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Von der Kunst, Zeit zu erschaffen, oder: Beitrag zur #Blogparade – Wie kann man allen Kindern gerecht werden?

Sobald man zwei oder mehr Kinder hat, kommt als Elternetil die unweigerliche Frage auf: Wie mache ich es jedem Kind recht? Wie verteile ich meine Aufmerksamkeit gerecht? Und wie meine Zeit?
Da genau das in meinem leider doch sehr arbeitsreichem Alltag immer mehr zu einem Problem wird, je älter meine Kinder werden, kam mir die Blogparade von Mamakind „Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?“ gerade recht. Denn es ist genau das Problem, mit dem ich zunehmend zu kämpfen habe.

 

Am Anfang war der Mama-Söhnchen-Tag

Lange lange ist es her, dass ich über meinen Mama-Söhnchen-Tag berichte. Im Februar 2013 war Töchterchen gerade 1 1/2 Jahre alt und hat sich noch nicht dafür interessiert, was ich tat, wenn ich nicht zuhause war. Der Mann war ja da und konnte auf sie aufpassen und meine Zeit mit Töchterchen alleine hatte ich, wenn ich mit ihr ihrer Lieblingsbeschäftigung nachging: raus gehen und die Umgebung erkunden. Für Sohnemann erfand ich den Mama-Söhnchen-Tag.
Doch Töchterchen wurde älter und irgendwann verlangte auch sie, mitkommen zu dürfen. Einige Zeit fuhren wir gut damit, dass Sohnemann entschied, ob seine Schester mitkommen durfte oder nicht. Dann führte ich auch exklusive Nachmittage für Töchterchen ein, in denen sie auch das Recht besaß zu entscheiden, ob wir ihren Bruder mitnehmen. Denn entscheidend war: Ich blieb an den Kindertagen nicht mit ihnen zuhause sondern wir unternahmen irgendetwas. Ob es nun ein Ausflug auf den Spielplatz war, in die Stadt oder ins Museum. Das durften die Kinder entscheiden.

Der Alltag brachte es aber mit sich, dass Stress meine Zeit – und vor allem meine Kraft – immer mehr auffraß. Stress hat nunmal keinen guten Einfluss und nimmt sich heraus, Prioritäten zu verschieben.
Irgendwann gab es die Kindertage nur noch am Wochenende im wöchentlichen wechsel, dann schaffte ich es nur noch einmal im Monat. Und jetzt? Jetzt schaffe ich es nur noch, wenn ich Urlaub habe.

 

Wenn Kinder gleichzeitig erzählen wollen

Jedes Kind ist anders. Und jedes Kind hat andere Interessen. Besonders auffällig werden diese verschiedenen Interessen am Esstisch. Wenn wir abends zusammensitzen und essen, erzählen beide Kinder – meistens gleichzeitig. Und beiden Kindern möchte ich natürlich zuhören. Leider ist die Aufmerksamkeit ein stures Ding und möchte sich nicht aufteilen lassen. Und ich will es auch nicht. Ich möchte ganz bei der Sache sein, bei einem Thema. Beide Kinder haben ihren Kopf oft hoch oben in den Wolken und denken sich Dinge aus. Doch diese Dinge sind bis auf wenige Ausnahmen mittlerweile so verschieden, dass ich kaum gleichzeitig mit ihnen über ein Thema reden kann. Und wenn sie nicht von ihren erfundenen Geschichten oder von gemeinsamen Interessen erzählen, erzählt Sohnemann von Schulproblemen und Töchterchen von ihren Freundinnen im Kindergarten – zwei völlig verschiedene Welten.
Meine Aufmerksamkeit teilen ist dabei schwierig. Ich kann nur versuchen zu ergründen, welches Kind gerade am meisten Aufmerksamkeit braucht und dem anderen später zuhören.

 

Geteilte Interessen

Auch wenn ich es schaffe, mit beiden Kindern die Interessen zu teilen und von mir auch behaupte zu wissen, womit sie sich gerade am meisten beschäftigen, so wandeln sich die Interessen der Kinder doch mit dem Älterwerden deutlich.
Auch bei den Ausflügen kommen wir nicht mehr allzu oft auf einen Nenner. Spielplatzausflüge sind Sohnemann meistens zu langeweilig. Er legt seinen Fokus lieber auf seine Freunde und schließt sich nur dann an, wenn ihm wirklich langweilig ist. Spielplatznachmmittage sind also nun mehr Töchterchen vorbehalten und ihre Mama-Zeit.
Sohnemann hingegen steht an der Schwelle zur Pubertät und interessiert sich zwar (noch) nicht für Mädchen, doch für Filme, Serien und Computerspiele. So kann ich mit Sohnemann mittlerweile Filme sehen, für die Töchterchen einfach noch zu jung ist. Seine Zeit wandelte sich also in einen Fernsehabend in der Woche. Und ja, es gibt Filme und Serien, bei denen warte ich schon lange darauf, sie mit Sohnemann sehen zu können!

 

Wohltat Spaziergang

Die beste Möglichkeit, Zeit für meine Kinder zu haben, ist aber derzeit der Hundespaziergang. Auf dem Spaziergang habe ich Zeit und oft auch einen Kopf, um Sohnemann zuzuhören oder mit Töchterchen Lilly Lichtmaus zu spielen. Manches Mal zanken sie sich darum, wer mit spazieren gehen darf. Manches Mal will niemand und ich muss anordnen ob mich jemand begleitet. Letzteres trifft meistens auf Sohnemann zu. Doch auch wenn er erst keine Lust hat, nehme ich ihn mit, redet er wie ein Wasserfall über all das, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und es ist gut, dass er das tut. Es ist gut, dass ich ihm damit die Möglichkeit bieten kann, ihm zuzuhören und zu erfahren, womit er sich gerade beschäftigt.

 

Das Wichtigste beim „Gerecht werden“

Es tut mir so unendlich Leid, dass ich derzeit für regelmäßige Ausflüge nicht die Zeit und vor allem nicht die Kraft aufbringen kann. Doch es ist Änderung ins Sicht. Ich bin dabei aus meinem Stressloch herauszukriechen und ich hoffe, dass auch meine Kinder das spüren. Dennoch liegt es noch nicht hinter mir.
Aber meine Kinder reden mit mir. Es ist gut, dass beide wissen, sie können mit mir reden; über alles. Das hilft mir, sie zu verstehen. Und es hilft ihnen zu begreifen, dass ich immer für sie da bin, egal um was es geht und auch in diesen Stresszeiten.

Mama-Kinder-Tage in Bildern

Leider sind meine „Kindertage“ in der letzten Zeit immer seltener geworden. Ich hatte vor einer Weile einmal über meine Mama-Söhnchen-Tage berichtet. Mittlerweile sind es zwei Kinder, die gerne einen Mamatag haben möchten; einen Tag eben, an dem Mama nur für das eine Kind da ist. Und wer bin ich, ihnen das zu verweigern? 😉 Meinen Urlaub habe ich also genutzt und für beide Kinder einen Tag eingeschoben.
Hier meine Impressionen:

 

Das fünfte Jahr

Meine Tochter. Mittlerweile habe ich schon so viele Worte über sie verloren, dass ich fürchte, mich zu wiederholen. Denn auch das fünfte Jahr mit ihr war unendlich schön! Die Freude über ihr Regenbogenkleid, die Freude am Spielen und natürlich auch die Diskussionen und ihre Uneinsichtigkeit, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Sie ist ein kleiner Wirbelwind und sie ist so unendlich eigensinnig! Ich lasse ihr ihren Raum, wo immer ich kann. Besonders in Sachen Kleidung hat sie ihre Eigenheiten. Kaum wurde es wärmer, wurden die Hosen weggepackt und nur noch Leggins zu ihren Kleidern getragen. Kaum stiegen die Temperaturen weiter, wollte sie nur noch kurzärmlige Kleider tragen und keine Leggins mehr. Nur eines änderte sich das ganze Jahr nicht: Kleider. Neue Kleider, Lieblingskleider, aber keine, die nicht bequem sind. Da wurden schöne Kleider so lange aussortiert, weil sie Knöpfe hatten oder weil der Gummizug im Brustbereich zu eng saß, bis sie sie doch wieder ausprobierte.
Und ich liebe es, wie sie sich morgens ihre Kleidung zusammensucht, wie sie einfach zwei verschiedene Sochen anzieht, weil es gerne möchte, wie sie Muster und farben kombiniert. Ich liebe es, am Wochenende im Bett zu lauschen, wie sie in ihrem Zimmer spielt und singt, obwohl es ihr peinlich ist, sobald sie merkt, dass jemand zuhört. Ich liebe es, wie sie noch immer darauf besteht nur in Mamas Arm einzuschlafen, obwohl sie jetzt mit Fünf doch alles alleine kann – außer einschlafen natürlich. Ich liebe es sogar, wie sie schmollt.

Das schönste Ereignis in diesem Jahr mit ihr kann ich dieses Mal sogar benennen: Das Spiel im Urlaub! Wir begannen zu spielen und wir spielen noch! Auch Sohnemann macht mit, denn auch Sohnemann spielt liebend gerne. Es gibt nichts Schöneres, als mit meinen Kindern zu spielen und mit ihnen zu lachen. Und es gilt immer noch: Ich habe die süßesten, tollsten, liebsten, schönsten, herzlichsten, mutigsten Kinder in allen bekannten Universen!

 

Kinderblog_das5teJahr.JPG

 

 

Die Monsterhöhle – oder: Zeit zum Spielen

Noch Anfang des Jahres machte ich mir viele Vorwürfe. Ich schaffte es einfach nicht, mit meinen Kindern zu spielen. Ich spreche hier nicht von Brettspielen wie „Mensch Ärgere dich nicht“ oder Memory. Nein, ich spreche von den Spielen, für die ich mich konzentrieren und ein Mindestmaß an Phantasie aufbringen muss; für die ich nachdenken muss. Es erschien mir schier unmöglich mich auf ein Spiel mit Puppen, Stofftieren oder Ähnliches zu konzentrieren.
Die Lösung kam mir dann einfach zugeflogen.

Hundevorteil

Es gibt eine Sache, die ich jeden Tag tun muss: Mit unserem Hund spazieren gehen. Und weil meine Kinder allzu gerne fernsehen und Computer spielen, gibt es eine Regel für Wochenenden und Ferientage:

Erst nach dem Spaziergang dürfen die Kinder an den Fernseher.

Ob sie mich auf den Spaziergang begleiten, war immer ihre Entscheidung. Besonders am Wochenende haben haben sie sich jedoch gerne angeschlossen.
Dieses eine Mal nahm Sohnemann eines seiner Holzschwerter mit und Töchterchen, mit ihrer unerschöpflichen Phantasie, begann von Zombies und Monstern zu sprechen, kaum dass wir aus dem Haus waren. Ich habe die Spaziergehzeit mit den Kindern immer genossen. Es ist immerhin Zeit, die ich mit ihnen verbringen konnte. Es war ein schöner Sommertag, nicht zu heiß und ich ging auf ihr Spiel ein.

Monster, Helden und Superheldinnenfeen

Wir spielten auf diesem Spaziergang Monsterjagen. Es hat viel Spaß gemacht! Sohnemann und Töchterchen bekämpften die Monster, sammelten Utensilien für Zaubertränke, die im Labor hergestellt wurden und ich war die „Besucherin“ mit ihrem Schutzhund, die all das dokumentieren sollte. Es war das erste Mal, dass wir so spielten.
Das zweite Mal spielten wir, als wir im Urlaub waren. Dort gab es einen wunderbaren Waldspielplatz, zu dem man jedoch erst hinlaufen musste. Ich nutzte die Gelegenheit und wieder spielten wir. Ich war Mel, die Beschützerin des Waldes, Sohnemann der Doktor und Töchterchen eine Fee. Ws soll ich sagen? Es machte einfach super viel Spaß! Den ganzen Urlaub ging es so, die ganze Woche schafften wir es, täglich zu spielen. Doch leider geht jeder Urlaub zu Ende.

Qualitätszeit

Was von diesem Urlaub blieb: Töchterchen und auch Sohnemann nutzten nun die Gelegenheiten und begleiten mich jetzt oft auf den kurzen Abendspaziergängen unter der Woche oder auch auf den längeren am Wochenende. Und auch, wenn ich befürchtet hatte, im Alltag wieder keine Konzentration für solche Spiele aufbringen zu können, es geht! Es macht Spaß, sich zu überlegen, wer ich heute sein möchte. Es macht Spaß zu sehen, wie Töchterchen „ihre“ Lilly spielt und wie Sohnemann sich wunderbar in die Spiele mit einbringt.
Ich kann wieder mit meinen Kindern spielen, es braucht nur alles die richtige Zeit!

Die gefährliche Welt – oder: Wenn Selbstständigkeit im Keim erstickt wird

Im Leben aller Eltern gibt es Ereignisse, die sie ins Grübeln bringen; über die eigene Situation, die eigenen Kinder, die eigenen Erziehungsmethoden und so weiter. Im letzten Sommer passierte etwas, dass mich seit dem nicht mehr ganz losgelassen hat und mich seither doch immer mal wieder über die Selbstständigkeit meine Kinder nachdenken lässt.

Der freundliche Nachbar

Es war einer meiner Migränetage in den Sommerferien, die ich letztes Jahr leider viel zu oft hatte. Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit waren zwar vorbei, doch es war „der Tag danach“, an dem ich mich die durchgekaut und ausgespien fühle. Entsprechend hatte ich keine Kraft mit den Kindern rauszugehen. Genauso wenig, wie mit dem Hund. Die Kinder konnte ich immerhin in den Garten schicken, unser alter Hund jedoch wollte wenigstens einmal am Tag ein bisschen spazieren gehen.
Also bat ich meinen Sohnemann, mit dem Tier wenigstens eine Runde zu drehen. Töchterchen, zu dem Zeitpunkt zweieinhalb, wollte ebenfalls mitgehen. In völligem Selbstbewusstsein, sagte Sohnemann, sie könne mitkommen und er würde das schon schaffen – ich muss dazu sagen: wenn Sohnemann sich etwas zutraut, ohne, dass ich ihn dazu drängen muss, kann ich davon ausgehen, dass er es auch wirklich kann. Andernfalls würde er es mir sagen.

Nun waren Kinder und Hund vielleicht 20 Minuten weg und hüpften schon wieder im Garten herum, als es klingelte. Am Tor stand ein „freundlicher“ Nachbar, der es darauf angelegt hatte, mir die Leviten zu lesen. Ich könne doch meinen Achtjährigen nicht einfach mit Hund und einem Kleinkind hinausschicken! Das sei eine Verletzung meiner Aufsichtspflicht! Sohnemann sei noch gar nicht in der Lage, auf seine Schwester aufzupassen und den Hund dürfe er sicherlich auch noch nicht führen. Sähe er das noch einmal, würde er das Jugendamt informieren.

Davon war ich nun etwas überrumpelt und den Rest des Tages sehr aufgewühlt. Besagter Nachbar war zwar nicht unfreundlich gewesen, aber deutlich und wenn mir etwas Angst macht, dann ein System, das mir meine Kinder wegnehmen könnte.

Es war das letzte Mal, dass ich Sohnemann seine Schwester auf einen Spaziergang mitnehmen ließ.

Anekdote meiner Mutter

Als ich diese Geschichte meiner Mutter erzählte, erzählte sie mir auch eine.

Sie erinnert sich an eine Begebenheit, als sie vielleicht sieben Jahre alt war. Sie musste schon in dem Alter auf ihre beiden dreijährigen Geschwister aufpassen und sie seien den ganzen Tag draußen gewesen. Während sie mit den Gleichaltrigen spielte, habe sie zwar oft daran gedacht, dass sie auch auf ihre Geschwister achten müsse, habe den Gedanken aber nicht immer in die Tat umgesetzt. Irgendwann war ihr Bruder dann verschwunden.
Als sie fix und fertig mit ihrer Schwester nachhause kam, bekam sie natürlich Schelte. Aber kein Erwachsener sei mitgegangen, um ihren Bruder zu suchen. Im Gegenteil, sie musste es selbst machen und zusätzlich ihre Schwester ebenfalls mitnehmen. Die dürfte auch nicht zuhause bleiben.
Zum Glück fand meine Mutter ihren Bruder wieder. Sie vermutet, er sei einfach einer Gruppe älterer Kinder hinterhergelaufen und habe nicht mithalten können. Als sie ihn fand, lag er schlafend in einem Graben.

Gefährliche Welt oder Wandel der Elternschaft?

Wenn man sich die Geschichten anschaut, stehen dahinter zwei völlig verschiedene Mentalitäten. Die Kinder waren von Anfang an dazu angehalten, selbstständig zu sein, ob sie es wollten oder nicht. 50 Jahre sind seit dem vergangen und die Gesellschaft hat sich gewandelt. Während früher die Kinder einfach nur nach draußen geschickt wurden und sich selbst beschäftigen mussten, werden viele heute stattdessen in irgendwelche Förderkurse gesteckt, die sie nicht brauchen oder wollen, oder dürfen in der dritten Klasse immer noch nicht alleine zur Schule gehen. Für Beides kenne ich leider Beispiele.
Sicherlich, man ist als Elternteil verpflichtet, auf seine Kinder zu achten und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Ich weiß auch, dass die Auslegungen für so etwas sehr weit gedehnt werden kann. Da gibt es die sogenannten Helikoptereltern, die ihre Kinder immer im Auge haben müssen und jeden Keim an Selbstständigkeit zu ersticken scheinen und es gibt jene, die das noch viel lascher sehen, als ich – oder es einfach nicht anders können, weil 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche vier kleine Jungen um sie herumspringen und beschäftigt werden wollen.

Immer wieder scheinen Kinder fasziniert davon zu sein, dass ich auf sie reagiere, wenn sie mich ansprechen. So erfahre ich manches Mal auch ihre Sicht der Dinge und habe bereits Geschichten gehört, bei denen ich dachte „das arme Kind“. Aber wer bin ich, über Eltern zu urteilen, die ich nichteinmal kenne? Sicherlich würden einige genauso denken, wenn sie wüssten, dass ich Sohnemann mit fünf Jahren bereits alleine auf den Spielplatz habe gehen lassen. Aber ich kenne meine Kinder, ich weiß, was ich ihnen zutrauen kann und was nicht. Und ich denke – oder hoffe vielleicht mehr – dass andere Eltern das genauso gut einschätzen können wie ich. Die Welt ist nicht gefährlicher geworden, sie ist voller geworden. Es gibt mehr Autos, mehr Dreck, mehr Lärm, mehr Menschen in den Städten und dadurch leider auch mehr Verrückte an einem Fleck. Aber hier in Deutschland, in einer mittelgroßen Stadt, ist das Leben nun einmal so. Und damit müssen meine Kinder umgehen lernen, denn hier leben wir. Dafür haben wir Regeln; allgemeine, wie die Verkehrsregeln und eigene, die meinen Kindern sagen, was sie machen sollen, wenn sie zum Beispiel von Fremden angesprochen werden.
Sohnemann ist sensibel genug, dass er weiß, diese Regeln sind nur zu seiner eigenen Sicherheit gedacht. Er weiß, wenn er mich fragt, gibt es nicht kategorisch ein Nein. Wenn es eines gibt, dann immer mit Begründung. Andersherum darf er mir aber auch sagen, warum er etwas machen möchte und mich umstimmen. Ich vertraue ihm schließlich.

Töchterchen ist übrigens auch gerade in einer Phase, in der sie Selbstständigkeit zeigt. Leider geht das oft mit einem Dickkopf, Tränen oder Schmollen einher, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Doch habe ich die Zeit, darf sie die Schuhe alleine anziehen – auch falschherum. Sie darf beim kochen helfen und den Hund an die Leine nehmen.
Auch da muss man sich als Eltern jedoch sensibilisieren. Manchmal ist es schon ein Drama, wenn ich den Klettverschluss öffne und den Schuh wegstelle, anstatt sie das selbst machen zu lassen. Denn, wenn sie hilfe braucht, sagt sie es.

Fazit

Wenn ich darüber nachdenke, stoße ich doch immer wieder auf Situationen, in denen Sohnemann von anderen Menschen, Behörden und so weiter in die Schranken gewiesen wird, obgleich wir beide wissen: er kann es. Der neueste Fall ist, dass er nicht alleine mit dem Rad zur Schule fahren darf, da er noch keine Prüfung abgelegt hat. Sicherlich hätten auch diverse Leute aufgeschrienen, wenn sie gewusst hätten, dass Sohnemann schon mit fünf alleine auf die Spielplätze in der Umgebung gehen dufte. Er hatte es sich zugetraut, also durfte er, denn ich war dank meiner zweiten Schwangerschaft oft nicht dazu in der Lage ihn zu begleiten. Und wir haben dafür Regeln aufgestellt, die er befolgen sollte und soweit mir bekannt ist, auch befolg hat.

Vermutlich wird es uns auch noch öfter treffen, dass meine Kinder nicht tun dürfen, was sie können – auch wenn ich bei Töchterchen anders Maß nehmen muss. Sie ist sich nicht immer so sicher, wie Sohnemann. Letzterer versteht es aber immerhin. Er findet es nicht gut, aber er versteht es. Ich hoffe inständig, dass Töchterchen es ebenso einsehen wird, wenn ich ihr Dinge verbieten muss, die sie eigentlich kann.

Besonders eines halte ich in der Erziehung nun einmal für sehr wichtig: Man muss seinen Kindern auch Vertrauen schenken und sie Dinge tun lassen, die sie machen wollen, auch wenn man selbst Zweifel hat, ob das klappt. Denn das fördert die Selbstständigkeit und diese ist im späteren Leben sehr hilfreich.

Links

Eltern.de: Der lange Weg zur Selbstständigkeit

kizz – Das Elternmagazin für die Kitazeit: Ich kann das schon alleine – Selbstständigkeit bei Kindern

kinder.de: Die Entwicklung des Kindes im 3. Lebensjahr – Entwicklung zur Selbständigkeit

Anekdote: Ganz großer Bruder

Neulich war ich mit einer Freundin in der Stadt verabredet. Weil es mit unserem Mama-Söhnchen-Tag in der letzten Zeit nicht so recht geklappt hatte, durfte Söhnchen mitkommen. Als es auf dem Spielplatz dann zu kalt und zu dunkel wurde, wanderten wir in einen bekannten Elektronik-Großmarkt, in dem es immer irgendwelche Konsolen und Videospiele zum Ausprobieren gibt. Perfekt, um Söhnchen für sein an dem Tag wirklich unproblematisches Verhalten zu belohnen und noch etwas in Ruhe zu plaudern.
Während ich mit meiner Freundin dort saß und Söhnchen irgendwo in einem Nebengang spielte, kam eine Durchsage: „Der Zweijährige XYZ würde seine Eltern suchen und warte beim Sicherheitsdienst auf seine Abholung.“ Etwas zehn Minuten später folgte diese Durchsage noch einmal. Mutter die ich bin fragte ich mich natürlich, was da los sei und unterhielt mich auch mit meiner Freundin darüber; Söhnchen war derweil schwer beschäftigt.

Als sich der Nachmittag dann auch dem Ende zuneigte und wir beschlossen noch irgendwo eine Kleinigkeit zu essen, kamen wir auf der Suche nach einem Café an einem kleinen Jungen vorbei, der seelenruhig an einem (kleinkindersicheren) Geländer stand und dem Treiben unter ihm zuschaute. Einige Meter entfernt waren noch mehr Mütter mit Kleinkindern und ich nahm an, der Junge gehöre dazu. Söhnchen aber blieb stehen, sah sich nach der Mutter des Jungen um und fragte: „Mama, ist das vielleicht der Junge, der vorhin seine Eltern gesucht hat?“
Die Mutter des Jungen hatte derweil auch bemerkt, dass wir stehen geblieben waren und kam herüber. Da war Söhnchen beruhigt – und ich unheimlich stolz auf meinen Jungen. Er ist eben wirklich ganz der große Bruder, auch wenn seine kleine Schwester gar nicht da ist!

Der Bettfreund – oder: ein „must have“ für jedes Kinderbett

Nicht allzu viele Dinge würde ich als wirkliches „Must-have“ bezeichnen. Ich bin viel zu pragmatisch, um mich von so vielen angeblich sinnvollen Baby- und Kleinkindartikeln blenden zu lassen.
Manchmal passiert es dann aber doch, dass ich denke: Daran hat sicherlich jedes Kind seine Freunde.

Eines dieser wenigen Dinge sind Warmies.

Die Warmies

Bei den Warmies handelt es sich um mit Hirse und Lavendel gefüllte Stofftiere in diversen Variationen. Es gibt kleine, große, Kissen, Halswärmer, Hausschuhe und was weiß ich nicht, was noch alles. Neben normalen Tiermotiven gibt es sie sogar noch in grellbunt. Es st also wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.
Wie ein Kirschkernkissen kann man sie in der Mikrowelle oder im Ofen ganz einfach warm machen.

Darübergestolpert

Eigentlich war es eine ganz einfache Idee: Weil Töchterchen viel lieber in unserem Bett schläft, als in ihrem, wollte ich eine Art „Überredungsmittel“ finden; einen Bettfreund. Ein einfaches Stofftier war da nicht genug, es musste etwas sein, dass ihr ebenso gut Nähe geben kann, wie ich. Töchterchen möchte Hautkontakt, Körperwärme. Die einfachste Methode diese zumindest ein Stück weit zu ersetzt, war ein Kirschkernkissen. Und weil Töchterchen ihrem Bruder alles nachmacht, sollte er ebenfalls gleich eines bekommen – was in Anbetracht dessen, dass er auch in der ärgsten Kälte am liebsten mit offenem Fenster schläft, wirklich sinnig war.

Ich überlegte also, wo ich am besten Kirschkernkissen bekommen könnte und stolperte über einen noch nicht eingelösten Gutschein eines Babygeschäftes. Passt!, dachte ich mir. In einem Babygeschäft gibt es sicherlich Kirschkernkissen. Also schnappte ich meine Kinder und fuhr mit ihnen zu dem Laden.
Und dort waren sie: ein ganzer Tisch voller wärmender Kuscheltiere. Söhnchen war gleich hellauf begeistert. Er liebt Kuscheltiere und hatte sich auch schnell eine Katze ausgesucht. Töchterchen hätte zu dem Zeitpunkt allerdings lieber irgendein blinkendes und quäkendes Elektronik-Plastik-Ding gehabt und sie interessierte sich nicht für die Stofftierchen. Nach mehreren fruchtlosen versuchen, sie eine Wahl treffen zu lassen, traf schließlich ich die Wahl und wir bezahlten.

Zuhause probierten wir sie gleich aus und steckten sie in die Mikrowelle. Kaum hatten die beiden auch noch einen Namen, war mein Plan aufgegangen.

Darf ich vorstellen? Eku!


Bild: Anazon.de

Mittlerweile heißt es bei jedem Schlafengehen „Eku warm?“. Töchterchen schläft endlich wieder in ihrem Bett, warm angekuschelt und umgeben von Lavendelduft.

Würde ich Sternchen vergeben …

bekämen die Warmies allerdings trotzdem einen Abzug. Die Beiden, die ich meinen Kindern gekauft habe, haben keine herausnehmbare Füllung – wie ich leider erst zuhause feststellte. Nun reagiert Söhnchen aber empfindlich und normalerweise wasche ich alle Stofftiere zuerst, bevor er sie haben darf.
Einmal gegen das Prinzip verstoßen, schon bekam Söhnchen einen Ausschlag. Zum Glück lassen sich die Warmies von außen feucht Abwischen. Heißes Wasser und ein Lappen beseitigten das Problem wieder.

Das zweite Jahr …

Zwei Jahre schon haben wir dich nun bei uns; zwei Jahre schon bereicherst du unser Leben mit deinem Lächeln und Lachen, mit deinem Nörgeln und Weinen, mit deinen Umarmungen und Küsschen.
Denke ich an das letzte Jahr zurück, ist unheimlich viel passiert. Am Ende deines ersten Lebensjahres warst du noch dabei, laufen zu lernen ohne dich festzuhalten. Die Schuhe, die ich dir gekauft hatte, waren die kleinsten im Laden. Heute rennst du deinem großen Bruder hinterher, als hättest du niemals etwas anderes getan. Vor einem Jahr hast du noch weit mehr geplappert, als richtig gesprochen. Heute sind es schon ganze Sätze, mit denen du dich verständigst; alle neuen Worte werden wiederholt! Du weißt genau, was du willst, bestimmst sogar schon welche Hose du anziehen möchtest.

Du entwickelst dich so rasant, du bist dir bei vielen Dingen plötzlich so sicher. Es ist keine Frage, ob ich dich im Garten alleine lassen kann; ich weiß, innerhalb von zehn Minuten wird dir dort langweilig und du folgst mir in die Wohnung. Du schließt sogar alle Türen brav hinter dir. Es ist keine Frage, ob ich dich mit deinem Bruder eine Weile alleine lassen kann. Er ist dein Star, er kümmert sich um dich und du weißt das ganze genau. Selbst die größte Hürde, dich in einer Kindergruppe alleine zu lassen, ohne Mama, ohne Daddy oder deinen Bruder, selbst das war schon am ersten Tag kein Thema.
Manchmal wundere ich mich, wie ähnlich und zugleich verschieden sich zwei Kinder sein können. Doch du und dein Bruder, ihr seid meine Kinder. Ich möchte euch im nichts in der Welt missen!

Stolze Besitzerin eines Dreirades

Stolze Besitzerin eines Dreirades