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Gedanken zum Schulsystem

Mit dem Ende der Sommerferien begann hier alles neu. Töchterchen durfte endlich den Kindergarten wechseln, Sohnemann besucht nun eine weiterführende Schule und der Mann hat erstmal reguläre Arbeit in einer Kindertagesstätte.
So weit so gut, es läuft. Und doch gibt es da eine Sache, die schwer im Magen liegt: Sohnemann passt nicht in das gängige Schulsystem.

 

Das Frühchendasein

Sohnemann kam zwei Monate zu früh. Schon damals wurde uns gesagt, er würde noch Schwierigkeiten deswegen bekommen, doch er entwickelte sich normal. Es gab keine Komplikationen, er war nur lange Zeit kleiner und schmaler als andere Kinder seines Alters. Ansonsten lag seine Entwicklung von all dem, was in den U-Untersuchungen getestet wird, völlig in der Norm.
Probleme entstanden erst, als er in die Schule kam. Er hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, lässt sich leicht ablenken und braucht Ruhe, um Dinge zu begreifen. Auch seine Feinmotorik ist nicht die Beste, weswegen ihm alles Schriftliche schwerfällt.

 

Vorpubertät

So langsam bahnt sich die Pubertät ihre Wege und das merkt man Sohnemann an. Mädchen interessieren ihn zwar noch nicht, aber emotional wird er immer empfindlicher. Besonders, was die Schule angeht. Sobald er etwas nicht schafft, verliert er nicht nur die Lust, sonder beginnt zu zweifeln. „Ich bin der dümmste Junge der Schule!“, schallt es dann aus dem Zimmer.
Das ist er natürlich nicht. Im Gegenteil. Ich sehe einen sensiblen und sehr intelligenten Jungen. Mit dem Verständnis des Schulstoffs hatte er bisher noch nie Probleme. Allein die Methode, wie er es lernen soll, ist die Hürde. Eine sehr Große sogar. All die Eindrücke in einem normalen Klassenraum sorgen dafür, dass er Erklärungen im Unterricht nicht folgen kann. Besonders dann, wenn es ihn Nichtmal interessiert.

 

Schulkonzepte

Das Schulkonzept unserer Grundschule sieht vor, dass die Kinder erst ab der dritten Klasse Noten bekommen. Doch seid es Noten gibt, sackt Sohnemann immer weiter ein. Schlechte Noten bedeuten, er sei dumm, so wurde das von so manchen Lehrern kommuniziert. Der nette Referendar, der sich in Mathematik sehr bemühte und bei dem Sohnemann der Unterricht sehr viel Spaß gemacht hatte, wurde leider ausgebremst. Es gab Beschwerden. Solche Ereignisse hängen Sohnemann nach. Noch immer sagt er, ihm hätte Mathematik mit besagtem angehenden Lehrer sehr viel Spaß gemacht. Mittlerweile ist das fast zwei Jahre her und Mathe ist sein Hassfach geworden.
Der Druck in der vierten Klasse wurde immer größer. Immerhin stand dann ein Schulwechsel an und die Noten sollten entscheiden, auf welche Schule er wechseln konnte. Leider sind solche Jungen wie Sohnemann gerne das Ziel von Rabauken. Die gibt es zwar auf jeder Schule, aber Unterforderung in Kombination mit Mobbing war uns allen eine Horrorvorstellung.
Sohnemann wusste, wie wichtig die Noten bei der Wahl der weiterführenden Schule war und verzweifelte fast daran, dass all seine Bemühungen scheiterten und er sich selbst im Weg stand. Noten wurden zum Graus. Noten waren das schlimmste an der Schule und jedes Mal machte er sich fertig, weil er eine schlechte Note erwartete. Dabei bekommt er, anders als diverse seiner Freunde, keinen Ärger wegen schlechter Noten von uns. Wir versuchen viel mehr, ihn zu unterstützen.

Für seine weiterführende Schule haben wir in Absprache mit seiner (nun ehemaligen) Klassenlehrerin die beste Wahl getroffen, die uns möglich war: Eine integrierte Gesamtschule. Das Konzept ist etwas offener, alle Schüler aus Haupt-, Real- und Gymnasialstufe sind in einer Klasse in den Grundfächern zusammen und werden in den grundlegenden Fächern wie Sprachen, Naturwissenschaften und so weiter in Kurse aufgeteilt – je nachdem, welche Noten sie in den Fächern haben. Doch es ist nicht so starr, wie das dreigeteilte Schulsystem allgemein.
Dennoch geht es auch dabei wieder um Noten.

 

Erwartungshaltung und Leistungsdruck

Ein sensibles Kind geht leider allzu oft unter. Ich für meinen Teil versuche Sohnemann das Gefühl zu geben, dass er bleiben kann, wie er ist; verträumt, sensibel, kreativ und sogar nachdenklich. Das schwierigste an dieser Kombination für ihn ist, irgendwie mit einem System zurechtzukommen, in dem auch als „normal“ geltende Kinder oft schon Probleme haben. Noch hat er erst ein paar Wochen auf der neuen Schule hinter sich. Noch wurden keine Arbeiten geschreiben und noch bekam er keine Noten. Es bleibt abzuwarten, ob es auf der Gesamtschule besser läuft, als bisher in der Grundschule.
Unsere Erwartung jedenfalls ist: Er soll seinen Weg finden. Da sind sich der Mann und ich einig. Sohnemann ist ein intelligentes Kerlchen. Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe und denkt sich auch phantasievoll alles Mögliche aus. Er ist sozial eingestellt, hält sich an Regeln und ist doch zumindest in seiner Arbeitsweise eine Art Einzelgänger, weil er die Ruhe dafür benötigt. Und sobald er sich für etwas interessiert, ist er auch mit viel Spaß dabei.

Leider ist es aber nicht das, was diese Gesellschaft fordert. Diese Gesellschaft macht Druck. Diese Gesellschaft misst Leistung in Noten und Zeugnissen, anstatt an dem, was ein Kind leisten könnte, ließe man es seinen Interessen folgen. Und alles, was wir dabei tun können, ist dafür zu sorgen, dass unser Sohn nicht an dem Druck einer Leistungsgesellschaft zerbricht.

 

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Die Auto-Kolonnen-Blockade – oder: ein Schulweg ohne Autos?

Es wird Frühling. Nach den eisigen morgenden, werden die Tage wieder Wärmer und trockener und meine Kinder freuen sich darauf, wieder Radfahren zu können. Klar, dachte ich bei mir, Töchterchen mit dem Fahrrad zum Kindergarten bringen ist schöner, als mit dem Bus zu fahren. Sohnemann hatte sich vom Winter ohnehin nur selten davon abhalten lassen, mit dem Rad oder seinem Roller zur Schule zu fahren. Aber für Töchterchen war es zu kühl – zumal ihr Weg ungleich länger ist, als Sohnemanns.

 

Horden von Autos

Mit großer Freude setzte sich Töchterchen an dem Morgen auf das Fahrrad, als ich endlich zustimmte, mit dem Rad zum Kindergarten zu fahren. Am ersten Tag waren wir spät dran, doch am Tag darauf dachte ich, mich tritt ein Pferd. Wir waren äußerst früh unterwegs. Unser Weg führt an einer stark befahrenen Straße entlang, an der mehreren Schulen ihre Zufahrt haben. Und die Autos standen Schanlge, um zu den Schulen einbiegen zu können.
Töchterchen fuhr langsamer auf dem Radweg. Ihr waren die ganzen Autos sichtlich nicht geheuer. Doch sie verließ sich auf mein Wort, wir hätten vorfahrt. Die meisten Autofahrer beherzigen das zum Glück auch, besonders, wenn sie ein kleines Kind auf einem Fahrrad sehen. Dann nehmen sie Rücksicht. Aber was ist mit den Größeren?

Diese Frage stellte ich mir ein paar Tage später ein weiteres Mal. Der Mann brachte Töchterchen in den Kindergarten und ich konnte Sohnemann zu Schule begleiteten – ebenfalls mit dem Fahrrad. Es ist für mich praktisch, denn die Schule liegt auf dem Weg zum Bahnhof. Doch auch da stauten sich die Autos. Um die ganze Schule herum drängte sich Auto um Auto, in allen Größen und allen Farben.
Käme Sohnemann nicht jeden Morgen von der Seite, an der keine Einfahrt für Autos ist, hätte sogar ich darüber nachgedacht, ihm zu verbieten mit dem Rad zu fahren. Sicherlich, Sohnemann hat seine Prüfung abgelegt und auch bestanden. Aber Kinder sind für gewöhnlich trotzdem nicht unbedingt verkehrssicher; da hapert es ja schließlich auch bei so manchem Erwachsenen. Doch diese Kolonnen von Autos, die alle unbedingt ein einziges Kind abladen müssen, um dann mühevoll in der Sackgasse hinter der Schule zu drehen und sich wieder raus zu schlängeln, ist für Kinder sicher alles andere als eine Motivation vielleicht selbstständig mit dem Rad zur Schule zu kommen.

 

Die Unsicherheiten des Schulweges

Ein gängiges Argument für Eltern, ihre Kinder mit dem Auto zu bringen ist der „unsichere Schulweg“. Gut, da habe ich durchaus Verständnis. Sohnemanns Schulweg könnte auch sicherer sein, denn er muss genau an jeder stark befahrenen Straße über die Ampel, an der ich mit Töchterchen zum Kindergarten entlangfahren muss. Trotzdem ist es doch wohl keine Lösung, stattdessen selbst mit dem Auto hinzufahren. Im Gegenteil: dadurch ist ein Auto mehr in der Blockade.
Ich verstehe auch das Argument, dass man ohnehin auf dem Weg zur Arbeit an der Schule vorbeifährt und das Kind dort absetzen kann. Aber wozu muss man es dann bis vor die Tür fahren? Mal ehrlich, ist es denn so schwer, es an der Kreuzung vorher einfach rauszulassen, dass es das letzte Stück laufen kann? Oder ist auch das zu gefährlich, weil da ja eine ganze Meute von Autos vor der Schule lauert, nur um das nächste Kind anzufallen? Oder ist es nur diese elende Bequemlichkeit des Autos, die alle rigoros ausnutzen wollen?
Ich weiß es nicht und werde es als jemand, der selbst kein Auto fährt, wohl nie verstehen.

 

Selbstständigkeit und Vertrauen

Bei diesen Auto-Kolonnen geht mir noch etwas durch den Kopf: diese Eltern nehmen ihren Kindern doch auch ein Stück ihrer Selbstständigkeit und des Vertrauens. Ja, ich begleite meinen Sohn auch ein oder zwei Mal in der Woche zur Schule, aber der Fokus liegt auf dem Wort „begleiten“. Die Schule liegt auf meinem Weg und ich verbringe gerne etwas Zeit mit Sohnemann. Wir reden die zehn Minuten über alles mögliche und ich denke, er genießt die Zeit, die er mich für sich alleine hat. Aber ich weiß, dass er in der Lage ist, den Weg alleine zu bewältigen. Ich vertraue ihm. Schon zwei Wochen nach der Einschulung wollte er ersteinmal alleine gehen – und ich habe ihn gelassen. Denn bei Sohnemann war es immer schon sehr einfach: was er sich zutraut, das kann er auch.

Auch dann, wenn Töchterchen zur Schule gehen wird, werde ich sie ab und zu begleiten – sofern sie es möchte. Derzeit spricht sie davon, dass sie alleine zum Kindergarten gehen möchte. Klar, sie kennt den Weg, aber da sind diese Auto-Kolonnen vor den Schulen …

Über Leichen in die Bibliothek – oder: Beitrag zur Blogparade „Was mache ich eigentlich beruflich?“ #workingblogger

Da stolpert man über eine interessante Blogparade mit einem Thema, zu dem man ohnehin schon mal etwas schreiben wollte und hat dann sogar noch zwei Wochen Zeit, selbst einen Artikel zu verfassen. Zwei Wochen heißt bei mir etwas 4 bis 5 Stunden verteilt auf zwei Wochenenden. Viel mehr Zeit für meine Blogs bleibt mir einfach nicht.
Und genau darum geht es auch in der Blogparade: »Was mache ich eigentlich beruflich?« von Großstadtküste (#workingblogger). Denn, wenn ich etwas schon öfter erwähnt habe, dann dass ich berufstätig bin.

Familie, Beruf und Hobby – all diese Dinge muss ich unter einen Hut bekommen. Leider wird es einem dabei oft nicht ganz einfach gemacht. Ich bin Pendlerin und habe noch dazu nur einen Führerschein für mein Fahrrad, nicht aber für irgendetwas, dass einen richtigen Motor hätte. Die größte Tageshürde ist derzeit der Kindergarten, der leider im falschen Stadtteil liegt.
Nachdem ich also zwischen 5:30 bis etwas 8:30 erst einmal alles erledige, was ich so zu erledigen habe (das umfasst mich fertig machen, schreiben, den Hundespaziergang, die Kinder fertig machen und wegbringen), schlage ich dann täglich gegen 9:30 endlich auf der Arbeit auf. In »meiner« Bibliothek nämlich. Ja, ihr lest richtg: Ich bin Bibliothekarin.

Und wie kommt man zu sowas?

Meine Antwort darauf ist: Berufsberatung. Nach meinem Abitur stand nur fest, dass ich etwas mit Büchern studieren wollte. Da gab es nur zwei Möglichkeiten. Das eine war ein Studium in Bibliotheks- und Informationswissenschaften das andere war ein Kunststudium für Buchkunst. Da ich trotz einem Leistungskurs in Kunst einfach nicht gut genug war, habe ich dann einfach das andere gemacht.
Schon im Studium habe ich mich gerne mit Webdesign beschäftigt. Das traf meine künstlerische Ader und vor allem auch meinen Hang zum Perfektionismus. Schon pixelkleine Verschiebungen stechen mir ins Auge und sind im Code so einfach zu beheben! Leider saß ich, mit meinem Diplom in der Hand, nach dem Abschluss trotzdem erst einmal auf der Straße, völlig ohne Job. Und was macht Frau dann, wenn sie es nicht leiden kann, gar nichts zu tun? Genau: Sich bewerben. Neben den üblichen Bewerbungen im Bibliothekswesen hatte ich aber noch die grandiose Idee, mich auch für ein Zweitstudium zu bewerben. Dumm herumsitzen liegt mir nicht. Ich wollte also etwas Sinnvolles machen und mich gleichzeitig bewerben. Ein halbes Jahr hing ich rum ohne, dass meine Bewerbungen einen Erfolg gebracht hätten – zumindest nicht die als Bibliothekarin. Aber eine Uni nahm mich mit offenen Armen zwei Wochen vor Semesterbeginn in meinem Wahlstudiengang Humanmedizin auf.

Die Leichen sezierenende Bibliothekarin

Zur Erklärung für alle, die sich nun wundern: Ich habe eine medizinische Vorprägung. Ich bin Ärztinnentochter und habe somit auch schon immer einen Hang zur Medizin gehabt. Es war also nicht ganz so abwegig Medizin zu studieren, wie es im ersten Moment klingt.
Zwei Wochen waren nun aber nicht viel Zeit, um umzuziehen. Ein Glück nur, dass mich gerade die Uni aufgenommen hatte, die in erreichbarer Nähe zu meinen Eltern liegt. Mein Mann war zur gleichen Zeit mit seiner ersten Ausbildung fertig und so schafften wir es wirklich innerhalb dieser zwei Wochen vor Studienbeginn in eine Wohnung zu ziehen, die ungenutzt im Haus meines Vaters zur Verfügung stand. Und dann begann das erste Mal in meinem Leben richtig Stress. Das Medizinstudium war Stress pur. Ich paukte zum zweiten Mal in meinem Leben sämtliche Naturwissenschaften durch und die Anatomie des Menschen. Ohne den Anatomiekurs hätte ich wahrscheinlich noch weniger als nicht ganz zwei Semester durchgehalten. Doch da ich dabei meinen ursprünglichen Plan, mich während des Studiums weiterzubewerben, nicht durchhalten konnte und auch nicht ernsthaft vor hatte, Ärztin zu werden, sondern viel mehr darüber in einer medizinischen Bibliothek hatte Fuß fassen wollen, gab ich das Studium auf und landete in meinem ersten Minijob.

Führerscheinlos in der Autowerkstatt

Letztlich fand ich mich, dank meines Vaters, in dem Büro seiner Werkstatt wieder. Es war die Zeit meiner ersten Schwangerschaft und er brauchte dringend eine Bürokraft; jemanden, der mitdenken konnte und der sich seine Arbeit am besten auch noch selbst suchte.
Und das tat ich. Ich bastelte an der Werkstatthomepage und baute mein Wissen im Webdesign aus. Nachdem mein Sohnemann auf der Welt war und ich mich von der Geburt erholt hatte, begann ich auch wieder, mich zu bewerben.

Endlich in der Bibliothek

Nach mehreren Bewerbungsanläufen landete ich schließlich in »meiner« Bibliothek. Der Zufall wollte es, dass auch diese ohne Umzug für mich erreichbar war. Die simple Tatsache, dass ich autodidaktisch arbeitete und mir einfach selbst die nötigen Kenntnisse im Webdesign erworben hatte, qualifizierte mich für den Job, den ich heute noch mache.
Leider hat sich meine Vorgabe »etwas mit Büchern« zu machen in meinem Beruf nicht gänzlich erfüllt. Ich habe nämlich für gewöhnlich keine Bücher in der Hand, sondern sitze am PC und programmiere mit Javascript, schreibe News oder Anleitungen und gestalte diverse Kleinigkeiten. Systembibliothekar nennt sich so etwas heute. Und nein, ich hätte mir zu Schulzeiten niemals träumen lassen, dass ich einmal programmieren würde. Auch nicht während meines Studiums. Aber mir gefällt es.

Und wie ist das mit der Vereinbarkeit?

Tja, was meinen Beruf angeht, hatte ich bis letzten September zum Glück wenig Probleme mit der Vereinbarkeit. Der einfache Grund dafür hieß: Hausmann.
Nachdem ich das Medizinstudium aufgegeben hatte, hing es nur noch davon ab, wer zuerst einen Job findet, um zu entscheiden, wer bei Sohnemann zuhause blieb. Ich fand zuerst den Job – und mein Mann hatte fortan all die Probleme, die man als Elternteil hat, wenn man ein Kind zuhause hat und vielleicht doch irgendwo einen Fuß in die Tür der Arbeitswelt bekommen will. Außerdem hatte mein Mann schlicht die falsche Ausbildung gemacht und wenig Motivation in seinem Beruf letztlich auch zu arbeiten. Mir fiel also die Ernährerolle zu. Und ich kann nur sagen: Ich hasse sie! Sein eigenes Geld zu verdienen ist eine Sache. Es fühlt sich auch gut an. Aber alleine das Geld zu verdienen und abwägen zu müssen, wie viele Stunden ich unbedingt arbeiten muss, um unseren Lebensstandard aufrechtzuhalten und dabei aber trotzdem noch genug Zeit für die Kinder zu haben, ist nochmal etwas anderes. Denn auch wenn ich gerne arbeite, meine Kinder sind mir einfach wichtiger. Als Hausfrau würde ich mich allerdings sicherlich auch nicht wohl fühlen. Ich brauche einfach ein gutes Mittelmaß.

Dass es hier läuft, hängt jedoch auch mit großem Glück in vielen Dingen zusammen. Von der Wohnung über verständnisvolle Chefs und Kollegen, bis hin zu meinen Verwandten, die uns immer so wunderbar unterstützt haben. Ohne all das wäre ich wahrscheinlich schon lange am Boden zwischen all dem, was ich will und was ich muss. Denn die Unterstützung von Seiten des Staates hält sich jetzt, wo mein Mann eine zweite Ausbildung macht, leider in Grenzen. Zwar bekommt er einen Bildungsgutschein, doch dieser deckt vielleicht gerade Mal die Hälfte der Kosten. Trotzdem ginge es ohne diesen gar nicht, denn die ersten zwei Jahre als angehender Erzieher verdient mein Mann nichts, kann aber nicht wie vorher die ganze Zeit für die Kinder da sein. Die müssen in der Nachmittagsbetreuung untergebracht werden und die gibt es ja bekanntlich nicht umsonst.

Das größte Problem: Der falsche Kindergarten

Töchterchen ist nicht in unserem Wunschkindergarten gelandet. Stattdessen geht sie im Nachbarstadtteil in den Kindergarten. Nun habe ich ja bereits schon geschildert, dass ich nicht Auto fahre. Bis letzten September hat es mir nichts ausgemacht. Bis selbst ich Autohasserin begriff, für wie selbstverständlich es gilt, ein Auto zu haben, selbst in einer doch recht großen Stadt wie unserer mit eigentlich guten Verkehrsanbindungen.
Aber die Verkehrsanbindungen sind nicht gut genug. Eine halbe Stunde brauche ich morgens, bis ich Töchterchen im Kindergarten abliefern kann. Da macht es wenig Unterschied, ob wir mit dem Bus fahren oder mit dem Rad. Als Pendlerin muss ich dann rennen, um am Bahnhof meinen Zug zu bekommen. Und das ist noch weit einfacher, als die Situation, wenn ich Töchterchen abholen muss. Denn ja, auch mein Mann muss in die entgegengesetzte Richtung. Nun ist es aber leider nicht so einfach, von unserem Hauptbahnhof oder von der Schule meines Mannes mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad pünktlich am Kindergarten zu sein. Nicht, wenn man bedenkt, dass weder ich – und trotz all der Flexibilität, die ich glücklicherweise in meinem Job habe – einfach weniger arbeiten kann, als ich wöchentlich muss, noch mein Mann seinen Unterricht versäumen sollte. Eine Verlängerung der Kindergartenzeit können wir uns allerdings nicht leisten. Wir werden schon ein Problem bekommen, wenn die Betreuungskosten im nächsten Jahr, wie angekündigt, steigen werden.
Für einen Kindergartenwechsel haben wir bisher jedoch eine Abfuhr erhalten. Dabei wäre unser Wunschkindergarten sogar von der Verkehrsanbindung ideal. Aber es zählt eben nur, dass all das möglich wäre, hätten wir ein Auto. Und so steht mittlerweile auch wieder eines vor der Wohnung auf der Straße – und selbst ich muss zugeben, dass ein Auto entlasten ist.

Und wo bleiben da die Kinder?

Tja, das frage ich mich in der letzten Zeit oft. Ich habe doch nicht zwei Kinder in die Welt gesetzt, um am Ende kaum noch etwas mit ihnen zu tun zuhaben?
Unser Tagesablauf hat sich im letzten Jahr radikal geändert. Ich kochte unter der Woche nicht mehr abends. Die Kinder Essen in der Betreuung warm, dann brauche ich mir nicht mehr Mühe machen, als Abends noch Brote zu schmieren und Obst zu schneiden. Kleinigkeiten für mich sind schnell zubereitet. Wir essen also noch zusammen und dann ist der Tag quasi auch schon gelaufen. Ich bin abends einfach nur noch fertig und meinem Mann geht es nicht besser. Alles, was ich mit meinen Kindern mache, verlagert sich auf das Wochenende; einen Tag, an dem ich mir die Kinder schnappe und einfach irgendetwas mit ihnen unternehme und wenn es nur ein langer Spielplatzausflug ist.
Irgendwie zwischendurch wird dann auch noch ein ganz klein wenig Hausarbeit erledigt.

Fällt noch irgendwem auf, dass an diesem Konzept irgendwas nicht so ganz stimmen kann? Die große Frage, die ich mir da stelle, ist: geht das nur uns so? Sind nur wir so unfähig, den ganzen Alltag zu meistern? Geht es nur uns so, dass keiner von uns am Ende mehr die Energie hat, mit den Kindern zu reden oder auch nur zuzuhören, was sie zu sagen haben? Geht es nur uns so, dass die ganze Woche einfach nicht genug Zeit ist, sich wirklich mit den Kindern zu beschäftigen?

Der Wunschtraum Autorin

Es gibt in all dem Tagesstress noch eine kleine Zeitspanne, die mir so wichtig ist, dass ich versuche sie im (fast) jeden Preis zu halten. Mein Name Möchtegernautorin kommt nicht von irgendetwas. Ich habe so viele Hobbys zwischenzeitlich aufgegeben, doch das Schreiben hat sich gehalten. Es war sogar so wichtig, dass ich während meiner Schwangerschaft mit Sohnemann beschloss, es wirklich ernst zu nehmen und zu lernen. Denn dieses Hobby, dass ich im Moment wirklich in den geringsten Zeitfenstern ausübe, die ich mir im Laufe des Tages schaffen kann, ist das, was ich eigentlich wirklich will. Ich will schreiben! Ich will mein Buch in der Buchhandlung stehen sehen! Oder besser noch meine Bücher?
Dreißig Minuten habe ich dazu täglich. Dreißig Minuten am frühen Morgen, in denen ich versuche, mir etwas aufzubauen, dass veröffentlichungswürdig ist und das ich an einen Verlag schicken kann. Ich mache mir nicht die Illusion davon leben zu können. Ich weiß, dass ich auch weiterhin werde arbeiten gehen müssen; dass ich weiterhin arbeiten gehen möchte! Aber mein erklärtes Ziel ist es, etwas in einem guten Verlag zu veröffentlichen.

Und ganz vielleicht klappt es ja doch. Vielleicht werde ich ja doch Bestsellerautorin und kann mir ein kleines Schreibbüro leisten, in der Nähe von Töchterchens zukünftiger Schule. Dann wäre ich so flexibel, wie man nur sein kann, könnt schreiben so viel ich will und hätte all die Zeit, die ich wirklich haben will für meine Kinder. Wäre das nicht toll?

 

Zuletzt

Ja, das bin also ich: Vollzeitmutter, Teilzeitbibliothekarin und Möchtegernautorin 🙂 Dies sind die drei wichtigsten Eckpfeiler meines Lebens und meines Alltags – und fragt bloß nicht, wo ich da noch das Stricken unterbringe.

 

Ein Kichern in der Nacht – oder: Windelentwöhnung

Seit Töchterchen im letzten Jahr in den Kindergarten gekommen ist, stand im Raum: wann lernt sie selbstständig auf die Toilette zu gehen? Zwar sind wir – anders als bei Sohnemann damals – nicht von Seiten des Kindergartens darauf angesprochen worden, doch man hat im Hinterkopf, dass es langsam so weit sein müsste.
Also versuchten wir gegen Töchterchens Dickkopf anzukommen, fragten sie öfter, ob sie auf Toilette gehen wolle, ob sie mal müsse und und und. Meistens schüttelte sie den Kopf und ob mit oder ohne Toiletensitz oder Töpfchen, es kam nie etwas. Doch all das war eher nebenbei und inkonsequent.

Versuch Nummer 1.

Der erste Versuch fand Anfang des Jahres statt, als Töchterchen von sich aus sagte, sie wolle keine Windel mehr tragen. Da beschlossen wir, das ganze nun konsequent anzugehen.
Also zog ich los und kaufte Unterhosen; was keine leichte Aufgabe war, da Töchterchen ein schmales Kind ist und es in ihrer Größe kaum Auswahl gab. Dennoch, ich fand welche, die passten. In schnödem Weiß. Nachdem es einmal daneben ging und Töchterchen in ihrer eigenen Pipi dastand, weigerte sie sich, Unterhosen zu tragen und bestand auf ihre Windel.
Auch die Unterhosen mit ihren Lieblingsmotiven, die ich danach noch mitbrachte, halfen bei dem Dickkopf nicht mehr. Zwar ließ sie sich ab und zu noch einmal dazu überreden, eine Unterhose anzuziehen, allerdings wollte sie immer nur eine bestimmte und keine andere – keine gute Ausgangssituation, wenn man diese dann doch öfter vollpinkelt.

Versuch Nummer 2.

Der zweite Versuch begann diesen Frühling. Wir hatten den Hintergedanken, dass es einfacher für sie sei, je weniger sie sonst noch anhaben musste. Außerdem versprachen wir ihr eine Belohnung, wenn sie endlich keine Windeln mehr brauchte. Das war immerhin ein guter Ansporn.

Die ersten paar Male gingen wieder schief, doch wir blieben hartnäckig. Beim Abendessen dann rutschte Töchterchen unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Die Frage, ob sie denn auf Toilette müsse, verneinte sie. Trotzdem griff ich sie mir, setzte sie auf die Toilette und erzählte ihr Hundegeschichten, um sie abzulenken. Und siehe da: Irgendwann hörten wir es Plätschern.
Töchterchens Freude war groß! Und es war genau der richtige Zeitpunkt, denn damit hatte es Klick gemacht. Plötzlich wusste sie, wann sie Pipi machen musste und es ging wirklich nur noch wenige Male schief.

Innerhalb von vielleicht einer Woche war es dann schon geschafft. Töchterchen hatte es sehr schnell raus, wann sie auf Toilette musste. Ob Groß oder Klein, alles landete dort, wo es hingehörte.
Windeln brauchte Töchterchen sehr bald nur noch nachts und somit hatte sie sich ihre Belohnung verdient:

Das Fahrrad mit Lila mit Stützrädern und Korb

Das Fahrrad mit Lila mit Stützrädern und Korb

Und ja, sie liebt ihr Fahrrad! 😉

Das Kichern in der Nacht

Es kam der Tag, an dem ich vergaß Töchterchen abends eine Windel anzuziehen. Erst als ich Töchterchen morgens für den Kindergarten anzog bemerkten wir beide, dass sie noch immer eine Unterhose trug. Zu meiner Freude war mein Bett trocken geblieben.
Fortan bestand Töchterchen darauf, auch ohne Windel zu schlafen. Ein wenig Magengrummeln hatte ich schon noch. In ihrer Windel war morgens oft nichts drin gewesen, doch es hatte immer diese wenigen Nächte gegeben, in denen sie eben doch im Schlaf gepinkelt hatte. Und es kam, wie es kommen musste.

Es begann mit einem Kichern. Ich wurde wach, weil Töchterchen neben mir im Bett lag und kicherte. Dann folgte ein: „Mama, ich muss Toilette.“ Leider war es da schon passiert; Töchterchen hatte ins Bett gemacht.
Ich hatte es ja quasi schon erwartet. Ich hatte erwartet, dass sie nachts weinend aufwachen würde, weil sie nass war. Ich hatte erwartet, dass ich sie beruhigen musste, dass wir ihr erklären müssten, dass es nicht schlimm war und manchmal einfach passierte, auch wenn man schon auf Toilette gehen konnte. Ich hatte ziemlich viel erwartet, nur nicht, dass sie kichern und es völlig ruhig hinnehmen würde. Ich wischte sie ab und zog sie um, während mein Mann das Bett soweit sauber machte, die Matratze umdrehte und die Bettwäsche wechselte. Dann legte sich Töchterchen seelenruhig wieder hin und schlief weiter.

Das Problem, das keines war

Ein paar Mal passierte es noch, dass Töchterchen ins Bett machte. Dann stellte sich heraus, dass es im Grunde sehr einfach zu lösen war: sie musste einfach vor dem Zubettgehen noch einmal Pipi machen.
Auch da stellte ich mich darauf ein, dass es schwierig werden würde, ihr beizbringen, dann zu pinkeln, wenn sie es wollte und nicht nur, wenn musste. Den Trick hat Sohnemann noch immer nicht drauf (aber der hat niemals ins Bett gemacht, er ging immer brav auf die Toilette, auch mitten in der Nacht). Doch schon bei der ersten Aufforderung ging Töchterchen nach dem Zähneputzen Pipimachen, einfach so. Sie wollte keine Windel mehr tragen. Und sie konnte sich ganz offensichtlich dann erleichtern, wenn sie es wollte. Und schon war das Problem vom Tisch.

Natürlich passiert es noch ab und zu, dass sie im Schlaf Pipi machte. Wenn sie abends viel trinkt, nutzt es auch nichts, vor dem Schlafengehen noch einmal auf Toilette zu gehen. Doch nachdem es nun noch ein paar Mal daneben ging, wacht sie nun auf wenn sie muss – und erfüllt jetzt meine Erwartungen. Sie weint, scheint aber nicht richtig wach zu werden. Fragen nutzt in dem Fall nichts. Aber setzten wir sie dann auf Toilette, macht sie etwas und schläft hinterher im Bett seelenruhig weiter.

Jetzt warte ich nun also nur noch auf die nächste Überraschung: dass Töchterchen nachts einfach aufsteht, Pipimacht und wir dann von einem „Kannst du mir helfen?“ aus dem Bad geweckt werden, anstatt von einem weinenden Kind 😉

Wir sind im Urlaub :)

Seit längerem habe ich mal wieder die Gelegenheit auf diesem Blog auch wieder ein paar Schnappschuss-Fotos zu präsentieren 🙂 Wir sind nämlich im Urlaub und auch, wenn bei der Planung zugunsten der Hunde das WLAN unter den Tisch fiel, so haben wir doch welches.

Gestern sind wir angekommen und nun stehen den Kinden, dem Hund und mir fast zwei Wochen Ruhe bevor. Wir werden es genießen!

Urlaub 2015: Die Ankunft - Kinder mit Hund vor dem Ferienhaus

Urlaub 2015: Die Ankunft