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Von gesundem Menschenverstand im Wahlnachgang

Die Bundestagswahl ist um, wir haben gewählt. Und wieder saß ich in meiner kleinen Filterblase und glaubte an die Vernunft der Menschen – bis ich die ersten Hochrechnungen sah.

Kurz vorweg: Ja, ich bin links-grün-versifft. Ich halte soziale Berufe für die Wichtigsten, ich finde alle – vor allem alle Kinder – sollten die gleichen Chancen erhalten, ich mag keine Autos, keine Rassisten und keine gedankenlosen Mitläufer und bin voll für die Energiewende. Kurzum: Ich mache mir Sorgen um Menschen, Tiere und überhaupt alles Lebendige auf dieser Welt.
Und ich hoffe immer noch darauf, dass sich endlich Einiges zum Guten wendet und Menschen zeigen können, dass sie auch vernünftig sein können, statt sich in „Sicherheit“ zu wiegen und einfach jemand anderem die Schuld an all dem zu geben, was gerade schief läuft. Denn in dem Moment gibt man seine eigene Meinung ab.

 

Es beginnt im Kindergarten …

Meine Kinder denken nach. Über ziemlich vieles. Sohnemann hat sich schon immer tiefgehende Gedanken gemacht; über Gott und die Welt. Und ja, auch er bekommt vieles mit und fragt nach. Er fragt, warum manche Menschen die Flüchtlinge nicht hier haben wollen. Er fragt, warum sich die Jungs in der Schule darüber lustig machen, wenn er „Mädchenkram“ mag oder eine Wuschelfrisur haben möchte. Und er denkt intensiv darüber nach.
Töchterchen ist da sogar noch fixer. Während Sohnemann erst in der Schule anfing, Dinge kritisch zu hinterfragen, macht Töchterchen das jetzt schon. Sie glaubt nicht einfach alles, was ihr andere erzählen. Nein, sie fragt lieber noch einmal ihre Eltern. Und das ist gut so! Es zeigt, dass sie sich Gedanken macht. Es zeigt, dass sie schon jetzt eine eigene Meinung entwickelt. Und ja, sie darf natürlich anderer Meinung sein, als ich oder der Mann!

Aber dann sind da die anderen Kinder. Die, die meinen, nur ihre Meinung sei richtig, nur sie hätten das sagen und denen es egal ist, ob sie andere Kinder verletzten. Und auch deren Eltern ist es egal. Die sehen das „als nicht so schlimm“ an. Kinder von Eltern, die kein Einfühlungsvermögen haben, werden selbst schwerlich eines entwickeln – und die werden rücksichtslos.
Aber unsere Gesellschaft ist eine Ellenbogengesellschaft. Menschen, die auf andere Menschen achten, gehen im Egoismus anderer allzu leicht unter. Vielleicht sind es auch diese Kinder, die im Egoismus ihrer Eltern untergehen und so unbesehen einfach das tun, was diese für das Beste halten.

 

Für mehr Toleranz und weniger Vorurteile

Vorurteilen begegnen wir immer wieder. Selbst ich ertappe mich immer mal wieder bei vorurteilbehafteten Gedanken; insbesondere dann, wenn ich andere Eltern mit ihren Kindern beobachte. Aber ich ertappe mich und ich reflektiere darüber. Letzteres fehlt leider vielen Menschen.
Und doch ist es die Selbstrefelektion, die dazu führt, seine eigene Meinung bilden zu können. Wer seine eigenen Gedanken, sein eigenes Reden und sein eigenes Handeln nicht überdenken kann, wird niemals verstehen, weswegen Menschen anderer Meinung sein können. Toleranz hängt mit Verständnis zusammen – und mit Offenheit. Ohne Offenheit keine eigene Meinung und keine Toleranz.
Und das beginnt bereits im Kindergartenalter. Kinder wollen Dinge verstehen. Kinder wollen toleriert werden, wollen so sein können, wie sie sind. Wird das von den Eltern unterbunden, weswegen sollten sie dann tolerieren, wenn andere Kinder anders sind? Wie sollen sie so einen gesunden Menschenverstand entwickeln? Denn auf den kommt es doch an, oder nicht? Der gesunde Menschenverstand allein verbietet es doch, anderem Menschen wissentlich zu schaden. Der gesunde Menschenverstand muss doch dafür sorgen, dass man über sich selbst und die Welt nachdenkt. Und über die Konsequenzen des eigenen Handelns.

Ich stelle mir mittlerweile die Frage, ob es eine Seltenheit ist, wie ich aufgewachsen bin; mit politisch engagierten Eltern und Großeltern. Mit einer Familie, die sich auch schon früher nicht zu fein war, eine Flüchtlingsfamilie aus Afrika bei uns im Haus aufzunehmen. Mit einer Familie, die sich mit Sachverhalten auseinandersetzt, umsich eine Meinung bilden zu können.
Eigenständiges Denken und Selbstständigkeit ist es, was hoch geschätzt wird und was zum Glück auch meine Kinder mitgenommen haben. Und ich wünsche mir, dass alle Eltern ihr eigenes Verhalten, ihr eigenes Handeln reflektieren lernen – vielleicht erlangen wir dadurch wieder mehr soziale Kompetenz, Eigenständigkeit und Verständnis für andere. Die Welt ist nicht schwarzweiß. Sie ist bunt. Leider wird das oft durch Angst, Egoismus und Ignoranz verschleiert.

 

#wirschreibenDemokratie

Im Rahmen meines Autorendaseins hat sich bezüglich der Wahlergebnisse auch sofort etwas getan. Das Nornennetzwerk brachte den Hashtag #wirschreibenDemokratie auf, zu dem sich bereits einige Beiträge gesammelt haben. Wer sich generell für das Thema interessiert, einige Links gibt es auf den Webseiten Katherina Ushachov. Oder ihr stöbert nach dem #wirschreibenDemokratie auf Twitter.
Meinen Beitrag findet ihr auf in meinem Autorenblog: #WirschreibenDemokratie – ein paar Gedanken.

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Gedanken zum Schulsystem

Mit dem Ende der Sommerferien begann hier alles neu. Töchterchen durfte endlich den Kindergarten wechseln, Sohnemann besucht nun eine weiterführende Schule und der Mann hat erstmal reguläre Arbeit in einer Kindertagesstätte.
So weit so gut, es läuft. Und doch gibt es da eine Sache, die schwer im Magen liegt: Sohnemann passt nicht in das gängige Schulsystem.

 

Das Frühchendasein

Sohnemann kam zwei Monate zu früh. Schon damals wurde uns gesagt, er würde noch Schwierigkeiten deswegen bekommen, doch er entwickelte sich normal. Es gab keine Komplikationen, er war nur lange Zeit kleiner und schmaler als andere Kinder seines Alters. Ansonsten lag seine Entwicklung von all dem, was in den U-Untersuchungen getestet wird, völlig in der Norm.
Probleme entstanden erst, als er in die Schule kam. Er hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, lässt sich leicht ablenken und braucht Ruhe, um Dinge zu begreifen. Auch seine Feinmotorik ist nicht die Beste, weswegen ihm alles Schriftliche schwerfällt.

 

Vorpubertät

So langsam bahnt sich die Pubertät ihre Wege und das merkt man Sohnemann an. Mädchen interessieren ihn zwar noch nicht, aber emotional wird er immer empfindlicher. Besonders, was die Schule angeht. Sobald er etwas nicht schafft, verliert er nicht nur die Lust, sonder beginnt zu zweifeln. „Ich bin der dümmste Junge der Schule!“, schallt es dann aus dem Zimmer.
Das ist er natürlich nicht. Im Gegenteil. Ich sehe einen sensiblen und sehr intelligenten Jungen. Mit dem Verständnis des Schulstoffs hatte er bisher noch nie Probleme. Allein die Methode, wie er es lernen soll, ist die Hürde. Eine sehr Große sogar. All die Eindrücke in einem normalen Klassenraum sorgen dafür, dass er Erklärungen im Unterricht nicht folgen kann. Besonders dann, wenn es ihn Nichtmal interessiert.

 

Schulkonzepte

Das Schulkonzept unserer Grundschule sieht vor, dass die Kinder erst ab der dritten Klasse Noten bekommen. Doch seid es Noten gibt, sackt Sohnemann immer weiter ein. Schlechte Noten bedeuten, er sei dumm, so wurde das von so manchen Lehrern kommuniziert. Der nette Referendar, der sich in Mathematik sehr bemühte und bei dem Sohnemann der Unterricht sehr viel Spaß gemacht hatte, wurde leider ausgebremst. Es gab Beschwerden. Solche Ereignisse hängen Sohnemann nach. Noch immer sagt er, ihm hätte Mathematik mit besagtem angehenden Lehrer sehr viel Spaß gemacht. Mittlerweile ist das fast zwei Jahre her und Mathe ist sein Hassfach geworden.
Der Druck in der vierten Klasse wurde immer größer. Immerhin stand dann ein Schulwechsel an und die Noten sollten entscheiden, auf welche Schule er wechseln konnte. Leider sind solche Jungen wie Sohnemann gerne das Ziel von Rabauken. Die gibt es zwar auf jeder Schule, aber Unterforderung in Kombination mit Mobbing war uns allen eine Horrorvorstellung.
Sohnemann wusste, wie wichtig die Noten bei der Wahl der weiterführenden Schule war und verzweifelte fast daran, dass all seine Bemühungen scheiterten und er sich selbst im Weg stand. Noten wurden zum Graus. Noten waren das schlimmste an der Schule und jedes Mal machte er sich fertig, weil er eine schlechte Note erwartete. Dabei bekommt er, anders als diverse seiner Freunde, keinen Ärger wegen schlechter Noten von uns. Wir versuchen viel mehr, ihn zu unterstützen.

Für seine weiterführende Schule haben wir in Absprache mit seiner (nun ehemaligen) Klassenlehrerin die beste Wahl getroffen, die uns möglich war: Eine integrierte Gesamtschule. Das Konzept ist etwas offener, alle Schüler aus Haupt-, Real- und Gymnasialstufe sind in einer Klasse in den Grundfächern zusammen und werden in den grundlegenden Fächern wie Sprachen, Naturwissenschaften und so weiter in Kurse aufgeteilt – je nachdem, welche Noten sie in den Fächern haben. Doch es ist nicht so starr, wie das dreigeteilte Schulsystem allgemein.
Dennoch geht es auch dabei wieder um Noten.

 

Erwartungshaltung und Leistungsdruck

Ein sensibles Kind geht leider allzu oft unter. Ich für meinen Teil versuche Sohnemann das Gefühl zu geben, dass er bleiben kann, wie er ist; verträumt, sensibel, kreativ und sogar nachdenklich. Das schwierigste an dieser Kombination für ihn ist, irgendwie mit einem System zurechtzukommen, in dem auch als „normal“ geltende Kinder oft schon Probleme haben. Noch hat er erst ein paar Wochen auf der neuen Schule hinter sich. Noch wurden keine Arbeiten geschreiben und noch bekam er keine Noten. Es bleibt abzuwarten, ob es auf der Gesamtschule besser läuft, als bisher in der Grundschule.
Unsere Erwartung jedenfalls ist: Er soll seinen Weg finden. Da sind sich der Mann und ich einig. Sohnemann ist ein intelligentes Kerlchen. Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe und denkt sich auch phantasievoll alles Mögliche aus. Er ist sozial eingestellt, hält sich an Regeln und ist doch zumindest in seiner Arbeitsweise eine Art Einzelgänger, weil er die Ruhe dafür benötigt. Und sobald er sich für etwas interessiert, ist er auch mit viel Spaß dabei.

Leider ist es aber nicht das, was diese Gesellschaft fordert. Diese Gesellschaft macht Druck. Diese Gesellschaft misst Leistung in Noten und Zeugnissen, anstatt an dem, was ein Kind leisten könnte, ließe man es seinen Interessen folgen. Und alles, was wir dabei tun können, ist dafür zu sorgen, dass unser Sohn nicht an dem Druck einer Leistungsgesellschaft zerbricht.

 

Von der Kunst, Zeit zu erschaffen, oder: Beitrag zur #Blogparade – Wie kann man allen Kindern gerecht werden?

Sobald man zwei oder mehr Kinder hat, kommt als Elternetil die unweigerliche Frage auf: Wie mache ich es jedem Kind recht? Wie verteile ich meine Aufmerksamkeit gerecht? Und wie meine Zeit?
Da genau das in meinem leider doch sehr arbeitsreichem Alltag immer mehr zu einem Problem wird, je älter meine Kinder werden, kam mir die Blogparade von Mamakind „Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?“ gerade recht. Denn es ist genau das Problem, mit dem ich zunehmend zu kämpfen habe.

 

Am Anfang war der Mama-Söhnchen-Tag

Lange lange ist es her, dass ich über meinen Mama-Söhnchen-Tag berichte. Im Februar 2013 war Töchterchen gerade 1 1/2 Jahre alt und hat sich noch nicht dafür interessiert, was ich tat, wenn ich nicht zuhause war. Der Mann war ja da und konnte auf sie aufpassen und meine Zeit mit Töchterchen alleine hatte ich, wenn ich mit ihr ihrer Lieblingsbeschäftigung nachging: raus gehen und die Umgebung erkunden. Für Sohnemann erfand ich den Mama-Söhnchen-Tag.
Doch Töchterchen wurde älter und irgendwann verlangte auch sie, mitkommen zu dürfen. Einige Zeit fuhren wir gut damit, dass Sohnemann entschied, ob seine Schester mitkommen durfte oder nicht. Dann führte ich auch exklusive Nachmittage für Töchterchen ein, in denen sie auch das Recht besaß zu entscheiden, ob wir ihren Bruder mitnehmen. Denn entscheidend war: Ich blieb an den Kindertagen nicht mit ihnen zuhause sondern wir unternahmen irgendetwas. Ob es nun ein Ausflug auf den Spielplatz war, in die Stadt oder ins Museum. Das durften die Kinder entscheiden.

Der Alltag brachte es aber mit sich, dass Stress meine Zeit – und vor allem meine Kraft – immer mehr auffraß. Stress hat nunmal keinen guten Einfluss und nimmt sich heraus, Prioritäten zu verschieben.
Irgendwann gab es die Kindertage nur noch am Wochenende im wöchentlichen wechsel, dann schaffte ich es nur noch einmal im Monat. Und jetzt? Jetzt schaffe ich es nur noch, wenn ich Urlaub habe.

 

Wenn Kinder gleichzeitig erzählen wollen

Jedes Kind ist anders. Und jedes Kind hat andere Interessen. Besonders auffällig werden diese verschiedenen Interessen am Esstisch. Wenn wir abends zusammensitzen und essen, erzählen beide Kinder – meistens gleichzeitig. Und beiden Kindern möchte ich natürlich zuhören. Leider ist die Aufmerksamkeit ein stures Ding und möchte sich nicht aufteilen lassen. Und ich will es auch nicht. Ich möchte ganz bei der Sache sein, bei einem Thema. Beide Kinder haben ihren Kopf oft hoch oben in den Wolken und denken sich Dinge aus. Doch diese Dinge sind bis auf wenige Ausnahmen mittlerweile so verschieden, dass ich kaum gleichzeitig mit ihnen über ein Thema reden kann. Und wenn sie nicht von ihren erfundenen Geschichten oder von gemeinsamen Interessen erzählen, erzählt Sohnemann von Schulproblemen und Töchterchen von ihren Freundinnen im Kindergarten – zwei völlig verschiedene Welten.
Meine Aufmerksamkeit teilen ist dabei schwierig. Ich kann nur versuchen zu ergründen, welches Kind gerade am meisten Aufmerksamkeit braucht und dem anderen später zuhören.

 

Geteilte Interessen

Auch wenn ich es schaffe, mit beiden Kindern die Interessen zu teilen und von mir auch behaupte zu wissen, womit sie sich gerade am meisten beschäftigen, so wandeln sich die Interessen der Kinder doch mit dem Älterwerden deutlich.
Auch bei den Ausflügen kommen wir nicht mehr allzu oft auf einen Nenner. Spielplatzausflüge sind Sohnemann meistens zu langeweilig. Er legt seinen Fokus lieber auf seine Freunde und schließt sich nur dann an, wenn ihm wirklich langweilig ist. Spielplatznachmmittage sind also nun mehr Töchterchen vorbehalten und ihre Mama-Zeit.
Sohnemann hingegen steht an der Schwelle zur Pubertät und interessiert sich zwar (noch) nicht für Mädchen, doch für Filme, Serien und Computerspiele. So kann ich mit Sohnemann mittlerweile Filme sehen, für die Töchterchen einfach noch zu jung ist. Seine Zeit wandelte sich also in einen Fernsehabend in der Woche. Und ja, es gibt Filme und Serien, bei denen warte ich schon lange darauf, sie mit Sohnemann sehen zu können!

 

Wohltat Spaziergang

Die beste Möglichkeit, Zeit für meine Kinder zu haben, ist aber derzeit der Hundespaziergang. Auf dem Spaziergang habe ich Zeit und oft auch einen Kopf, um Sohnemann zuzuhören oder mit Töchterchen Lilly Lichtmaus zu spielen. Manches Mal zanken sie sich darum, wer mit spazieren gehen darf. Manches Mal will niemand und ich muss anordnen ob mich jemand begleitet. Letzteres trifft meistens auf Sohnemann zu. Doch auch wenn er erst keine Lust hat, nehme ich ihn mit, redet er wie ein Wasserfall über all das, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und es ist gut, dass er das tut. Es ist gut, dass ich ihm damit die Möglichkeit bieten kann, ihm zuzuhören und zu erfahren, womit er sich gerade beschäftigt.

 

Das Wichtigste beim „Gerecht werden“

Es tut mir so unendlich Leid, dass ich derzeit für regelmäßige Ausflüge nicht die Zeit und vor allem nicht die Kraft aufbringen kann. Doch es ist Änderung ins Sicht. Ich bin dabei aus meinem Stressloch herauszukriechen und ich hoffe, dass auch meine Kinder das spüren. Dennoch liegt es noch nicht hinter mir.
Aber meine Kinder reden mit mir. Es ist gut, dass beide wissen, sie können mit mir reden; über alles. Das hilft mir, sie zu verstehen. Und es hilft ihnen zu begreifen, dass ich immer für sie da bin, egal um was es geht und auch in diesen Stresszeiten.

Ungeziefer – oder: Warum man sich über Läuse freuen sollte

Jeder kennt sie, jeder hatte sie schon mal: Läuse. Wir hatten mittlerweile schon vier Mal das Vergnügen, seit Sohnemann in der Schule ist. Und auch, wenn Läuse weder gefährlich, noch ein Anzeichen für mangelnde Hygiene sind, es ist Ungeziefer und einfach nur „ihhhbä!“, um es mit Töchterchens Worten auszudrücken.

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich – und berechtigter Weise: Warum schreibt sie über Läuse?
Die Antwort darauf ist einfach: Weil es ein Schämthema ist obwohl es keinen Grund gibt, sich deswegen zu schämen.

 

Läusepanik

Diese Läusepanik kennt wahrscheinlich jeder Erwachsene, der schon einmal seine Kinder hat entlausen müssen. Ungeziefer! Ihh! Ja, das war beim ersten Mal auch meine Reaktion. Allerdings war mir da noch nicht klar, wie man Läuse eigentlich wieder los wird. Mir war nur klar, dass ich nicht in Panik verfallen sollte. Habe ich Panik, haben sie die Kinder auch. Dazu kam noch: ich musste zwei wissensdurstigen Kindern natürlich auch erklären, was Läuse sind, warum deswegen der Kopf juckt und weswegen sie deswegen auch noch zuhause bleiben müssen. Und vorallem Töchterchen stellte mir noch mehr Fragen, als wir sie vor zwei Jahren das erste Mal entlausen mussten.
Aber für so etwas gibt es Abhilfe. Für alles, was ich nicht auf Anhieb beantworten kann, frage ich zuersteinmal YouTube, ob es vielleicht einen Beitrag aus Der Sendung mit der Maus gibt. Und ja, den gab es. Auch beim letzten Läusebefall schauten wir uns zuerst noch einmal zusammen das Video an:

 

 

Und schon waren so ziemlich alle Fragen beantwortet. Die Kinder wussten, weswegen sie ein Antiläusemittel auf den Kopf bekamen und weswegen ich in den nächsten Tagen viel Zeit damit verbringen musste, ihre Haare gut auszukämmen. Sie halfen mir die Bettwäsche zu wechseln und ihre geliebten Pillowpets zu waschen.
Manchmal kann Erklären so einfach sein 😉

Es muss übrigens nicht immer die Maus sein, die etwas erklärt. Vor zwei oder drei Wochen bin ich zufällig noch über ein Video bei Quarks&Co gestolpert, das sich ebenfalls mit Läusen beschäftigte.

 

Doch auch, wenn man all das weiß, gibt es doch eines, dass sich nicht abstellen lässt: Sobald man von Läusen spricht, oder auch nur über sie nachdenkt, beginnt der Kopf zu jucken, ganz automatisch.

 

Der Dank der Kita

Als ich Anfang des Jahres Läuse auf den Köpfen beider Kinder und leider auch auf meinem eigenen entdeckte, griff ich zum Telefon, um beide Kinder zu entschuldigen. Es war die erste Schulwoche nach den Ferien, aber es half nichts: Sohnemann musste zuhause bleiben und entlaust werden.
Ich rief also sowohl in der Schule, als auch im Kindergarten an, um Bescheid zu geben. Pflichtbewusst wie ich bin, sagte ich natürlich auch, worum es ging. Wenn ein Kind Läuse hat, kann man davon ausgehen, dass mehrere betroffen sind. Die Einrichtung muss das erfahren, damit sie die Information an die Eltern weiterleiten kann und damit dem Problem wirklich Abhilfe geschaffen werden kann.
Völlig verblüfft war ich jedoch, als sich eine der Damen am anderen Ende des Apparates bei mir bedankte. Viele Eltern melden leider nicht, wenn die Kinder Läuse hätten, meinte sie.
Eine ähnliche Geschichte erzählte mir die Apothekerin, bei der ich kurz darauf die gängigen Mittelchen zur Läusevernichtung einkaufte. Auch sie wies mich darauf hin, dass ich es Schule und Kindergarten melden müsse. Im Gespräch sagte sie mir, sie hätte schon erlebt, dass sich Eltern aus Zeitmangel gar nicht darum kümmerten, die Läuse loszuwerden. Und natürlich, dass sie sich schämten so etwas zuzugeben.

Das sind Dinge, die ich nie verstehen werde: Wie kann man einfach hinnehmen, dass sich so etwas wie Läuse weiter ausbreiten, weil es niemand außer mir wusste, das mein Kind Läuse hatte? Und das, wo es im Grunde nur Zeit und etwas Sorgfalt kostet, sie loszuwerden? Oder noch schlimmer: Wie kann man einfach hinnehmen, dass Ungeziefer auf den Köpfen der Kinder krabbelt? Die simple Tatsache, dass Sohnemann sich sechs Wochen später schon wieder Läuse eingefing, sagt mir, dass die Apothekerin recht hatte. Allem Anschein nach grassieren die Läuse bereits seit Ende letzten Jahres in der Schule. Und ja, es ist stressig, sein Kind nach ein paar Wochen erneut entlausen zu müssen, weil andere Eltern es nicht tun. Zum Glück bemerkte ich es beim zweiten Mal in diesem Jahr früh genug und Töchterchen und ich blieben dieses Mal verschont.

Und ja, ihr habt richtig gelesen: Ich hatte die Läuse ebenfalls. Das ist der grundlegende Nachteil eines Familienbettes. Ob Sohnemann die Läuse an mich weitergab und ich sie an Töchterchen, oder umgekehrt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Aber schliefe Töchterchen nicht immer noch dicht an mich gekuschelt, wäre mir die Läuse auf meinem eigenen Kopf erspart geblieben.

 

Mein Appel an euch

Liebe Eltern, nun folgt eine Aufforderung an Euch: Wenn euer Kind Läuse hat, bitte bitte meldet es den entsprechenden Einrichtungen. Läuse sind unangenehme und lästige kleine Gesellen, doch dort, wo Kinder die Köpfe zusammenstecken, können sie sich gut verteilen.
Wegen Läusen muss man sich nicht schämen. Im Gegenteil: Sie bedeuten, Eure Kinder haben genug soziale Kontakte. Ohne diese, könnten sie nicht von einem Kopf auf den anderen klettern.

Also freut Euch doch das nächste Mal, wenn Ihr Läuse findet! Denn dann wisst ihr mit Sicherheit, Eure Kinder haben Freunde.

Die falschen Kartoffeln – oder: Was Ernährungsgewohnheiten bewirken können

Ernährung halte ich für ein wichtiges Thema. Ich bin zum großen Teil vegetarisch aufgewachsen und war schon Flexitarierin, als der Vegetarismus noch lange kein Trend war und ich mich in Restaurants mit Beilagen begnügen musste. Damals nannte ich mich „Gelegenheitsfleischesserin.“
Den Schritt zur richtigen Vegetarierin tat ich, kurz bevor ich mit Töchterchen schwanger wurde. Obwohl ich mir vornahm, in der Schwangerschaft eventuellen gelüsten nach Fisch (ja, ich war eine Fischliebhaberin) nachzugeben, hatte ich dieses Bedürfnis nie. Seit dem Entschluss vor mittlerweile sechs Jahren bin ich nicht mehr abgewichen und musste mich natürlich auch den Fragen meiner Kinder stellen, weswegen ich kein Fleisch und keine echte Wurst esse. Denn der Mann isst Fleisch. Er isst leider sogar gerne Fleisch und wenn er kocht, dann ist immer Fleisch drin.

Mein vegetarisches Grundrezept

Dadurch, dass ich die Hauptköchin bei uns bin und auch frisches und saisonales Biogemüse bevorzuge, haben meine Kinder eine ähnliche Kindheitsernährung, wie auch ich sie genießen durfte. Auch, als ich noch Flexitarierin war, habe ich nie selbst mit Fleisch gekocht und mich nur ab und zu mal an einem Fischfilet versucht. So kam es natürlich, dass auch meine Kinder weitestgehend vegetarisch ernährt werden.
Als ich dann bei Töchterchen mit Beikost begann, hielt ich mich auch da an mein vegetarisches Grundkonzept. Ich kochte verschiedenes Gemüse und verarbeitete es zu Brei. Gekaufte Gläschen kamen mir nicht ins Haus, unter anderem weil es wenig Auswahl in Bioqualität und ohne Fleisch gab. Allein der Gedanke, dass mein eigenes Kind ein anderes Kind, ein Tierkind, essen sollte, ein Lamm oder Kalb, verursachte mir Übelkeit. Also ließ ich es. Während der Breizeit bekam sie also gar kein Fleisch und auch keine anderen Tierprodukte.

Aber auch Kinder werden größer und wollen andere Dinge ausprobieren und ich bin die Letzte, die versuchen würde in dieser Richtung etwas zu verbieten. Käse hatte Töchterchen schnell für sich entdeckt. Die Wurst, die der Mann für sich kaufte und das bisschen Fleisch an seinen Gerichten, aßen sie irgendwann auch. Allerdings sind sie beide mittlerweile so weit, dass sie lieber die vegetarische Wurst essen und auch nicht immer das Fleisch, dass der Mann ihnen vorsetzt. Und das ist gut. Sie setzen sich also durchaus mit der Ernährung auseinander.

Brotboxeninhalte

Immer mal wieder bekommen die Kinder Broschüren und Flyer aus dem Kindergarten oder der Schule mit, in denen es um ein gesundes Frühstück geht. Immer, wenn es so weit ist, schaue ich mir die Informationen an und befinde, dass das all das doch eigentlich selbstverständlich ist. In Brotboxen gehört Brot, am besten Vollkorn, und etwas Obst. Der Brotbelag variiert zwischen Frischkäse, Veggi-Wurst und Schokocreme – Letztere dürfen die Kinder einmal die Woche haben. Bei uns war also immer alles im Lot.
Ein Licht ging mir erst auf, als der Mann seinen Minijob begann und das erste mal eine Kleinkindergruppe betreute. Er ist nicht das leuchtende Beispiel für eine gesunde Ernährung, doch was er in den Brotboxen der Kinder sah, schockierte ihn – und im Grunde auch mich. Natürlich zielen diese Flyer nicht auf Mütter wie mich ab. Ich mache mit dem Frühstück meiner Kinder alles richtig -im Gegensatz zu vielen anderen. Der Mann redete sich in seiner Zeit dort den Mund fusselig, und versuchte den Eltern zu verdeutlichen, dass Milchschnitte und Joghurt kein ausgewogenes Frühstück war.
Auch das Resultat solcher Ernährung bekam er zu sehen: eine Dreijährige hatte so schlimmen Karies, dass sie ihre Milchzähne alle wurzelbehandelt und überkront bekam. Ihre MILCHZÄHNE! Aber laut der Eltern ließ sie sich eben nicht die Zähne putzen. Laut der Eltern aß sie auch nichts anderes, als das, was der Mann täglich in ihrer Brotbox sah. Töchterchen fand sich schnel damit ab, dass sie im Gegensatz zu anderen Kindern keinen Joghurt im Kindergarten frühstücken darf, denn Joghurt ist bei uns Nachtisch.
Diese Gewohnheiten tragen die Kinder ihr Leben lang mit, so lange sie nicht anfangen, sich darum Gedanken zu machen.

Bio vs. Billig

Eine dieser Gewohnheiten, die ich meinen Kindern offensichtlich vermittelt habe, stufe ich als positiv ein, denn: Es bedeutet Biogemüse und -obst schmecken anders. Ich rede es mir nicht ein, auch Andere bemerken es. Zum Beispiel meine Kinder.
Vor über einem Jahr war es so weit, dass Töchterchen länger im Kindergarten bleiben und dort auch zu Mittagessen musste. Ich gebe zu, Töchterchen ist nicht ganz einfach, was das Essen betrifft. Ließe man sie, würde sie sich wohl nur von Äpfeln und Schokolade ernähren. Was aber auch immer ging, waren Nudeln und Kartoffeln – bis sie mir schon in der ersten Woche des Mittagessens im Kindergarten erzählte, die hätten da die falschen Kartoffeln und diese würden ihr nicht schmecken.
Problemetisch wurde es, als Sohnemann im Sommer endlich auch in die Nachmittagsbetreuung der Schule gehen konnte. Zuerst freute ich mich, denn es bedeutete, ich musste mich nicht mehr jeden Abend hinstellen und etwas kochen. Ich begann am Wochenende Kleinigkeiten vorzukochen, mit denen ich mir unter der Woche schnell etwas Warmes am Abend zaubern konnte. Zuerst hängte sich der Mann wieder dran. Seine Aussage „Lass mein Abendessen meine Sorge sein“ löste sich in Luft auf. Danach dauerte es aber nicht lange, bis auch Sohnemann ankam und mich fragte, ob ich nicht abends wieder für alle kochen könnte, denn die Kartoffeln in der Nachmittagsbetreuung würden so wässrig schmecken.

Das moralische Debakel

Im Kindergarten und in der Schule bekommen die Kinder natürlich auch Fleisch vorgesetzt. Sohnemann weiß, weswegen ich Vegetarierin bin. Er weiß, dass ich es einfach nicht für richtig halte, Lebewesen so zu behandeln, wie es in der Massentierhaltung getan wird. Und er ist das, was ich noch vor einigen Jahren war: Flexitarier. Töchterchen hat es mit ihren gerade mal fünf Jahre bevorzugt, sich keine Gedanken darüber zu machen, ob das, was sie im Kindergarten bekommt richtiges Fleisch ist. Sie ist fest davon überzeugt, auch dort bekommen sie vegetarisches Schnitzel, wie ich es auch manchmal mache. Selbst nachfragen möchte sie aber nicht.
Zum Jahreswechsel geriet ich nun abermals ins Grübeln, wie bereits vor sechs Jahren. Ich fasse nie Vorsätze für das neue Jahr. Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, denn wenn ich etwas ändern will, sollte ich dann anfangen, wenn ich erkannt habe, dass ich etwas ändern will, anstatt damit zu warten. Dennoch habe ich mich gefragt, ob es nicht möglich wäre, vielleicht Veganerin zu werden und auf jegliche tierische Produkte zu verzichten. Doch allein diese Überlegung eröffnete mir, dass es nicht ganz so einfach wird, wie der Schritt zur Vegetarierin. Aber ich kann nach und nach meine Ernährung prüfen und zunächst Kleinigkeiten ändern, sowohl für mich selbst als auch beim Kochen. Ich kann mehr veganes in meinen Alltag bringen. Und in einem bin ich mir sicher: Meine Kinder werden es bemerken.

Das fünfte Jahr

Meine Tochter. Mittlerweile habe ich schon so viele Worte über sie verloren, dass ich fürchte, mich zu wiederholen. Denn auch das fünfte Jahr mit ihr war unendlich schön! Die Freude über ihr Regenbogenkleid, die Freude am Spielen und natürlich auch die Diskussionen und ihre Uneinsichtigkeit, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Sie ist ein kleiner Wirbelwind und sie ist so unendlich eigensinnig! Ich lasse ihr ihren Raum, wo immer ich kann. Besonders in Sachen Kleidung hat sie ihre Eigenheiten. Kaum wurde es wärmer, wurden die Hosen weggepackt und nur noch Leggins zu ihren Kleidern getragen. Kaum stiegen die Temperaturen weiter, wollte sie nur noch kurzärmlige Kleider tragen und keine Leggins mehr. Nur eines änderte sich das ganze Jahr nicht: Kleider. Neue Kleider, Lieblingskleider, aber keine, die nicht bequem sind. Da wurden schöne Kleider so lange aussortiert, weil sie Knöpfe hatten oder weil der Gummizug im Brustbereich zu eng saß, bis sie sie doch wieder ausprobierte.
Und ich liebe es, wie sie sich morgens ihre Kleidung zusammensucht, wie sie einfach zwei verschiedene Sochen anzieht, weil es gerne möchte, wie sie Muster und farben kombiniert. Ich liebe es, am Wochenende im Bett zu lauschen, wie sie in ihrem Zimmer spielt und singt, obwohl es ihr peinlich ist, sobald sie merkt, dass jemand zuhört. Ich liebe es, wie sie noch immer darauf besteht nur in Mamas Arm einzuschlafen, obwohl sie jetzt mit Fünf doch alles alleine kann – außer einschlafen natürlich. Ich liebe es sogar, wie sie schmollt.

Das schönste Ereignis in diesem Jahr mit ihr kann ich dieses Mal sogar benennen: Das Spiel im Urlaub! Wir begannen zu spielen und wir spielen noch! Auch Sohnemann macht mit, denn auch Sohnemann spielt liebend gerne. Es gibt nichts Schöneres, als mit meinen Kindern zu spielen und mit ihnen zu lachen. Und es gilt immer noch: Ich habe die süßesten, tollsten, liebsten, schönsten, herzlichsten, mutigsten Kinder in allen bekannten Universen!

 

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Anekdote: Konflikte und Mutterstolz

Neulich erzählte mein Sohnemann, ein Junge in der Schule habe ihn geärgert und ihn ins Gesicht geschlagen. Es war nicht richtig fest, doch fest genug, dass ein Wackelzahn herausfiel. Ich fragte ihn, was er dann gemacht habe und er sagte, er habe sich bei einem Lehrer der Pausenaufsicht beschwert. Danach sei er dem Jungen gefolgt, um zu sehen, in welche Klasse er ging, und habe sich noch einmal bei der Klassenlehrerin beschwert. Von dieser habe der Junge nochmal richtig Ärger bekommen – und Sohnemann ein »Idiot« hinterhergeworfen.
Ich kann schwer beschreiben, was bei dieser Geschichte in mir vorging. Ich weiß, mein Sohnemann ist kein Rabauke und er würde nicht zurückschlagen. Doch als ich über diese Geschichte nachdachte, füllte sich meine Brust zunehmend mit Stolz. Mein Sohn hat dem Jungen gezeigt, dass er sich nicht herumschupsen lässt und er hat es ihm gezeigt, indem er den richtigen Weg gewählt hat. Er hat nicht etwa zurückgeschlagen, er war nicht außer sich oder in Tränen aufgelöst. Er war sicherlich wütend, doch er hat das getan, was bei Kindern, die unbedingt dazugehören wollen, verpönt ist: petzen. Und es ist gut so! Es ist gut, dass er sich nicht davon scheut, es Erwachsenen zu sagen! Es ist gut, dass er nicht den Kopf einzieht und sich herumschupsen lässt!
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Schule damals so gehandelt habe, ob es mir eingefallen ist, den Lehrern bescheid zu geben, wenn ich geärgert wurde. Allerdings wurde ich als Mädchen nie geschlagen. Aber ich bin stolz darauf, dass mein Sohnemann von ganz alleine den meines Erachtens richtigen Weg gewählt hat um dem Jungen zu zeigen, dass er sich nicht herumschuppsen lässt!

Intuition vs. Verstand – oder: warum meine Kinder und ich ein Team sind

Selbstaufgabe für seine Kinder. Das Thema hat im Dezember allem Anschein nach viel Aufruhr verursacht. Ich finde auch, es ist ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. Einerseits nutzt es keinem Kind etwas, Eltern zu haben, die völlig am Ende mit Nerven und Kräfte sind. Andererseits würde ich niemals mein Kind weinen lassen.
Frau Chamailion hat zu diesem Thema »Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung« zu einer Blogparade aufgerufen, zu der ich nun meinen Senf geben möchte.

Muttergespräche

Zuerst gestehe ich: Meine Kinder würde ich als einfach bezeichnen – zumindest für uns sind es einfache Kinder. Klar, es gab immer schwierige Phasen, wie das Zahnen, die Blähungen und und und. Aber wir haben uns zusammengerauft und einen passablen Weg gefunden. Dass dieser Weg bis zum Kleinkindalter natürlich kindbestimmt war, halte ich für selbstverständlich. Ich liebe meine Kinder und ich möchte, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Denn dann bin ich auch zufrieden und glücklich.
Die schwierigste Zeit war die Babyzeit. Sowohl Sohnemann als auch Töchterchen hatten große Probleme mit Blähungen und Zähnen. Da hat im Grunde nichts geholfen, aber sie brauchen die Nähe von meinem Mann oder mir. War unser Sohnemann als Baby eher unkompliziert, so stellte Töchterchen danach schon mehr Ansprüche. Für sie essentiell ist Körperkontakt – auch mit ihren jetzigen vier Jahren noch. Und auch, wenn sie manchmal nervt, wenn sie ständig meine Hand streichelt, wenn sie ihre Knuddelzeit braucht, dann braucht sie sie.

Im Zuge der bisherigen Beiträge, die ich schon gelesen habe, habe ich auch mal wieder ein Gespräch mit meiner Mutter über diese Thematik geführt; mit einem ernüchternden Resultat. Als meine Mutter klein war, war alles anders. Und die Geschichten, die ich mir über meine Großmutter anhören darf, sind stellenweise grauenhaft. Wenn sie etwas nicht zu haben schien, dann Mutterinstinkt. Ich habe in meinem Beitrag »Die gefährliche Welt – oder: Wenn Selbstständigkeit im Keim erstickt wird« schon einmal von einer Begebenheit geschrieben, die meine Mutter mir aus ihrer Kindheit geschildert hatte (mittlerweile weiß ich übrigens auch, dass meine Großeltern sehr wohl das verlorene Kind gesucht und auch die Polizei informiert haben. Es war also nicht ganz so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hatte). Analog dazu gibt es noch mehr Geschichten.
Und all das, weil meine Großmutter dem gängigen Erziehungskonzept folgte, ohne Kompromisse und vermutlich auch ohne einem Fünkchen Intuition. Damals war es halt so. Damals galt man als schlechte Mutter, wenn man seiner Intuition nachgab. Und wer wollte schon als schlechte Mutter dastehen? Meine Großmutter bestimmt nicht!

Von Intuition und Verstand

Ich gebe zu, ich habe mich niemals für einen sehr intuitiven Menschen gehalten. In meinem Berufsleben und für mich selbst lebe ich am besten mit Vernunft und gesundem Menschenverstand. Letzteren habe ich auch versucht, bei meinen Kindern anzuwenden – und bin mit der Nase darauf gestoßen, dass meine Intuition zumindest bei meinen Kindern doch sehr ausgeprägt ist.
Zum Beispiel wäre ich niemals auf die Idee gekommen meine Kinder schreien zu lassen – und mein Mann ist zum Glück derselben Meinung. Immer wieder hörte man natürlich die Ratschläge von anderer Eltern: »Lasst das Kind doch weinen, es muss lernen alleine zu schlafen«, hieß es bei Töchterchen. Oder: »Sie muss lernen zu essen, was man ihr vorsetzt!«
Aber all das haben wir nie gemacht. Weder mein Mann noch ich konnten es ertragen, unsere Kinder einfach weinen zu lassen, wenn es um echte Bedürfnisse ging. Klar, bei Trotzweinphasen, weil sie ihren Willen einfach nicht bekamen, war und ist es noch immer etwas anderes. Sie muss von meinem gekochten Abendessen etwas essen, sonst gibt es keinen Nachtisch. Aber ich zwinge Töchterchen zum Beispiel nicht, die ihr verhassten Karotten herunterzuwürgen. Was ihr nicht schmeckt, muss sie nicht essen und so lange ich weiß, dass sie Kartoffeln, Nudeln und im Zweifelsfalls einen ihrer geliebten Äpfel gerne isst, habe ich immer einen Ansatzpunkt.
Aber warum soll ich meine Tochter alleine und einsam in einem Zimmer liegen lassen, wenn sie nun mal nähebedürftig ist? Nein, das kam nicht in Frage; und es fühlte sich viel besser an, sie zufrieden bei uns im Familienbett zu haben, als mit schlechtem gewissen alleine in ihrem Bett. Zwar mussten wir das erst richtig hinbiegen, denn Töchterchen schlüpft am liebsten mit unter meine Decke und wenn ich nicht komplett eingemummelt bin, kann ich nicht schlafen. Aber es ging, wir fanden eine Lösung und haben damit sowohl Töchterchens als auch mein Schlafbedürfins gelöst.

Es sind nur zwei Beispiele von vielen und über unsere Schlafsituation habe ich auch schon einmal im Rahmen einer anderen Blogparade etwas geschrieben: Wie man sich bettet, so lügt man. Doch ist unser Grundrezept der Kompromiss. Solange man merkt, was den Kindern wirklich wichtig ist, lohnt es sich darauf einzugehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. So lernen auch die Kinder etwas Einfühlungsvermögen. Natürlich ist es nicht möglich, so lange die Kinder noch ganz klein sind. Doch da müssen alle Eltern durch, denn die Bedürfnisse der Kinder gehen vor. In dem Moment, in dem sie einfach von uns abhängig sind kommt nichts anderes in Frage, als es einfach zu tun und bis an seine Grenzen zu gehen, ohne sich selbst auszulaugen. Und da fängt das mit dem Kompromiss schon an: Wenn das Kind nur auf dem Schoß einschläft, dann lasse ich es auf dem Schoß einschlafen und lege es erst danach weg – in sein Bett, neben mich auf die Couch, wohin auch immer. Hauptsache das Kind ist zufrieden und man selbst kann das tun, was man noch tun muss oder will, um nicht am Ende aus dem letzten Loch zu pfeifen.
Jetzt, mit vier Jahren, ist Töchterchen soweit, sich ein Stück weit abzukapseln. Sie schläft zwar nicht alleine in ihrem Zimmer, aber dafür liebend gerne im Gästebett unseres Sohnemanns. Und das, ohne ständig jemanden zum Kuscheln direkt neben sich zu haben. Ich werde sie nicht dazu zwingen, doch ich bin sicher, der Zeitpunkt wird kommen, an dem sie von sich aus sagt, sie möchte in ihrem eigenen Bett in ihrem eigenen Zimmer schlafen.

Lesenswerte Beiträge zu der Blogparade:

Frau Chamailion bloggt: Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung {Blogparade}

Glucke und so: Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben?

wheelymum: Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern

Abenteuer Papa: Eltern vs. Kinder oder: Prioritäten setzen [Blogparade]

Liebster Award

icon_LiebsterBlogAwardVor einiger Zeit – im August, um genau zu sein – hat Nora Dora von Mutterkiste mich für den Liebster Award nominiert. Nun, ich fühle mich nach wie vor geehrte, auch wenn meine Reaktionszeiten denen eines Faultieres gleichen. Es heißt immerhin, dass ich zumindest eine brave Leserin habe 😉 Vielen Dank also für die Nominierung!

Es hat gedauert, bis ich dazu kam, mich den Fragen zu widmen, aber einige Antworten waren gar nicht so einfach – auch wenn das wohl dann doch meiner Unwissenheit in solchen Dingen geschuldet ist. Aber der Wille zählt!

Hier nun also die Fragen und Antworten:

1. Erde oder Luft?
Erde. Ich laufe gerne, am allerliebsten mit meinem Hund. Oder ich fahre Rad. Jedenfalls gefällt es mir mit beiden Beinen auf der Erde am besten. Obwohl die Luft sicherlich auch seine Vorzüge hätte, wenn ich meine Phantasie spielen lasse. Zum Beispiel auf dem Rücken eines Drachen …

2. An welchen Dingen erfreust du dich?
Ich schätze, ich kann mich an vielen Dingen erfreuen. In erster Linie natürlich an meinen Kindern, deren Lachen, deren Spielen, deren Umarmungen oder wenn sie mir irgendetwas erzählen, dass sie ganz toll fanden. Ich erfreue mich auch an (guten) Büchern und meiner Schreibzeit mit Tee morgens. Und ich kann mich auch an vielen Kleinigkeiten erfreuen und sei es nur ein schönes Strickmuster einer Jacke, die ich in der U-Bahn flüchtig sehe, einem Vogel der morgens vor unserem Fenster zwitschert oder dem Wind, der mir ins Gesicht bläst.
Es gibt eben vieles, woran ich mich erfreuen kann.

3. Ironie oder Ernsthaftigkeit?
Ich liebe Ironie. Ich fürchte nur, ich bin vor allem schreibereisch nicht gut darin, sie umzusetzen.

4. Welches ist deine Traumstadt?
Es gibt da drei Städt in dieser Welt, die ich in Gedanken unheimlich faszinierend, romantisch und sehenswert finde: London, New York und Paris. Leider gibt es da diese kleine Fünkchen Realität, das mir jedes Mal zuflüstert: »Es sind Großstädte!« Und ich mag keine Großstädte.

5. Traum oder Wirklichkeit?
Ich gebe es freimütig zu: Ich bin Escapist! Ich liebe es, mich in Fantasy-Traumwelten zu verlieren, seien es Bücher, Serien oder meine eigenen Geschichten. Ich liebe es mit meinen Kindern herumzuspinnen und Unsinn zu erzählen, denn das ist meine Zuflucht. Tief in meinem Inneren bin ich eine ausgemachte Realistin. Ich bin manchmal naiv, aber letztlich weiß ich genau, wie die Dinge stehen und mache mir nichts vor. Und es gibt Dinge in dieser Welt, von denen ich nichts wissen möchte. Es gibt Dinge, die mich kaputtmachen würden. Deswegen tauche ich lieber ab.

6. Wodurch zeichnet sich für dich ein perfekter Tag aus?
Gemütlich frühstücken, schreiben, spazieren gehen, Zeit mit meinen Kindern und am Abend vielleicht noch etwas Fernsehen und stricken, bevor man todmüde aber glücklich ins Bett fällt 🙂 Und ja, das bekomme ich manchmal wirklich hin!

7. Matratze oder Hängematte?
Ähm, ich gestehen, ich habe noch nie in einer Hängematte geschlafen. Die Frage kann ich also nicht guten Gewissens beantworten.

8. Was bedeutet dir das Bloggen?
Es ist die perfekte Möglichkeit meine Gedanken zu ordnen, zu allen Themen, die mich interessieren. In meinem Babytagebuch kann ich meine Meinung sagen und von sämtlichen Erfahrungen aus dem Familienleben schreiben, auf meinem Autorenblog kann ich all das niederschreiben, was mich beim Schreiben beschäftigt und in meinem Strickeckchen versuche ich meine wirren Strick- und Häkelmethoden einfach mal deutlich zu machen.
Kurzum: Das Bloggen ist einerseits die Ergänzung zu meinen Hobbys, andererseits eine Möglichkeit mich auch mit anderen auszutauschen. Insbesondere für mein Mutterdasein hat es seinen unschätzbaren Wert!

9. Für welche Wohnung würdest du dich entscheiden: Parterre oder Attika?
Dank Google weiß ich nun immerhin, dass »Parterre« eine Erdgeschosswohnung meint. Bei »Attika« bin ich mir immer noch nicht sicher.
Meine Traumvorstellung ist jedenfalls ein kleines Häuschen am Waldrand, von mir aus auch mit Obergeschoss und weit ab vom Stadttrubel – aber am besten mit Bushaltestelle um die Ecke 😉

10. Segeln oder Fliegen?
Ich war noch nie segeln. Und Fliegen kann ich in Flugzeugen nicht leiden (es müsste eben schon der Rücken eines Drachen sein, ihr erinnert euch?).

11. Wollt ihr von mir noch was wissen?
Ja. Wie kommst du nur auf solche Fragen? 😉

 

Was ich von euch wissen will

So, das war mein Senf soweit erstmal. Und nun kommt der schwierigste Teil für mich: Mir Fragen ausdenken und auch noch die richtigen Blogs finden, um sie zu nominieren. Da ich eigentlich nicht besonders neugierig bin, ist das mit den Fragen ein großes Problem. Aber die Fragen einfach weitergeben möchte ich auch nicht, denn weder Segeln noch, in welchem Stockwerk eure Wohnung zu liegen hat, interessiert mich wirklich. Dann jongliere ich doch einfach mal mit dem was mich selbst reizt.

1. Wie bist du zum bloggen gekommen?

2. Hast du noch weitere Blogs?

3. Hast du Haustiere?

4. Woher kommt deine Inspiration?

5. Hast du ein Lieblingsbuch? Und wenn ja, warum ist es dein Lieblingsbuch?

6. Gibt es einen Gegenstand, der dich seit deiner Kindheit begleitet?

7. Wie sieht dein Schreibtisch / Arbeitsplatz aus? Herrscht organisiertes Chaos oder ist alles penibel an seinem Platz?

8. Sitzt du gut?

9. Bist du immer und überall erreichbar?

10. Wann beginnt dein Tag und wann endet er?

11. Wenn du alleine auf einer einsamen Insel wärst, wie würdest du dort wieder wegkommen?

 

Und nominierte sind …

Man siehe und staune, ich habe wirklich fünf Blogs gefunden, die ich gerne lese und die – so hoffe ich – noch unter 300 Followern haben 🙂 Ich nominiere:

Kinder Unlimited
Glucke und so
Teilzeitmutter

Schreiben ist Tanzen mit Worten
Schreibkasten

 

Weiteres

Hier noch die Anleitung, die offensichtlich jedem Post noch anhängt:

  • Danke dem Blogger, der dich nominiert hat
  • Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat.
  • Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in deinem Post ein
  • Beantworte die Dir gestellten Fragen
  • Erstelle 11 neue Fragen für die Blogger, die du nominierst.
  • Nominiere 5 oder mehr Blogs, die weniger als 300 Follower haben.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß!

 

Das vierte Jahr

Es ist schon wieder ein Jahr um. Für dich ist nun das vierte Lebensjahr angebrochen. Und mit jedem Jahr entwickelst du dich deutlich weiter, entwickelst deine eigene Persönlichkeit und doch bleibt einiges beim Alten.

Innerhalb dieses Jahres bist du endlich trocken geworden. Du verstehst so viel mehr an Zusammenhägen und erzählst mir jeden Abend, was dich so bewegt. Manchmal bist du sogar nachdenklich. Dann sprichst du über Kinder, die dich in der KiTa geärgert haben, über Dinge, die du zusammen mit deinem Bruder im Fernsehen gesehen hast oder sogar den Verlust unseres alten Hundes vor mittlerweile fast einem Jahr. Doch meistens spielst du mit deinen Puppen Familie oder Abenteuer mit viel Zauber und Kampf, singst und tanzt fröhlich – und ich liebe es dir dabei zuzusehen!
Deine Lieblingsfarbe steht so fest, dass du am liebsten dein ganzes Zimmer nur in dunkellila hättest und du würdest immer nur Kleider und Röcke mit Leggins tragen, wären da nicht die kalten Morgende, an denen ich Einspruch dagegen erhebe. Aber egal was du anhast, mit deinen Freundinnen im Kindergarten bist du am liebsten auf dem Spielplatz und kletterst.

Doch trotz allem bist du immer noch sehr nähebedürftig. Du sitzt immer noch am liebsten auf meinen Schoß und schläfst am liebsten noch immer ganz nah an mich gekuschelt. Selbst mit unsrem neuen Hund und den beiden Katzen kuschelst du sehr gerne. Wenn dein Bruder dich ließe, würdest du wahrscheinlich auch mit ihm kuscheln, denn er ist noch immer dein Star.

Ich wünsche mir so sehr, dass du dich weiterhin so wunderbar entwickelst und dass auch dein Verhältnis zu deinem Bruder so wunderbar bleibt – denn es gibt nichts Wertvolleres und Wichtigeres in meinem Leben, als euch beide!

Vier Jahre rocken! - Mädchen mit e-Gitarre

Vier Jahre rocken!