchen liebt zwar seine Stofftiere, aber er hat vornehmlich Hunde und Katzen. Ein sogenanntes Nutztier findet sich bei ihm nur selten.
Nun hat Töchterchen aber gleich zwei Stofftiere, an denen sie hängt, die in unserer Gesellschaft gegessen werden. Und da meldet sich wieder mein Gewissen. Wie kann ihr guten Gewissens eine Kuh als Stofftier besorgen, dass sie kuschelt, dass sie liebt und nicht mehr hergeben will, in dem Wissen, dass dieses Tier von ihr auch gegessen wird? Ist das nicht absurd? Aber: hätte ich ihr lieber ein Pferd besorgen sollen? Über Pferdefleisch wird sich schließlich tüchtig aufgeregt.

Es wird eine Zeit kommen, in der auch Töchterchen begreift, wie all das läuft. Und dann? Derzeit fürchtet sie jedes Mal, wenn eine unserer Katzen, unsere Jägerin, auf dem Balkon um Einlass miauzt. Sie könnte ja eine Maus oder einen Vogel dabei haben und davor scheint Töchterchen wirklich Angst zu haben.

Aber unserem Essen sieht man nicht an, was es einmal war. Andernfalls würde Söhnchen es nicht essen, soweit ist auch sein Gewissen ob seiner Tierliebe schon angewachsen.

Fazit

Was ich möchte, um ein wirklich gutes Gewissen zu haben, ist für mich als Mittelstands-Mutter einfach unerschwinglich. Wir sind jetzt finanziell mit unserem Haushaltsgeld schon hart an der Grenze, allein dadurch, dass ich nicht auf meine Bio-Obst und –Gemüse verzichten möchte. Fleisch-Ersatzprodukte tun ihr Übriges dazu.
Wollte ich nun, dass in meinem Haushalt wirklich nur noch Fleisch von „glücklichen“ Tieren gegessen würde, müsste ich wesentlich mehr arbeiten. Die Bezahlung einer Akademikerin im Öffentlichen Dienst reicht nicht aus, um alle Kosten zu decken. Dazu kommt, dass unser Konsum an Milchprodukten auch nicht gerade gering ist – diese besorgen wir jedoch in einem Discounter. Milch und Käse aus Massentierhaltung; das, was ich eigentlich nicht möchte. Und das sind nur die Tiere. An die Ausbeutung von Menschen darf ich dabei nicht einmal denken. Billiger Reis, Nudeln und all diese Dinge, für deren Herstellung Menschen leiden, dürfte ich auch nicht kaufen. Und das alles betrifft nicht nur die Nahrung.

In dieser Gesellschaft läuft grundlegend etwas schief, wenn ich bei jedem Einkauf ein schlechtes Gewissen haben muss. Wenn ich immer nur eine Auswahl treffen kann, wenn ich mich entscheiden muss, welches Produkt ich kaufe. Das ohne Massentierhaltung? Oder lieber mit Fair Trade? Warum kann ich nicht einfach alles fair kaufen? Fair für Menschen und Tiere, fair für die Umwelt und ohne Scheinheiligkeit meinen Kindern gegenüber? Wäre es nicht schön, meinem Sohn nicht erklären zu müssen, dass seine Kleidung von Kindern genäht wurde, die nicht in die Schule gehen dürfen? Wäre es nicht schön, Töchterchens nicht irgendwann eingestehen zu müssen, dass die wenigsten Kühe glücklich auf der Weide stehen, bevor sie gegessen werden; Kühe, wie ihre geliebte Stoffkuh?

Es wäre schön, aber es geht nicht. Irgendwo muss ich Abstriche machen. Ich kann nicht einfach gar nichts mehr essen oder auch noch selbst einen kleinen Bauernhof führen. Ich muss mich mit dem enragieren, was diese Gesellschaft vorgibt. Und dazu gehört ein permanentes schlechtes Gewissen.

Der Mama-Söhnchen-Tag – oder: Die schönste Zeit im Leben!

Mutter und Tochter

Mutter und Tochter @ A. Scheel / pixelio.de

Das wichtigste und schönste, das man seinen Kindern schenken kann, ist Zeit; so meine Einstellung. Den Kindern ist es meistens nicht so wichtig, was man mit der Zeit macht. Es können einfache Spiele sein, ein Gespräch, ein Ausflug. Egal was, Hauptsache, die Aufmerksamkeit gehört ganz den Kindern.

Schon als ich mit Töchterchen schwanger war, stand eines für mich fest: Ich musste darauf achten, auch weiterhin Zeit für meinen Sohn zu haben. Ein zweites Kind bedeutete natürlich weniger Zeit, weniger Aufmerksamkeit für den Großen. Aber die Lösung, wie auch Söhnchen zu seinem Recht kommt, ist denkbar einfach: Ein Mama-Söhnchen-Tag musste her.

Ein bisschen Planung

Kinder, Haustiere, Arbeit, Kochen, Wäsche, ein Teil des Haushaltes; meine Tage beginnen morgens um sechs und enden abends um zehn. Woher die Zeit also nehmen?
Mit ein bisschen Planung geht alles. Am Wochenende mache ich mir Gedanken über die anstehende Woche; Termine, Aufgabe, was eben alles so anfällt. Dazu gehört auch der Mama-Söhnchen-Tag.

Einmal in der Woche nehme ich mir heraus, sobald ich zuhause bin, nur Zeit mit unserem Großen zu verbringen, bis es ans Abendessen geht. Dafür habe ich extra meinen kürzesten Arbeitstag eingeplant. Je nachdem komme ich auch mal früher nach Hause – dank Gleitzeit kann ich es mir leisten.

Der Mama-Söhnchen-Tag fordert aber dennoch etwas Aufwand: Ich muss zuvor sondieren, ob es etwas Interessantes zu sehen oder zu machen gibt. Im Sommer gibt es zahlreiche Möglichkeiten, im Winter sind sie schon mal rarer gesät. Trotzdem, es gibt so viele Möglichkeiten: Vom Schwimmen gehen, über Spielplätze, Spielmobil oder Bibliotheksbesuche, bis hin zum Kino, Stadtbummel, Straßenfeste oder einfach gemeinsam etwas backen oder kochen oder spielen. Habe ich Urlaub, sind sogar Besuche im Museum oder im Zoo in der nächsten Großstadt drin.
Bis auf wenige Fixpunkte, die in regelmäßigen Abständen folgen, gehe ich die Möglichkeiten gehe ich mit Söhnchen durch. Letztlich entscheidet er, was wir tun.

Eine einzige Regel gibt es allerdings: Töchterchen darf nur mitkommen, wenn der Große es möchte. Und ja, es gibt Gelegenheiten, bei denen er sie gerne mitnehmen will. Sie sind eben Geschwister.

Söhnchen seinerseits freut sich immer auf seinen Nachmittag mit mir. Mama ganz für sich alleine ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso mehr genießt er es, alleine mit mir unterwegs zu sein – und ich genieße es ebenso, nicht noch einem Kleinkind hinterherrennen zu müssen.
Auch der Große kann anstrengend sein, aber dennoch macht es Spaß!

Fazit

Ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, mir regelmäßig die Zeit nehmen zu können und mich den wichtigsten Menschen in meinem Leben zu widmen. Es ist die schönste Zeit, und so lange Söhnchen will, werde ich ihm die Zeit geben; denn irgendwann wird er sie lieber mit seinen Freunden verbringen, als mit mir.

Das Missverhältnis zwischen Arbeit und Kinderbetreuung

Unter Müttern erzählt man sich immer viel; nicht nur was die Arbeit betrifft, auch über die Kinder, Haushalt und natürlich auch über die Betreuungsbegebenheiten. So hat eine Kollegin bei mir den Dampf über ihre Kindertagestätte abgelassen.

Eigentlich sollte man sich ja denken, spätestens wenn das Kind drei Jahre alt ist und endlich regulär in den Kindergarten gehen kann, können die zuhause gebliebenen Eltern wieder arbeiten gehen. Sie können sich eine neue Arbeitsstelle suchen oder – wie meine Kollegin – nach der Elternzeit wieder einsteigen.

Seit etwa zwei Jahren ist meine Kollegin nun wieder im Dienst, drei Mal die Woche, fünf Stunden täglich. Dass ist das absolute Mindestmaß, mit dem sie arbeiten gehen konnte, weniger erlaubt unser Arbeitgeber nicht. Ihr Mann arbeitet Vollzeit und trotz Betreuung der Kinder gibt es zuhause natürlich auch einiges zu tun. Drei Mal die Woche bleibt ihre Tochter bis nachmittags im Kindergarten und geht ihr Sohn nach der Schule in den Hort. Die Frage, die sich stellt, ist nun aber: Wie lange noch?

Meine Kollegin hat das unsagbare Pech in einer Stadt zu wohnen, in denen die Betreuungsplätze mitnichten kostenlos sind. Und mit zwei Kindern kommen die Kosten schon fast an das heran, was jeden Monat dank ihrer Arbeit auf ihrem Konto landet. Noch dazu werden immer mehr Leistungen in der Betreuungsstätte gestrichen, gleichzeitig aber die Beitragskosten erhöht. Das dies mehr oder minder klammheimlich geschieht, setzt dem ganzen noch die Krone auf.
Wenn das aber so weiter geht, wie soll es dann möglich sein, ihre Kinder weiter betreuen zu lassen?

Darf es sein, dass ein arbeitender Mensch seine Arbeit vielleicht aufgeben muss, weil es zu teuer ist, seine Kinder in der Zeit unterzubringen? Oder dass sojemand letztlich vielleicht mehr davon hat, einen 400 Euro Job anzunehmen, anstatt im erlernten Beruf zu arneiten, weil man sich damit die Betreuungskosten spart, aber letztlich mehr in der Tasche hat?

Es mag ja so einiges geben, weswegen ich froh bin, ausgerechnet in Deutschland zu leben, aber das gehört ganz sicher nicht dazu.

Land ohne Kinder – kleines Gedankenspiel zu einer Dokumentation

Vor einiger Zeit gab es eine sehr interessante Dokumentation im Fernsehen: Land ohne Kinder – Auf der Suche nach der nächsten Generation.

In „Land ohne Kinder“ wurden sich fünf Länder Europas gegenüber gestellt und verglichen; Deutschland, Italien, Frankreich, Irland und Schweden. Vor allem die Mentalitäten und die Möglichkeiten für Mütter von Kleinkindern wieder arbeiten zu gehen und deren Position in der Gesellschaft wurden beleuchtet. Die Politik und die gesellschaftlichen Einstellungen sind in allen Ländern sehr verschieden.

Hier in Deutschland ist es schwierig für eine Mutter arbeiten zu gehen. Man muss die richtige Betreuung finden und vor allem mit seinem Gewissen ins Reine kommen, denn hier gilt eine Mutter, die arbeiten geht, oft noch als „Rabenmutter“. Väter hingegen, die sich auch Zeit für ihre Kinder nehmen, sind immer mehr akzeptiert. Das macht es uns Müttern etwas einfacher. Manchmal denke ich, es gibt nur zwei extreme Lager, aber nichts dazwischen: Die Vollblut-Mütter, die gerne zuhause bleiben und ihr Kind so lange wie möglich zuhause betreuen und die arbeitenden Mütter, die ihre Kinder den ganzen Tag lang von irgendwelche Einrichtungen betreuen lassen. Alles dazwischen wird hier kaum thematisiert.
Ist es in Deutschland für Mütter zwar schwierig, aber möglich, eine Arbeit zu finden, ist es in Italien ein Ding der Unmöglichkeit. Hat eine Frau in Italien ersteinmal Kinder, findet sie keinen gut bezahlten und anspruchsvollen Job mehr. Es ist Aufgabe des Vaters, Mutter und Kinder finanziell zu versorgen. Dafür halten sie sich grundlegend aus der Kinderbetreuung heraus – alles hängt alleine an der Mutter. Halbtagsstellen gibt es dort kaum und selbst, wenn die Mutter hoch qualifiziert ist, kommt sie nicht über einen Aushilfsjob hinaus.

Die Situation in Irland ist ähnlich, wie in Italien. Gesellschaftlich herrscht dort aber wieder eine völlig andere Mentalität. Die Mütter in der Dokumentation haben sich sehr viel und gut um ihre Kinder gekümmert – aber nicht gearbeitet; freiwillig, ohne Druck dahinter. Staatliche Einrichtung zur Kinderbetreuung gibt es dort kaum.
Während der Wunsch nach Arbeit in Irland dem Familienwunsch nachstand, ist es in Frankreich wieder völlig umgekehrt. Dort wird man als Mutter schief angesehen, wenn man nicht bald möglichst wieder arbeiten geht und die Kinderbetreuung entsprechenden Einrichtungen überlässt. Aber auch hier bleibt die Betreuung – oder vielmehr die Suche nach einem Platz und alles andere, was die Kinder betrifft – auch Frauensache. Die Väter beteiligen sich nicht oder kaum.

Das beste Konzept und auch die beste staatliche Unterstützung hat Schweden. Es ist das einzige der genannten Länder, dass die Väter schon per Gesetz mit in die Kinderbetreuung einbezieht. Die Väter müssen Elternzeit nehmen, wenigstens ein paar Monate. Und sie machen es gerne. In Schweden scheut sich kein Vater auch zu sagen, er möchte für seine Kinder da sein, sich um seine Kinder kümmern. Auch die Arbeitgeber akzeptieren das. Vielleicht nicht immer freudestrahlend, aber sie tun es.

Und ich?

Meine Situation ist folgende: Ich arbeite halbtags, während mein Mann sich zuhause um die Kinder kümmert. Nach der Geburt unseres Sohnes war es im Grunde Zufall, wer zuerst eine Arbeitsstelle bekommt; ich habe gewonnen. Seit dem hat mein Mann nicht mehr als einen Minijob hier und da, aber keine richtige Arbeit. Stattdessen schmeißt er mal gut mal schlecht den Haushalt.
Ich für meinen Teil hatte Glück, ich bin im Öffentlichen Dienst gelandet. Man kann dem Öffentlichen Dienst ja so einiges nachsagen, aber für eine Frau mit Kindern ist die Arbeitssituation ideal. Ich habe Gleitzeit und Cheffs, die verstehen, wenn ich mir spontan Urlaub nehmen muss, weil irgendetwas ist – seien es nun die Kinder, mein Mann oder sogar unsere Haustiere. Ich könnte sogar mehr oder weniger Stunden Arbeitszeit bekommen, wenn ich nur wollte. Ich bin so flexibel, wie ich es sein muss und noch dazu macht mir meine Arbeit wirklich Spaß.

Manchmal hätte ich es gerne anders. Manchmal wünschte ich mir, das finanzielle hinge nicht nur an mir. Mein Gehalt reicht gerade so aus. Wir sind nicht reich, aber wir kommen gut über die Runden, auch wenn es manchmal knapp wird. Ohne Arbeit würde ich mich aber auch nicht wohl fühlen. Ich brauche es, mich auch mit etwas anderem beschäftigen, als nur mit den Kindern. Das empfinde ich als Wohltat und habe so mehr Muse mich mit ihnen zusammen etwas zu machen, wenn ich zuhause bin.

Überdenke ich nun meine Situation und betrachte sie im Kontext der Dokumentation, denke ich, wir müssten nach Schweden ziehen. Nicht, dass das so einfach möglich wäre. Aber hier in Deutschland kommen wir uns manchmal wie echte Exoten vor.
In Schweden wären wir über jeglichen schiefen Blicke und jegliche Kritik über unser Familienkonzept erhaben. Ich hätte vielleicht nicht so oft ein schlechtes Gewissen, weil ich arbeiten gehe und müsste mich nicht öfter als „Rabenmutter“ fühlen, als mir lieb ist. Mein Mann stünde nicht unter dem Erwartungsdruck, der Familienernährer zu sein und von anderen Vätern als Versager dazustehen, weil er es nicht ist. Er schlägt sich als Hausmann gut und wenn ich mich auf eines verlassen kann, dann dass unsere Kinder bei ihm in guten Händen sind. Und auch er ist damit soweit zufrieden.
Dennoch stößt das bei vielen auf völliges Unverständnis.

Was macht eine gute Mutter aus?

Nach gerade mal vier Monaten Auszeit habe ich gestern, am 20. Februar, wieder angefangen zu arbeiten. Damit verbunden ist eine gute Organisation und viele Gefühle. Zwar befinden wir uns derzeit in der glücklichen unglücklichen Situation, dass mein Mann seit geraumer Zeit arbeitssuchend ist; ihm fällt also die Betreuung unser Kinder zu. Ich weiß sie somit in guten Händen und kann beruhigt arbeiten gehen. Ich will auch arbeiten gehen, die Rolle der reinen Hausfrau liegt mir nicht besonders.
Aber da ist dennoch dieser Zwiespalt mit der Mutter in mir.

Die Mutterrolle

Die simple Tatsache, dass Frauen Kinder bekommen, hat das Bild der Frauen gesellschaftlich geprägt. Auf der ganzen Welt ist das Konzept weit verbreitet, dass sich die Frauen um die Familie kümmern. Das beinhaltet nicht nur Kinder, sondern auch die Pflege Alter und Kranker.
Arbeiten und Mutter sein wiederspricht sich im Allgemeinen aber nicht. Mutter sein entspricht in meinen Augen nicht dem gängigen Bild der Hausfrau.
Mutter sein bedeutet, für seine Kinder da zu sein, sie zu lieben, zu pflegen, zu erziehen; kurzum dafür zu sorgen, dass es ihnen rundum gut geht. Das beißt sich nicht mit der gleichzeitigen Ausübung eines Berufes, wenn Zeit für die Kinder da ist.
Dennoch sind viele Menschen von dem Denken in der Gesellschaft derart geprägt – Haushalt und Kinder sind Pflicht der Mutter. Alles, was Kinder und Haushalt betrifft, fällt in fremden Augen zuerst auf die Mutter zurück. Manches Mal wurde ich schon schief angesehen, weil andere Frauen meinen Hintergrund nicht kennen.

In meinem Leben bin ich bisher vornehmlich auf zwei verschiedene Arten von Müttern gestoßen: Die Übermütter im Kindergarten und die arbeitende Mütter in meiner Abteilung.

Über-Mütter

Dank unserer Lebenssituation ist mein Sohn in einer Kindergartengruppe, in der es die Regel zu sein scheint, dass ein Elternteil zuhause ist. Die Betreuungszeit ist nicht übermäßig lang und mittags werden die Kinder als erste vom Kindergarten abgeholt. Alles schön und gut, nur wird mein Sohn im Gegensatz zu allen anderen Kindern von seinem Vater abgeholt.
Generell empfinde ich das nicht als schlimm, diese Über-Mütter machen mir nur ein schlechtes Gewissen. Es scheint ihre Lebensaufgabe zu sein, sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Kinder essen um Punkt 13 Uhr, werden nachmittags zu diversen Aktivitäten kutschiert oder treffen sich dank der Absprache der Mütter mit Freunden. Zu allem Überfluss engagieren sie sich zusätzlich noch im Elternbeirat und helfen im Kindergarten, wo sie können.
Die Erwartungen von diesen Frauen an eine Mutter sind höher, als mir lieb ist und oft habe ich sogar den Eindruck, die Kindergärtnerinnen Fragen sich, warum ich an so vielen Aktivitäten kein Interesse habe; obgleich sie wissen, dass ich arbeite und schlicht keine Zeit habe. Der Umgang mit zu vielen Über-Müttern schraubt auch ihre Erwartungen nach oben. Da kommen Zweifel in mir auf: Mache ich alles richtig? Müsste ich nicht mehr für meine Kinder tun? Müsste ich meinen Sohn nicht schon lange fördern?

Auch unter diesen Müttern gibt es im Übrigen welche, die arbeiten gehen – zum Spaß.

Arbeitende Mütter

Seit fast genau fünf Jahren arbeite ich in Frankfurt, die Hälfte meiner Kolleginnen sind ebenfalls Mütter. Bei diesen stellt sich das Mutterdasein etwas anders dar. Sicherlich arbeiten die meisten Halbtags, um Zeit für ihre Kinder zu haben – ich eingeschlossen. Auch bei diesen Müttern gibt es straffe Zeitpläne um das eine Kind zu seinem Fußballtraining zu bringen und gleich darauf das andere vom Kindergarten abzuholen; auch diese Mütter sind in Elternbeiräten oder versuchen sich anderweitig einzubringen. Aber es ist eine andere Mentalität. Gespräche drehen sich nicht nur um Kinder und Haushalt. Natürlich wird über die Arbeit gesprochen, aber auch viele andere Kleinigkeiten. Es fehlt die Oberflächlichkeit.
Diese Mütter haben sich ihre Kinder nicht zur Lebensaufgabe gemacht, das merkt man ihnen an.

Das richtige Maß

Wie bei so vielem im Leben muss auch hier jede Frau natürlich für sich selbst entscheiden, welches Mutterdasein sie ausleben möchte. Wer als Über-Mutter zufrieden ist, darf auch eine Über-Mutter soein. Ein schlechtes Gewissen sollte ich mir deswegen nicht machen lassen.
Alles in allem bin ich mit der Situation ganz zufrieden. Mein Mann schlägt sich als Hausmann ganz gut und ich muss mich nur noch damit zurechtfinden, dass er einige Dinge anders und vielleicht nicht so gründlich macht, wie ich es machen würde. Dinge, die mir wichtig sind, wie das alltägliche Kochen, mache ich selbst.
Mit einer guten Organisation und etwas Planung ist es möglich dabei auch noch die Zeit für meine Kinder zu finden, die sie brauchen. Was zählt ist die Qualität, nicht die Quantität. Denn was hat mein Sohn davon, wenn ich halbherzig viel Zeit mit ihm verbringe, obgleich ich lieber etwas Ruhe hätte? Er freut sich viel mehr über vielleicht eine halbe oder eine ganze Stunde volle Aufmerksamkeit im Spiel. Noch bevor das Baby da war, habe ich ihm versprochen, wenn ich wieder arbeite, jede Woche einen Nachmittag nur für ihn zu haben. Und meine Versprechen pflege ich zu halte.