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Intuition vs. Verstand – oder: warum meine Kinder und ich ein Team sind

Selbstaufgabe für seine Kinder. Das Thema hat im Dezember allem Anschein nach viel Aufruhr verursacht. Ich finde auch, es ist ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. Einerseits nutzt es keinem Kind etwas, Eltern zu haben, die völlig am Ende mit Nerven und Kräfte sind. Andererseits würde ich niemals mein Kind weinen lassen.
Frau Chamailion hat zu diesem Thema »Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung« zu einer Blogparade aufgerufen, zu der ich nun meinen Senf geben möchte.

Muttergespräche

Zuerst gestehe ich: Meine Kinder würde ich als einfach bezeichnen – zumindest für uns sind es einfache Kinder. Klar, es gab immer schwierige Phasen, wie das Zahnen, die Blähungen und und und. Aber wir haben uns zusammengerauft und einen passablen Weg gefunden. Dass dieser Weg bis zum Kleinkindalter natürlich kindbestimmt war, halte ich für selbstverständlich. Ich liebe meine Kinder und ich möchte, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Denn dann bin ich auch zufrieden und glücklich.
Die schwierigste Zeit war die Babyzeit. Sowohl Sohnemann als auch Töchterchen hatten große Probleme mit Blähungen und Zähnen. Da hat im Grunde nichts geholfen, aber sie brauchen die Nähe von meinem Mann oder mir. War unser Sohnemann als Baby eher unkompliziert, so stellte Töchterchen danach schon mehr Ansprüche. Für sie essentiell ist Körperkontakt – auch mit ihren jetzigen vier Jahren noch. Und auch, wenn sie manchmal nervt, wenn sie ständig meine Hand streichelt, wenn sie ihre Knuddelzeit braucht, dann braucht sie sie.

Im Zuge der bisherigen Beiträge, die ich schon gelesen habe, habe ich auch mal wieder ein Gespräch mit meiner Mutter über diese Thematik geführt; mit einem ernüchternden Resultat. Als meine Mutter klein war, war alles anders. Und die Geschichten, die ich mir über meine Großmutter anhören darf, sind stellenweise grauenhaft. Wenn sie etwas nicht zu haben schien, dann Mutterinstinkt. Ich habe in meinem Beitrag »Die gefährliche Welt – oder: Wenn Selbstständigkeit im Keim erstickt wird« schon einmal von einer Begebenheit geschrieben, die meine Mutter mir aus ihrer Kindheit geschildert hatte (mittlerweile weiß ich übrigens auch, dass meine Großeltern sehr wohl das verlorene Kind gesucht und auch die Polizei informiert haben. Es war also nicht ganz so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hatte). Analog dazu gibt es noch mehr Geschichten.
Und all das, weil meine Großmutter dem gängigen Erziehungskonzept folgte, ohne Kompromisse und vermutlich auch ohne einem Fünkchen Intuition. Damals war es halt so. Damals galt man als schlechte Mutter, wenn man seiner Intuition nachgab. Und wer wollte schon als schlechte Mutter dastehen? Meine Großmutter bestimmt nicht!

Von Intuition und Verstand

Ich gebe zu, ich habe mich niemals für einen sehr intuitiven Menschen gehalten. In meinem Berufsleben und für mich selbst lebe ich am besten mit Vernunft und gesundem Menschenverstand. Letzteren habe ich auch versucht, bei meinen Kindern anzuwenden – und bin mit der Nase darauf gestoßen, dass meine Intuition zumindest bei meinen Kindern doch sehr ausgeprägt ist.
Zum Beispiel wäre ich niemals auf die Idee gekommen meine Kinder schreien zu lassen – und mein Mann ist zum Glück derselben Meinung. Immer wieder hörte man natürlich die Ratschläge von anderer Eltern: »Lasst das Kind doch weinen, es muss lernen alleine zu schlafen«, hieß es bei Töchterchen. Oder: »Sie muss lernen zu essen, was man ihr vorsetzt!«
Aber all das haben wir nie gemacht. Weder mein Mann noch ich konnten es ertragen, unsere Kinder einfach weinen zu lassen, wenn es um echte Bedürfnisse ging. Klar, bei Trotzweinphasen, weil sie ihren Willen einfach nicht bekamen, war und ist es noch immer etwas anderes. Sie muss von meinem gekochten Abendessen etwas essen, sonst gibt es keinen Nachtisch. Aber ich zwinge Töchterchen zum Beispiel nicht, die ihr verhassten Karotten herunterzuwürgen. Was ihr nicht schmeckt, muss sie nicht essen und so lange ich weiß, dass sie Kartoffeln, Nudeln und im Zweifelsfalls einen ihrer geliebten Äpfel gerne isst, habe ich immer einen Ansatzpunkt.
Aber warum soll ich meine Tochter alleine und einsam in einem Zimmer liegen lassen, wenn sie nun mal nähebedürftig ist? Nein, das kam nicht in Frage; und es fühlte sich viel besser an, sie zufrieden bei uns im Familienbett zu haben, als mit schlechtem gewissen alleine in ihrem Bett. Zwar mussten wir das erst richtig hinbiegen, denn Töchterchen schlüpft am liebsten mit unter meine Decke und wenn ich nicht komplett eingemummelt bin, kann ich nicht schlafen. Aber es ging, wir fanden eine Lösung und haben damit sowohl Töchterchens als auch mein Schlafbedürfins gelöst.

Es sind nur zwei Beispiele von vielen und über unsere Schlafsituation habe ich auch schon einmal im Rahmen einer anderen Blogparade etwas geschrieben: Wie man sich bettet, so lügt man. Doch ist unser Grundrezept der Kompromiss. Solange man merkt, was den Kindern wirklich wichtig ist, lohnt es sich darauf einzugehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. So lernen auch die Kinder etwas Einfühlungsvermögen. Natürlich ist es nicht möglich, so lange die Kinder noch ganz klein sind. Doch da müssen alle Eltern durch, denn die Bedürfnisse der Kinder gehen vor. In dem Moment, in dem sie einfach von uns abhängig sind kommt nichts anderes in Frage, als es einfach zu tun und bis an seine Grenzen zu gehen, ohne sich selbst auszulaugen. Und da fängt das mit dem Kompromiss schon an: Wenn das Kind nur auf dem Schoß einschläft, dann lasse ich es auf dem Schoß einschlafen und lege es erst danach weg – in sein Bett, neben mich auf die Couch, wohin auch immer. Hauptsache das Kind ist zufrieden und man selbst kann das tun, was man noch tun muss oder will, um nicht am Ende aus dem letzten Loch zu pfeifen.
Jetzt, mit vier Jahren, ist Töchterchen soweit, sich ein Stück weit abzukapseln. Sie schläft zwar nicht alleine in ihrem Zimmer, aber dafür liebend gerne im Gästebett unseres Sohnemanns. Und das, ohne ständig jemanden zum Kuscheln direkt neben sich zu haben. Ich werde sie nicht dazu zwingen, doch ich bin sicher, der Zeitpunkt wird kommen, an dem sie von sich aus sagt, sie möchte in ihrem eigenen Bett in ihrem eigenen Zimmer schlafen.

Lesenswerte Beiträge zu der Blogparade:

Frau Chamailion bloggt: Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung {Blogparade}

Glucke und so: Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben?

wheelymum: Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern

Abenteuer Papa: Eltern vs. Kinder oder: Prioritäten setzen [Blogparade]

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Blogparade: Wie man sich bettet, so lügt man

Da ich just vor ein paar Wochen die Idee hatte, etwas über das hin und her beim Schlafen zu schreiben, nehme ich nun die Blogparade: Wie man sich bettet, so lügt man. Eure Geschichten zur guten Nacht. von Teilzeitmutter als Anlass, mich dazu auch endlich zu äußern.
In ihren Blogbeitrag spricht sie davon, dass viel zum Thema Schlaf unter Müttern gelogen oder beschönigt wird. Stimmt das denn? Vielleicht kenne ich für solche Dinge, die falschen Mütter. Meine eigenen Erfahrungen würde ich nie beschönigen, was sicherlich auch ein Grund ist, weswegen ich einfach erwarte, dass andere Mütter das auch nicht tun. Eine Mutter ist auch nur ein Mensch und auch, wenn die Kinder schnell durchschlafen, das Thema Schlafen gehen, Rituale und alles weitere, was damit zusammenhängt kommt bei jedem Kind irgendwann wieder auf, sei es bei einer üblen Krankheit, die das Kind durchstehen muss oder dem Monster, das unter dem Bett lauert. Manchmal muss man einfach kreativ sein und zum Beispiel kurzerhand einen Hund in das Kinderzimmer einquartieren, weil dann sicherlich kein Monster im Zimmer sein kann. Das Thema schlafen geht bei uns zumindest niemals zu Ende. Beide Kinder haben ihre Phasen. Manchmal hilft dagegenhalten, manchmal einfach ein paar Nächte zu viert im Familienbett aushalten. Ja, wir haben ein Familienbett, seit Töchterchen auf der Welt ist.

Was das Schlafverhalten angeht haben wir zwei sehr unterschiedliche Kinder. Während Sohnemann (vermutlich bedingt durch seinen einmonatigen Aufenthalt auf der Frühchenstation) immer nur in seinem Bett geschlafen hat und auch nie eine Hand brauchte damit er einschlafen konnte, war Töchterchen von Anfang an der anhängliche Typ. Wo wir bei Sohnemann froh waren, dass er mit etwa drei oder vier Jahren dann auch endlich mal zu uns ins Bett kam und bei uns schlafen wollte, ist Töchterchen eher nicht aus unserem Bett zu vertreiben.

Töchterchen schlief von Anfang an am liebsten an meiner Brust ein, ließ sich die ersten Wochen (oder Monate?) nicht ablegen, wenn sie schlief und war auch nicht in ihr Kinderbett zu verbannen, obgleich es bei uns im Schlafzimmer stand. Das Resultat war: sie schlief bei uns im Bett. Immerhin schlief sie sehr schnell auch die Nächte durch, wenn sie nicht gerade massive Probleme mit Blähungen und Zähnen hatte.
Irgendwann schaffte ich es dann, sie, wenn ich ins Bett ging, in ihr eigenes Bett umzuquartieren. Anfangs mit Händchenhalten, später auch ohne. Das änderte aber nichts daran, dass sie dennoch jede Nacht aus ihrem Bett zu uns kletterte und sich unter meine Decke kuschelte. Auch da war und ist sie eigenen. Ihr Daddy ist dabei nur selten gefragt, lange Zeit wollte sie immer nur zu mir. Es war also sogar schon ein Fortschritt, wenn sie nicht unter meine Decke rutschte.
Letzten Sommer bekam Töchterchen dann ihr eigenes Kinderzimmer, mit ihrem Gitterbett und sogar noch einem Hochbett ausgestattet. Wir erwarteten zwar nicht, dass sie in diesem schon schlafen würde, aber was stand, das stand. Geschlafen hat sie die erste Hälfte der Nacht nach wie vor in ihrem Gitterbett, die andere Hälfte kam sie wieder bevorzugt unter meine Decke gehuscht.
Dann kam ein Umbruch. Mein Mann war letzten Herbst länger krank, irgendetwas grippiges. Fast zeitgleich hatte Sohnemann Anwandlungen nicht alleine in seinem Zimmer schlafen zu wollen. Damit die Kinder sich nicht ansteckten, verbannte ich sie beide in Töchterchens Zimmer. Ich las im Hochbett wie gewöhnlich beiden etwas vor und da Töchterchen nicht in ihr Gitterbett wechseln wollte, sondern mit ihren Bruder im Hochbett bleiben, blieb auch ich so lange dort liegen, wie möglich. Leider ist das Bett nicht groß genug, damit ein Kindergartenkind und ein Schulkind bequem mit der Mutter darin liegen können. Irgendwann tat mir alles weh und Töchterchen schliefen noch nicht. Dazu kam, Sohnemann liest nach dem Vorlesen selbst gerne noch weiter. Töchterchen konnte also nicht schlafen, blieb wach, bis Sohnemann genug gelesen hatte und dann … hielten sie sich gegenseitig weiterhin wach. Ein paar Tage hatten wir also völlig übermüdete Kinder, dann flatterte die nächste Krankheit ins Haus – oder besser: in Töchterchens Ohr. Also wanderte Töchterchen wieder ins Familienbett und blieb dort.

Unsere derzeitige Situation sieht wie folgt aus: Töchterchen schläft mit ihren Drei Jahren (wieder) bei uns im Bett. Dafür hat Sohnemann ihr Hochbett besetzt, weil seines nach eigener Aussage zu wackelig ist – und ja, das ist es leider wirklich.
Eine Sache aber hat sich geändert: ich brauche nicht mehr warten, bis Töchterchen eingeschlafen ist. Ich darf gehen, denn unsere Kleine hat die Gewissheit, dass ich mich später dazu kuschle. Zwar darf ich sie dann nicht in eines ihrer Betten bringen, aber das macht nichts. Der Zeitpunkt wird kommen, in dem sie es selbst möchte.

Was ich im übrigens zum Thema Schlaf niemals zurate gezogen habe, war irgendwelche Ratgeberliteratur. Ich erinnere mich an ein einzige Mals, wo ich mich nach Ideen erkundigt habe, wie ich ein Schlafproblem lösen könnte, doch letztlich habe ich immer meine Intuition entscheiden lassen. Jedes Kind ist anders. Allein meine beiden unterscheiden sich schon unglaublich. Meine Kuschelmaus ist nun einmal sehr Nähebedürftig, wie könnte ich sie dann einfach so dazu zwingen alleine in ihrem Bett zu schlafen? Zudem ist sie mittlerweile in einem Alter, in dem sie verständig ist. Verständig genug, dass sie weiß, auch wenn sie alleine einschläft, später kommt Mama dazu. Mit dieser Sicherheit lässt es sich wohl am besten Schlafen.