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Ungeziefer – oder: Warum man sich über Läuse freuen sollte

Jeder kennt sie, jeder hatte sie schon mal: Läuse. Wir hatten mittlerweile schon vier Mal das Vergnügen, seit Sohnemann in der Schule ist. Und auch, wenn Läuse weder gefährlich, noch ein Anzeichen für mangelnde Hygiene sind, es ist Ungeziefer und einfach nur „ihhhbä!“, um es mit Töchterchens Worten auszudrücken.

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich – und berechtigter Weise: Warum schreibt sie über Läuse?
Die Antwort darauf ist einfach: Weil es ein Schämthema ist obwohl es keinen Grund gibt, sich deswegen zu schämen.

 

Läusepanik

Diese Läusepanik kennt wahrscheinlich jeder Erwachsene, der schon einmal seine Kinder hat entlausen müssen. Ungeziefer! Ihh! Ja, das war beim ersten Mal auch meine Reaktion. Allerdings war mir da noch nicht klar, wie man Läuse eigentlich wieder los wird. Mir war nur klar, dass ich nicht in Panik verfallen sollte. Habe ich Panik, haben sie die Kinder auch. Dazu kam noch: ich musste zwei wissensdurstigen Kindern natürlich auch erklären, was Läuse sind, warum deswegen der Kopf juckt und weswegen sie deswegen auch noch zuhause bleiben müssen. Und vorallem Töchterchen stellte mir noch mehr Fragen, als wir sie vor zwei Jahren das erste Mal entlausen mussten.
Aber für so etwas gibt es Abhilfe. Für alles, was ich nicht auf Anhieb beantworten kann, frage ich zuersteinmal YouTube, ob es vielleicht einen Beitrag aus Der Sendung mit der Maus gibt. Und ja, den gab es. Auch beim letzten Läusebefall schauten wir uns zuerst noch einmal zusammen das Video an:

 

 

Und schon waren so ziemlich alle Fragen beantwortet. Die Kinder wussten, weswegen sie ein Antiläusemittel auf den Kopf bekamen und weswegen ich in den nächsten Tagen viel Zeit damit verbringen musste, ihre Haare gut auszukämmen. Sie halfen mir die Bettwäsche zu wechseln und ihre geliebten Pillowpets zu waschen.
Manchmal kann Erklären so einfach sein 😉

Es muss übrigens nicht immer die Maus sein, die etwas erklärt. Vor zwei oder drei Wochen bin ich zufällig noch über ein Video bei Quarks&Co gestolpert, das sich ebenfalls mit Läusen beschäftigte.

 

Doch auch, wenn man all das weiß, gibt es doch eines, dass sich nicht abstellen lässt: Sobald man von Läusen spricht, oder auch nur über sie nachdenkt, beginnt der Kopf zu jucken, ganz automatisch.

 

Der Dank der Kita

Als ich Anfang des Jahres Läuse auf den Köpfen beider Kinder und leider auch auf meinem eigenen entdeckte, griff ich zum Telefon, um beide Kinder zu entschuldigen. Es war die erste Schulwoche nach den Ferien, aber es half nichts: Sohnemann musste zuhause bleiben und entlaust werden.
Ich rief also sowohl in der Schule, als auch im Kindergarten an, um Bescheid zu geben. Pflichtbewusst wie ich bin, sagte ich natürlich auch, worum es ging. Wenn ein Kind Läuse hat, kann man davon ausgehen, dass mehrere betroffen sind. Die Einrichtung muss das erfahren, damit sie die Information an die Eltern weiterleiten kann und damit dem Problem wirklich Abhilfe geschaffen werden kann.
Völlig verblüfft war ich jedoch, als sich eine der Damen am anderen Ende des Apparates bei mir bedankte. Viele Eltern melden leider nicht, wenn die Kinder Läuse hätten, meinte sie.
Eine ähnliche Geschichte erzählte mir die Apothekerin, bei der ich kurz darauf die gängigen Mittelchen zur Läusevernichtung einkaufte. Auch sie wies mich darauf hin, dass ich es Schule und Kindergarten melden müsse. Im Gespräch sagte sie mir, sie hätte schon erlebt, dass sich Eltern aus Zeitmangel gar nicht darum kümmerten, die Läuse loszuwerden. Und natürlich, dass sie sich schämten so etwas zuzugeben.

Das sind Dinge, die ich nie verstehen werde: Wie kann man einfach hinnehmen, dass sich so etwas wie Läuse weiter ausbreiten, weil es niemand außer mir wusste, das mein Kind Läuse hatte? Und das, wo es im Grunde nur Zeit und etwas Sorgfalt kostet, sie loszuwerden? Oder noch schlimmer: Wie kann man einfach hinnehmen, dass Ungeziefer auf den Köpfen der Kinder krabbelt? Die simple Tatsache, dass Sohnemann sich sechs Wochen später schon wieder Läuse eingefing, sagt mir, dass die Apothekerin recht hatte. Allem Anschein nach grassieren die Läuse bereits seit Ende letzten Jahres in der Schule. Und ja, es ist stressig, sein Kind nach ein paar Wochen erneut entlausen zu müssen, weil andere Eltern es nicht tun. Zum Glück bemerkte ich es beim zweiten Mal in diesem Jahr früh genug und Töchterchen und ich blieben dieses Mal verschont.

Und ja, ihr habt richtig gelesen: Ich hatte die Läuse ebenfalls. Das ist der grundlegende Nachteil eines Familienbettes. Ob Sohnemann die Läuse an mich weitergab und ich sie an Töchterchen, oder umgekehrt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Aber schliefe Töchterchen nicht immer noch dicht an mich gekuschelt, wäre mir die Läuse auf meinem eigenen Kopf erspart geblieben.

 

Mein Appel an euch

Liebe Eltern, nun folgt eine Aufforderung an Euch: Wenn euer Kind Läuse hat, bitte bitte meldet es den entsprechenden Einrichtungen. Läuse sind unangenehme und lästige kleine Gesellen, doch dort, wo Kinder die Köpfe zusammenstecken, können sie sich gut verteilen.
Wegen Läusen muss man sich nicht schämen. Im Gegenteil: Sie bedeuten, Eure Kinder haben genug soziale Kontakte. Ohne diese, könnten sie nicht von einem Kopf auf den anderen klettern.

Also freut Euch doch das nächste Mal, wenn Ihr Läuse findet! Denn dann wisst ihr mit Sicherheit, Eure Kinder haben Freunde.

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