Tag-Archiv | Entwicklung

Gedanken zum Schulsystem

Mit dem Ende der Sommerferien begann hier alles neu. Töchterchen durfte endlich den Kindergarten wechseln, Sohnemann besucht nun eine weiterführende Schule und der Mann hat erstmal reguläre Arbeit in einer Kindertagesstätte.
So weit so gut, es läuft. Und doch gibt es da eine Sache, die schwer im Magen liegt: Sohnemann passt nicht in das gängige Schulsystem.

 

Das Frühchendasein

Sohnemann kam zwei Monate zu früh. Schon damals wurde uns gesagt, er würde noch Schwierigkeiten deswegen bekommen, doch er entwickelte sich normal. Es gab keine Komplikationen, er war nur lange Zeit kleiner und schmaler als andere Kinder seines Alters. Ansonsten lag seine Entwicklung von all dem, was in den U-Untersuchungen getestet wird, völlig in der Norm.
Probleme entstanden erst, als er in die Schule kam. Er hat Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, lässt sich leicht ablenken und braucht Ruhe, um Dinge zu begreifen. Auch seine Feinmotorik ist nicht die Beste, weswegen ihm alles Schriftliche schwerfällt.

 

Vorpubertät

So langsam bahnt sich die Pubertät ihre Wege und das merkt man Sohnemann an. Mädchen interessieren ihn zwar noch nicht, aber emotional wird er immer empfindlicher. Besonders, was die Schule angeht. Sobald er etwas nicht schafft, verliert er nicht nur die Lust, sonder beginnt zu zweifeln. „Ich bin der dümmste Junge der Schule!“, schallt es dann aus dem Zimmer.
Das ist er natürlich nicht. Im Gegenteil. Ich sehe einen sensiblen und sehr intelligenten Jungen. Mit dem Verständnis des Schulstoffs hatte er bisher noch nie Probleme. Allein die Methode, wie er es lernen soll, ist die Hürde. Eine sehr Große sogar. All die Eindrücke in einem normalen Klassenraum sorgen dafür, dass er Erklärungen im Unterricht nicht folgen kann. Besonders dann, wenn es ihn Nichtmal interessiert.

 

Schulkonzepte

Das Schulkonzept unserer Grundschule sieht vor, dass die Kinder erst ab der dritten Klasse Noten bekommen. Doch seid es Noten gibt, sackt Sohnemann immer weiter ein. Schlechte Noten bedeuten, er sei dumm, so wurde das von so manchen Lehrern kommuniziert. Der nette Referendar, der sich in Mathematik sehr bemühte und bei dem Sohnemann der Unterricht sehr viel Spaß gemacht hatte, wurde leider ausgebremst. Es gab Beschwerden. Solche Ereignisse hängen Sohnemann nach. Noch immer sagt er, ihm hätte Mathematik mit besagtem angehenden Lehrer sehr viel Spaß gemacht. Mittlerweile ist das fast zwei Jahre her und Mathe ist sein Hassfach geworden.
Der Druck in der vierten Klasse wurde immer größer. Immerhin stand dann ein Schulwechsel an und die Noten sollten entscheiden, auf welche Schule er wechseln konnte. Leider sind solche Jungen wie Sohnemann gerne das Ziel von Rabauken. Die gibt es zwar auf jeder Schule, aber Unterforderung in Kombination mit Mobbing war uns allen eine Horrorvorstellung.
Sohnemann wusste, wie wichtig die Noten bei der Wahl der weiterführenden Schule war und verzweifelte fast daran, dass all seine Bemühungen scheiterten und er sich selbst im Weg stand. Noten wurden zum Graus. Noten waren das schlimmste an der Schule und jedes Mal machte er sich fertig, weil er eine schlechte Note erwartete. Dabei bekommt er, anders als diverse seiner Freunde, keinen Ärger wegen schlechter Noten von uns. Wir versuchen viel mehr, ihn zu unterstützen.

Für seine weiterführende Schule haben wir in Absprache mit seiner (nun ehemaligen) Klassenlehrerin die beste Wahl getroffen, die uns möglich war: Eine integrierte Gesamtschule. Das Konzept ist etwas offener, alle Schüler aus Haupt-, Real- und Gymnasialstufe sind in einer Klasse in den Grundfächern zusammen und werden in den grundlegenden Fächern wie Sprachen, Naturwissenschaften und so weiter in Kurse aufgeteilt – je nachdem, welche Noten sie in den Fächern haben. Doch es ist nicht so starr, wie das dreigeteilte Schulsystem allgemein.
Dennoch geht es auch dabei wieder um Noten.

 

Erwartungshaltung und Leistungsdruck

Ein sensibles Kind geht leider allzu oft unter. Ich für meinen Teil versuche Sohnemann das Gefühl zu geben, dass er bleiben kann, wie er ist; verträumt, sensibel, kreativ und sogar nachdenklich. Das schwierigste an dieser Kombination für ihn ist, irgendwie mit einem System zurechtzukommen, in dem auch als „normal“ geltende Kinder oft schon Probleme haben. Noch hat er erst ein paar Wochen auf der neuen Schule hinter sich. Noch wurden keine Arbeiten geschreiben und noch bekam er keine Noten. Es bleibt abzuwarten, ob es auf der Gesamtschule besser läuft, als bisher in der Grundschule.
Unsere Erwartung jedenfalls ist: Er soll seinen Weg finden. Da sind sich der Mann und ich einig. Sohnemann ist ein intelligentes Kerlchen. Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe und denkt sich auch phantasievoll alles Mögliche aus. Er ist sozial eingestellt, hält sich an Regeln und ist doch zumindest in seiner Arbeitsweise eine Art Einzelgänger, weil er die Ruhe dafür benötigt. Und sobald er sich für etwas interessiert, ist er auch mit viel Spaß dabei.

Leider ist es aber nicht das, was diese Gesellschaft fordert. Diese Gesellschaft macht Druck. Diese Gesellschaft misst Leistung in Noten und Zeugnissen, anstatt an dem, was ein Kind leisten könnte, ließe man es seinen Interessen folgen. Und alles, was wir dabei tun können, ist dafür zu sorgen, dass unser Sohn nicht an dem Druck einer Leistungsgesellschaft zerbricht.

 

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Die Auto-Kolonnen-Blockade – oder: ein Schulweg ohne Autos?

Es wird Frühling. Nach den eisigen morgenden, werden die Tage wieder Wärmer und trockener und meine Kinder freuen sich darauf, wieder Radfahren zu können. Klar, dachte ich bei mir, Töchterchen mit dem Fahrrad zum Kindergarten bringen ist schöner, als mit dem Bus zu fahren. Sohnemann hatte sich vom Winter ohnehin nur selten davon abhalten lassen, mit dem Rad oder seinem Roller zur Schule zu fahren. Aber für Töchterchen war es zu kühl – zumal ihr Weg ungleich länger ist, als Sohnemanns.

 

Horden von Autos

Mit großer Freude setzte sich Töchterchen an dem Morgen auf das Fahrrad, als ich endlich zustimmte, mit dem Rad zum Kindergarten zu fahren. Am ersten Tag waren wir spät dran, doch am Tag darauf dachte ich, mich tritt ein Pferd. Wir waren äußerst früh unterwegs. Unser Weg führt an einer stark befahrenen Straße entlang, an der mehreren Schulen ihre Zufahrt haben. Und die Autos standen Schanlge, um zu den Schulen einbiegen zu können.
Töchterchen fuhr langsamer auf dem Radweg. Ihr waren die ganzen Autos sichtlich nicht geheuer. Doch sie verließ sich auf mein Wort, wir hätten vorfahrt. Die meisten Autofahrer beherzigen das zum Glück auch, besonders, wenn sie ein kleines Kind auf einem Fahrrad sehen. Dann nehmen sie Rücksicht. Aber was ist mit den Größeren?

Diese Frage stellte ich mir ein paar Tage später ein weiteres Mal. Der Mann brachte Töchterchen in den Kindergarten und ich konnte Sohnemann zu Schule begleiteten – ebenfalls mit dem Fahrrad. Es ist für mich praktisch, denn die Schule liegt auf dem Weg zum Bahnhof. Doch auch da stauten sich die Autos. Um die ganze Schule herum drängte sich Auto um Auto, in allen Größen und allen Farben.
Käme Sohnemann nicht jeden Morgen von der Seite, an der keine Einfahrt für Autos ist, hätte sogar ich darüber nachgedacht, ihm zu verbieten mit dem Rad zu fahren. Sicherlich, Sohnemann hat seine Prüfung abgelegt und auch bestanden. Aber Kinder sind für gewöhnlich trotzdem nicht unbedingt verkehrssicher; da hapert es ja schließlich auch bei so manchem Erwachsenen. Doch diese Kolonnen von Autos, die alle unbedingt ein einziges Kind abladen müssen, um dann mühevoll in der Sackgasse hinter der Schule zu drehen und sich wieder raus zu schlängeln, ist für Kinder sicher alles andere als eine Motivation vielleicht selbstständig mit dem Rad zur Schule zu kommen.

 

Die Unsicherheiten des Schulweges

Ein gängiges Argument für Eltern, ihre Kinder mit dem Auto zu bringen ist der „unsichere Schulweg“. Gut, da habe ich durchaus Verständnis. Sohnemanns Schulweg könnte auch sicherer sein, denn er muss genau an jeder stark befahrenen Straße über die Ampel, an der ich mit Töchterchen zum Kindergarten entlangfahren muss. Trotzdem ist es doch wohl keine Lösung, stattdessen selbst mit dem Auto hinzufahren. Im Gegenteil: dadurch ist ein Auto mehr in der Blockade.
Ich verstehe auch das Argument, dass man ohnehin auf dem Weg zur Arbeit an der Schule vorbeifährt und das Kind dort absetzen kann. Aber wozu muss man es dann bis vor die Tür fahren? Mal ehrlich, ist es denn so schwer, es an der Kreuzung vorher einfach rauszulassen, dass es das letzte Stück laufen kann? Oder ist auch das zu gefährlich, weil da ja eine ganze Meute von Autos vor der Schule lauert, nur um das nächste Kind anzufallen? Oder ist es nur diese elende Bequemlichkeit des Autos, die alle rigoros ausnutzen wollen?
Ich weiß es nicht und werde es als jemand, der selbst kein Auto fährt, wohl nie verstehen.

 

Selbstständigkeit und Vertrauen

Bei diesen Auto-Kolonnen geht mir noch etwas durch den Kopf: diese Eltern nehmen ihren Kindern doch auch ein Stück ihrer Selbstständigkeit und des Vertrauens. Ja, ich begleite meinen Sohn auch ein oder zwei Mal in der Woche zur Schule, aber der Fokus liegt auf dem Wort „begleiten“. Die Schule liegt auf meinem Weg und ich verbringe gerne etwas Zeit mit Sohnemann. Wir reden die zehn Minuten über alles mögliche und ich denke, er genießt die Zeit, die er mich für sich alleine hat. Aber ich weiß, dass er in der Lage ist, den Weg alleine zu bewältigen. Ich vertraue ihm. Schon zwei Wochen nach der Einschulung wollte er ersteinmal alleine gehen – und ich habe ihn gelassen. Denn bei Sohnemann war es immer schon sehr einfach: was er sich zutraut, das kann er auch.

Auch dann, wenn Töchterchen zur Schule gehen wird, werde ich sie ab und zu begleiten – sofern sie es möchte. Derzeit spricht sie davon, dass sie alleine zum Kindergarten gehen möchte. Klar, sie kennt den Weg, aber da sind diese Auto-Kolonnen vor den Schulen …

Ungeziefer – oder: Warum man sich über Läuse freuen sollte

Jeder kennt sie, jeder hatte sie schon mal: Läuse. Wir hatten mittlerweile schon vier Mal das Vergnügen, seit Sohnemann in der Schule ist. Und auch, wenn Läuse weder gefährlich, noch ein Anzeichen für mangelnde Hygiene sind, es ist Ungeziefer und einfach nur „ihhhbä!“, um es mit Töchterchens Worten auszudrücken.

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich – und berechtigter Weise: Warum schreibt sie über Läuse?
Die Antwort darauf ist einfach: Weil es ein Schämthema ist obwohl es keinen Grund gibt, sich deswegen zu schämen.

 

Läusepanik

Diese Läusepanik kennt wahrscheinlich jeder Erwachsene, der schon einmal seine Kinder hat entlausen müssen. Ungeziefer! Ihh! Ja, das war beim ersten Mal auch meine Reaktion. Allerdings war mir da noch nicht klar, wie man Läuse eigentlich wieder los wird. Mir war nur klar, dass ich nicht in Panik verfallen sollte. Habe ich Panik, haben sie die Kinder auch. Dazu kam noch: ich musste zwei wissensdurstigen Kindern natürlich auch erklären, was Läuse sind, warum deswegen der Kopf juckt und weswegen sie deswegen auch noch zuhause bleiben müssen. Und vorallem Töchterchen stellte mir noch mehr Fragen, als wir sie vor zwei Jahren das erste Mal entlausen mussten.
Aber für so etwas gibt es Abhilfe. Für alles, was ich nicht auf Anhieb beantworten kann, frage ich zuersteinmal YouTube, ob es vielleicht einen Beitrag aus Der Sendung mit der Maus gibt. Und ja, den gab es. Auch beim letzten Läusebefall schauten wir uns zuerst noch einmal zusammen das Video an:

 

 

Und schon waren so ziemlich alle Fragen beantwortet. Die Kinder wussten, weswegen sie ein Antiläusemittel auf den Kopf bekamen und weswegen ich in den nächsten Tagen viel Zeit damit verbringen musste, ihre Haare gut auszukämmen. Sie halfen mir die Bettwäsche zu wechseln und ihre geliebten Pillowpets zu waschen.
Manchmal kann Erklären so einfach sein 😉

Es muss übrigens nicht immer die Maus sein, die etwas erklärt. Vor zwei oder drei Wochen bin ich zufällig noch über ein Video bei Quarks&Co gestolpert, das sich ebenfalls mit Läusen beschäftigte.

 

Doch auch, wenn man all das weiß, gibt es doch eines, dass sich nicht abstellen lässt: Sobald man von Läusen spricht, oder auch nur über sie nachdenkt, beginnt der Kopf zu jucken, ganz automatisch.

 

Der Dank der Kita

Als ich Anfang des Jahres Läuse auf den Köpfen beider Kinder und leider auch auf meinem eigenen entdeckte, griff ich zum Telefon, um beide Kinder zu entschuldigen. Es war die erste Schulwoche nach den Ferien, aber es half nichts: Sohnemann musste zuhause bleiben und entlaust werden.
Ich rief also sowohl in der Schule, als auch im Kindergarten an, um Bescheid zu geben. Pflichtbewusst wie ich bin, sagte ich natürlich auch, worum es ging. Wenn ein Kind Läuse hat, kann man davon ausgehen, dass mehrere betroffen sind. Die Einrichtung muss das erfahren, damit sie die Information an die Eltern weiterleiten kann und damit dem Problem wirklich Abhilfe geschaffen werden kann.
Völlig verblüfft war ich jedoch, als sich eine der Damen am anderen Ende des Apparates bei mir bedankte. Viele Eltern melden leider nicht, wenn die Kinder Läuse hätten, meinte sie.
Eine ähnliche Geschichte erzählte mir die Apothekerin, bei der ich kurz darauf die gängigen Mittelchen zur Läusevernichtung einkaufte. Auch sie wies mich darauf hin, dass ich es Schule und Kindergarten melden müsse. Im Gespräch sagte sie mir, sie hätte schon erlebt, dass sich Eltern aus Zeitmangel gar nicht darum kümmerten, die Läuse loszuwerden. Und natürlich, dass sie sich schämten so etwas zuzugeben.

Das sind Dinge, die ich nie verstehen werde: Wie kann man einfach hinnehmen, dass sich so etwas wie Läuse weiter ausbreiten, weil es niemand außer mir wusste, das mein Kind Läuse hatte? Und das, wo es im Grunde nur Zeit und etwas Sorgfalt kostet, sie loszuwerden? Oder noch schlimmer: Wie kann man einfach hinnehmen, dass Ungeziefer auf den Köpfen der Kinder krabbelt? Die simple Tatsache, dass Sohnemann sich sechs Wochen später schon wieder Läuse eingefing, sagt mir, dass die Apothekerin recht hatte. Allem Anschein nach grassieren die Läuse bereits seit Ende letzten Jahres in der Schule. Und ja, es ist stressig, sein Kind nach ein paar Wochen erneut entlausen zu müssen, weil andere Eltern es nicht tun. Zum Glück bemerkte ich es beim zweiten Mal in diesem Jahr früh genug und Töchterchen und ich blieben dieses Mal verschont.

Und ja, ihr habt richtig gelesen: Ich hatte die Läuse ebenfalls. Das ist der grundlegende Nachteil eines Familienbettes. Ob Sohnemann die Läuse an mich weitergab und ich sie an Töchterchen, oder umgekehrt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Aber schliefe Töchterchen nicht immer noch dicht an mich gekuschelt, wäre mir die Läuse auf meinem eigenen Kopf erspart geblieben.

 

Mein Appel an euch

Liebe Eltern, nun folgt eine Aufforderung an Euch: Wenn euer Kind Läuse hat, bitte bitte meldet es den entsprechenden Einrichtungen. Läuse sind unangenehme und lästige kleine Gesellen, doch dort, wo Kinder die Köpfe zusammenstecken, können sie sich gut verteilen.
Wegen Läusen muss man sich nicht schämen. Im Gegenteil: Sie bedeuten, Eure Kinder haben genug soziale Kontakte. Ohne diese, könnten sie nicht von einem Kopf auf den anderen klettern.

Also freut Euch doch das nächste Mal, wenn Ihr Läuse findet! Denn dann wisst ihr mit Sicherheit, Eure Kinder haben Freunde.

Das fünfte Jahr

Meine Tochter. Mittlerweile habe ich schon so viele Worte über sie verloren, dass ich fürchte, mich zu wiederholen. Denn auch das fünfte Jahr mit ihr war unendlich schön! Die Freude über ihr Regenbogenkleid, die Freude am Spielen und natürlich auch die Diskussionen und ihre Uneinsichtigkeit, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Sie ist ein kleiner Wirbelwind und sie ist so unendlich eigensinnig! Ich lasse ihr ihren Raum, wo immer ich kann. Besonders in Sachen Kleidung hat sie ihre Eigenheiten. Kaum wurde es wärmer, wurden die Hosen weggepackt und nur noch Leggins zu ihren Kleidern getragen. Kaum stiegen die Temperaturen weiter, wollte sie nur noch kurzärmlige Kleider tragen und keine Leggins mehr. Nur eines änderte sich das ganze Jahr nicht: Kleider. Neue Kleider, Lieblingskleider, aber keine, die nicht bequem sind. Da wurden schöne Kleider so lange aussortiert, weil sie Knöpfe hatten oder weil der Gummizug im Brustbereich zu eng saß, bis sie sie doch wieder ausprobierte.
Und ich liebe es, wie sie sich morgens ihre Kleidung zusammensucht, wie sie einfach zwei verschiedene Sochen anzieht, weil es gerne möchte, wie sie Muster und farben kombiniert. Ich liebe es, am Wochenende im Bett zu lauschen, wie sie in ihrem Zimmer spielt und singt, obwohl es ihr peinlich ist, sobald sie merkt, dass jemand zuhört. Ich liebe es, wie sie noch immer darauf besteht nur in Mamas Arm einzuschlafen, obwohl sie jetzt mit Fünf doch alles alleine kann – außer einschlafen natürlich. Ich liebe es sogar, wie sie schmollt.

Das schönste Ereignis in diesem Jahr mit ihr kann ich dieses Mal sogar benennen: Das Spiel im Urlaub! Wir begannen zu spielen und wir spielen noch! Auch Sohnemann macht mit, denn auch Sohnemann spielt liebend gerne. Es gibt nichts Schöneres, als mit meinen Kindern zu spielen und mit ihnen zu lachen. Und es gilt immer noch: Ich habe die süßesten, tollsten, liebsten, schönsten, herzlichsten, mutigsten Kinder in allen bekannten Universen!

 

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Intuition vs. Verstand – oder: warum meine Kinder und ich ein Team sind

Selbstaufgabe für seine Kinder. Das Thema hat im Dezember allem Anschein nach viel Aufruhr verursacht. Ich finde auch, es ist ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. Einerseits nutzt es keinem Kind etwas, Eltern zu haben, die völlig am Ende mit Nerven und Kräfte sind. Andererseits würde ich niemals mein Kind weinen lassen.
Frau Chamailion hat zu diesem Thema »Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung« zu einer Blogparade aufgerufen, zu der ich nun meinen Senf geben möchte.

Muttergespräche

Zuerst gestehe ich: Meine Kinder würde ich als einfach bezeichnen – zumindest für uns sind es einfache Kinder. Klar, es gab immer schwierige Phasen, wie das Zahnen, die Blähungen und und und. Aber wir haben uns zusammengerauft und einen passablen Weg gefunden. Dass dieser Weg bis zum Kleinkindalter natürlich kindbestimmt war, halte ich für selbstverständlich. Ich liebe meine Kinder und ich möchte, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Denn dann bin ich auch zufrieden und glücklich.
Die schwierigste Zeit war die Babyzeit. Sowohl Sohnemann als auch Töchterchen hatten große Probleme mit Blähungen und Zähnen. Da hat im Grunde nichts geholfen, aber sie brauchen die Nähe von meinem Mann oder mir. War unser Sohnemann als Baby eher unkompliziert, so stellte Töchterchen danach schon mehr Ansprüche. Für sie essentiell ist Körperkontakt – auch mit ihren jetzigen vier Jahren noch. Und auch, wenn sie manchmal nervt, wenn sie ständig meine Hand streichelt, wenn sie ihre Knuddelzeit braucht, dann braucht sie sie.

Im Zuge der bisherigen Beiträge, die ich schon gelesen habe, habe ich auch mal wieder ein Gespräch mit meiner Mutter über diese Thematik geführt; mit einem ernüchternden Resultat. Als meine Mutter klein war, war alles anders. Und die Geschichten, die ich mir über meine Großmutter anhören darf, sind stellenweise grauenhaft. Wenn sie etwas nicht zu haben schien, dann Mutterinstinkt. Ich habe in meinem Beitrag »Die gefährliche Welt – oder: Wenn Selbstständigkeit im Keim erstickt wird« schon einmal von einer Begebenheit geschrieben, die meine Mutter mir aus ihrer Kindheit geschildert hatte (mittlerweile weiß ich übrigens auch, dass meine Großeltern sehr wohl das verlorene Kind gesucht und auch die Polizei informiert haben. Es war also nicht ganz so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hatte). Analog dazu gibt es noch mehr Geschichten.
Und all das, weil meine Großmutter dem gängigen Erziehungskonzept folgte, ohne Kompromisse und vermutlich auch ohne einem Fünkchen Intuition. Damals war es halt so. Damals galt man als schlechte Mutter, wenn man seiner Intuition nachgab. Und wer wollte schon als schlechte Mutter dastehen? Meine Großmutter bestimmt nicht!

Von Intuition und Verstand

Ich gebe zu, ich habe mich niemals für einen sehr intuitiven Menschen gehalten. In meinem Berufsleben und für mich selbst lebe ich am besten mit Vernunft und gesundem Menschenverstand. Letzteren habe ich auch versucht, bei meinen Kindern anzuwenden – und bin mit der Nase darauf gestoßen, dass meine Intuition zumindest bei meinen Kindern doch sehr ausgeprägt ist.
Zum Beispiel wäre ich niemals auf die Idee gekommen meine Kinder schreien zu lassen – und mein Mann ist zum Glück derselben Meinung. Immer wieder hörte man natürlich die Ratschläge von anderer Eltern: »Lasst das Kind doch weinen, es muss lernen alleine zu schlafen«, hieß es bei Töchterchen. Oder: »Sie muss lernen zu essen, was man ihr vorsetzt!«
Aber all das haben wir nie gemacht. Weder mein Mann noch ich konnten es ertragen, unsere Kinder einfach weinen zu lassen, wenn es um echte Bedürfnisse ging. Klar, bei Trotzweinphasen, weil sie ihren Willen einfach nicht bekamen, war und ist es noch immer etwas anderes. Sie muss von meinem gekochten Abendessen etwas essen, sonst gibt es keinen Nachtisch. Aber ich zwinge Töchterchen zum Beispiel nicht, die ihr verhassten Karotten herunterzuwürgen. Was ihr nicht schmeckt, muss sie nicht essen und so lange ich weiß, dass sie Kartoffeln, Nudeln und im Zweifelsfalls einen ihrer geliebten Äpfel gerne isst, habe ich immer einen Ansatzpunkt.
Aber warum soll ich meine Tochter alleine und einsam in einem Zimmer liegen lassen, wenn sie nun mal nähebedürftig ist? Nein, das kam nicht in Frage; und es fühlte sich viel besser an, sie zufrieden bei uns im Familienbett zu haben, als mit schlechtem gewissen alleine in ihrem Bett. Zwar mussten wir das erst richtig hinbiegen, denn Töchterchen schlüpft am liebsten mit unter meine Decke und wenn ich nicht komplett eingemummelt bin, kann ich nicht schlafen. Aber es ging, wir fanden eine Lösung und haben damit sowohl Töchterchens als auch mein Schlafbedürfins gelöst.

Es sind nur zwei Beispiele von vielen und über unsere Schlafsituation habe ich auch schon einmal im Rahmen einer anderen Blogparade etwas geschrieben: Wie man sich bettet, so lügt man. Doch ist unser Grundrezept der Kompromiss. Solange man merkt, was den Kindern wirklich wichtig ist, lohnt es sich darauf einzugehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. So lernen auch die Kinder etwas Einfühlungsvermögen. Natürlich ist es nicht möglich, so lange die Kinder noch ganz klein sind. Doch da müssen alle Eltern durch, denn die Bedürfnisse der Kinder gehen vor. In dem Moment, in dem sie einfach von uns abhängig sind kommt nichts anderes in Frage, als es einfach zu tun und bis an seine Grenzen zu gehen, ohne sich selbst auszulaugen. Und da fängt das mit dem Kompromiss schon an: Wenn das Kind nur auf dem Schoß einschläft, dann lasse ich es auf dem Schoß einschlafen und lege es erst danach weg – in sein Bett, neben mich auf die Couch, wohin auch immer. Hauptsache das Kind ist zufrieden und man selbst kann das tun, was man noch tun muss oder will, um nicht am Ende aus dem letzten Loch zu pfeifen.
Jetzt, mit vier Jahren, ist Töchterchen soweit, sich ein Stück weit abzukapseln. Sie schläft zwar nicht alleine in ihrem Zimmer, aber dafür liebend gerne im Gästebett unseres Sohnemanns. Und das, ohne ständig jemanden zum Kuscheln direkt neben sich zu haben. Ich werde sie nicht dazu zwingen, doch ich bin sicher, der Zeitpunkt wird kommen, an dem sie von sich aus sagt, sie möchte in ihrem eigenen Bett in ihrem eigenen Zimmer schlafen.

Lesenswerte Beiträge zu der Blogparade:

Frau Chamailion bloggt: Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung {Blogparade}

Glucke und so: Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben?

wheelymum: Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern

Abenteuer Papa: Eltern vs. Kinder oder: Prioritäten setzen [Blogparade]

Das vierte Jahr

Es ist schon wieder ein Jahr um. Für dich ist nun das vierte Lebensjahr angebrochen. Und mit jedem Jahr entwickelst du dich deutlich weiter, entwickelst deine eigene Persönlichkeit und doch bleibt einiges beim Alten.

Innerhalb dieses Jahres bist du endlich trocken geworden. Du verstehst so viel mehr an Zusammenhägen und erzählst mir jeden Abend, was dich so bewegt. Manchmal bist du sogar nachdenklich. Dann sprichst du über Kinder, die dich in der KiTa geärgert haben, über Dinge, die du zusammen mit deinem Bruder im Fernsehen gesehen hast oder sogar den Verlust unseres alten Hundes vor mittlerweile fast einem Jahr. Doch meistens spielst du mit deinen Puppen Familie oder Abenteuer mit viel Zauber und Kampf, singst und tanzt fröhlich – und ich liebe es dir dabei zuzusehen!
Deine Lieblingsfarbe steht so fest, dass du am liebsten dein ganzes Zimmer nur in dunkellila hättest und du würdest immer nur Kleider und Röcke mit Leggins tragen, wären da nicht die kalten Morgende, an denen ich Einspruch dagegen erhebe. Aber egal was du anhast, mit deinen Freundinnen im Kindergarten bist du am liebsten auf dem Spielplatz und kletterst.

Doch trotz allem bist du immer noch sehr nähebedürftig. Du sitzt immer noch am liebsten auf meinen Schoß und schläfst am liebsten noch immer ganz nah an mich gekuschelt. Selbst mit unsrem neuen Hund und den beiden Katzen kuschelst du sehr gerne. Wenn dein Bruder dich ließe, würdest du wahrscheinlich auch mit ihm kuscheln, denn er ist noch immer dein Star.

Ich wünsche mir so sehr, dass du dich weiterhin so wunderbar entwickelst und dass auch dein Verhältnis zu deinem Bruder so wunderbar bleibt – denn es gibt nichts Wertvolleres und Wichtigeres in meinem Leben, als euch beide!

Vier Jahre rocken! - Mädchen mit e-Gitarre

Vier Jahre rocken!

Ein Kichern in der Nacht – oder: Windelentwöhnung

Seit Töchterchen im letzten Jahr in den Kindergarten gekommen ist, stand im Raum: wann lernt sie selbstständig auf die Toilette zu gehen? Zwar sind wir – anders als bei Sohnemann damals – nicht von Seiten des Kindergartens darauf angesprochen worden, doch man hat im Hinterkopf, dass es langsam so weit sein müsste.
Also versuchten wir gegen Töchterchens Dickkopf anzukommen, fragten sie öfter, ob sie auf Toilette gehen wolle, ob sie mal müsse und und und. Meistens schüttelte sie den Kopf und ob mit oder ohne Toiletensitz oder Töpfchen, es kam nie etwas. Doch all das war eher nebenbei und inkonsequent.

Versuch Nummer 1.

Der erste Versuch fand Anfang des Jahres statt, als Töchterchen von sich aus sagte, sie wolle keine Windel mehr tragen. Da beschlossen wir, das ganze nun konsequent anzugehen.
Also zog ich los und kaufte Unterhosen; was keine leichte Aufgabe war, da Töchterchen ein schmales Kind ist und es in ihrer Größe kaum Auswahl gab. Dennoch, ich fand welche, die passten. In schnödem Weiß. Nachdem es einmal daneben ging und Töchterchen in ihrer eigenen Pipi dastand, weigerte sie sich, Unterhosen zu tragen und bestand auf ihre Windel.
Auch die Unterhosen mit ihren Lieblingsmotiven, die ich danach noch mitbrachte, halfen bei dem Dickkopf nicht mehr. Zwar ließ sie sich ab und zu noch einmal dazu überreden, eine Unterhose anzuziehen, allerdings wollte sie immer nur eine bestimmte und keine andere – keine gute Ausgangssituation, wenn man diese dann doch öfter vollpinkelt.

Versuch Nummer 2.

Der zweite Versuch begann diesen Frühling. Wir hatten den Hintergedanken, dass es einfacher für sie sei, je weniger sie sonst noch anhaben musste. Außerdem versprachen wir ihr eine Belohnung, wenn sie endlich keine Windeln mehr brauchte. Das war immerhin ein guter Ansporn.

Die ersten paar Male gingen wieder schief, doch wir blieben hartnäckig. Beim Abendessen dann rutschte Töchterchen unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Die Frage, ob sie denn auf Toilette müsse, verneinte sie. Trotzdem griff ich sie mir, setzte sie auf die Toilette und erzählte ihr Hundegeschichten, um sie abzulenken. Und siehe da: Irgendwann hörten wir es Plätschern.
Töchterchens Freude war groß! Und es war genau der richtige Zeitpunkt, denn damit hatte es Klick gemacht. Plötzlich wusste sie, wann sie Pipi machen musste und es ging wirklich nur noch wenige Male schief.

Innerhalb von vielleicht einer Woche war es dann schon geschafft. Töchterchen hatte es sehr schnell raus, wann sie auf Toilette musste. Ob Groß oder Klein, alles landete dort, wo es hingehörte.
Windeln brauchte Töchterchen sehr bald nur noch nachts und somit hatte sie sich ihre Belohnung verdient:

Das Fahrrad mit Lila mit Stützrädern und Korb

Das Fahrrad mit Lila mit Stützrädern und Korb

Und ja, sie liebt ihr Fahrrad! 😉

Das Kichern in der Nacht

Es kam der Tag, an dem ich vergaß Töchterchen abends eine Windel anzuziehen. Erst als ich Töchterchen morgens für den Kindergarten anzog bemerkten wir beide, dass sie noch immer eine Unterhose trug. Zu meiner Freude war mein Bett trocken geblieben.
Fortan bestand Töchterchen darauf, auch ohne Windel zu schlafen. Ein wenig Magengrummeln hatte ich schon noch. In ihrer Windel war morgens oft nichts drin gewesen, doch es hatte immer diese wenigen Nächte gegeben, in denen sie eben doch im Schlaf gepinkelt hatte. Und es kam, wie es kommen musste.

Es begann mit einem Kichern. Ich wurde wach, weil Töchterchen neben mir im Bett lag und kicherte. Dann folgte ein: „Mama, ich muss Toilette.“ Leider war es da schon passiert; Töchterchen hatte ins Bett gemacht.
Ich hatte es ja quasi schon erwartet. Ich hatte erwartet, dass sie nachts weinend aufwachen würde, weil sie nass war. Ich hatte erwartet, dass ich sie beruhigen musste, dass wir ihr erklären müssten, dass es nicht schlimm war und manchmal einfach passierte, auch wenn man schon auf Toilette gehen konnte. Ich hatte ziemlich viel erwartet, nur nicht, dass sie kichern und es völlig ruhig hinnehmen würde. Ich wischte sie ab und zog sie um, während mein Mann das Bett soweit sauber machte, die Matratze umdrehte und die Bettwäsche wechselte. Dann legte sich Töchterchen seelenruhig wieder hin und schlief weiter.

Das Problem, das keines war

Ein paar Mal passierte es noch, dass Töchterchen ins Bett machte. Dann stellte sich heraus, dass es im Grunde sehr einfach zu lösen war: sie musste einfach vor dem Zubettgehen noch einmal Pipi machen.
Auch da stellte ich mich darauf ein, dass es schwierig werden würde, ihr beizbringen, dann zu pinkeln, wenn sie es wollte und nicht nur, wenn musste. Den Trick hat Sohnemann noch immer nicht drauf (aber der hat niemals ins Bett gemacht, er ging immer brav auf die Toilette, auch mitten in der Nacht). Doch schon bei der ersten Aufforderung ging Töchterchen nach dem Zähneputzen Pipimachen, einfach so. Sie wollte keine Windel mehr tragen. Und sie konnte sich ganz offensichtlich dann erleichtern, wenn sie es wollte. Und schon war das Problem vom Tisch.

Natürlich passiert es noch ab und zu, dass sie im Schlaf Pipi machte. Wenn sie abends viel trinkt, nutzt es auch nichts, vor dem Schlafengehen noch einmal auf Toilette zu gehen. Doch nachdem es nun noch ein paar Mal daneben ging, wacht sie nun auf wenn sie muss – und erfüllt jetzt meine Erwartungen. Sie weint, scheint aber nicht richtig wach zu werden. Fragen nutzt in dem Fall nichts. Aber setzten wir sie dann auf Toilette, macht sie etwas und schläft hinterher im Bett seelenruhig weiter.

Jetzt warte ich nun also nur noch auf die nächste Überraschung: dass Töchterchen nachts einfach aufsteht, Pipimacht und wir dann von einem „Kannst du mir helfen?“ aus dem Bad geweckt werden, anstatt von einem weinenden Kind 😉

Blogparade: Wie man sich bettet, so lügt man

Da ich just vor ein paar Wochen die Idee hatte, etwas über das hin und her beim Schlafen zu schreiben, nehme ich nun die Blogparade: Wie man sich bettet, so lügt man. Eure Geschichten zur guten Nacht. von Teilzeitmutter als Anlass, mich dazu auch endlich zu äußern.
In ihren Blogbeitrag spricht sie davon, dass viel zum Thema Schlaf unter Müttern gelogen oder beschönigt wird. Stimmt das denn? Vielleicht kenne ich für solche Dinge, die falschen Mütter. Meine eigenen Erfahrungen würde ich nie beschönigen, was sicherlich auch ein Grund ist, weswegen ich einfach erwarte, dass andere Mütter das auch nicht tun. Eine Mutter ist auch nur ein Mensch und auch, wenn die Kinder schnell durchschlafen, das Thema Schlafen gehen, Rituale und alles weitere, was damit zusammenhängt kommt bei jedem Kind irgendwann wieder auf, sei es bei einer üblen Krankheit, die das Kind durchstehen muss oder dem Monster, das unter dem Bett lauert. Manchmal muss man einfach kreativ sein und zum Beispiel kurzerhand einen Hund in das Kinderzimmer einquartieren, weil dann sicherlich kein Monster im Zimmer sein kann. Das Thema schlafen geht bei uns zumindest niemals zu Ende. Beide Kinder haben ihre Phasen. Manchmal hilft dagegenhalten, manchmal einfach ein paar Nächte zu viert im Familienbett aushalten. Ja, wir haben ein Familienbett, seit Töchterchen auf der Welt ist.

Was das Schlafverhalten angeht haben wir zwei sehr unterschiedliche Kinder. Während Sohnemann (vermutlich bedingt durch seinen einmonatigen Aufenthalt auf der Frühchenstation) immer nur in seinem Bett geschlafen hat und auch nie eine Hand brauchte damit er einschlafen konnte, war Töchterchen von Anfang an der anhängliche Typ. Wo wir bei Sohnemann froh waren, dass er mit etwa drei oder vier Jahren dann auch endlich mal zu uns ins Bett kam und bei uns schlafen wollte, ist Töchterchen eher nicht aus unserem Bett zu vertreiben.

Töchterchen schlief von Anfang an am liebsten an meiner Brust ein, ließ sich die ersten Wochen (oder Monate?) nicht ablegen, wenn sie schlief und war auch nicht in ihr Kinderbett zu verbannen, obgleich es bei uns im Schlafzimmer stand. Das Resultat war: sie schlief bei uns im Bett. Immerhin schlief sie sehr schnell auch die Nächte durch, wenn sie nicht gerade massive Probleme mit Blähungen und Zähnen hatte.
Irgendwann schaffte ich es dann, sie, wenn ich ins Bett ging, in ihr eigenes Bett umzuquartieren. Anfangs mit Händchenhalten, später auch ohne. Das änderte aber nichts daran, dass sie dennoch jede Nacht aus ihrem Bett zu uns kletterte und sich unter meine Decke kuschelte. Auch da war und ist sie eigenen. Ihr Daddy ist dabei nur selten gefragt, lange Zeit wollte sie immer nur zu mir. Es war also sogar schon ein Fortschritt, wenn sie nicht unter meine Decke rutschte.
Letzten Sommer bekam Töchterchen dann ihr eigenes Kinderzimmer, mit ihrem Gitterbett und sogar noch einem Hochbett ausgestattet. Wir erwarteten zwar nicht, dass sie in diesem schon schlafen würde, aber was stand, das stand. Geschlafen hat sie die erste Hälfte der Nacht nach wie vor in ihrem Gitterbett, die andere Hälfte kam sie wieder bevorzugt unter meine Decke gehuscht.
Dann kam ein Umbruch. Mein Mann war letzten Herbst länger krank, irgendetwas grippiges. Fast zeitgleich hatte Sohnemann Anwandlungen nicht alleine in seinem Zimmer schlafen zu wollen. Damit die Kinder sich nicht ansteckten, verbannte ich sie beide in Töchterchens Zimmer. Ich las im Hochbett wie gewöhnlich beiden etwas vor und da Töchterchen nicht in ihr Gitterbett wechseln wollte, sondern mit ihren Bruder im Hochbett bleiben, blieb auch ich so lange dort liegen, wie möglich. Leider ist das Bett nicht groß genug, damit ein Kindergartenkind und ein Schulkind bequem mit der Mutter darin liegen können. Irgendwann tat mir alles weh und Töchterchen schliefen noch nicht. Dazu kam, Sohnemann liest nach dem Vorlesen selbst gerne noch weiter. Töchterchen konnte also nicht schlafen, blieb wach, bis Sohnemann genug gelesen hatte und dann … hielten sie sich gegenseitig weiterhin wach. Ein paar Tage hatten wir also völlig übermüdete Kinder, dann flatterte die nächste Krankheit ins Haus – oder besser: in Töchterchens Ohr. Also wanderte Töchterchen wieder ins Familienbett und blieb dort.

Unsere derzeitige Situation sieht wie folgt aus: Töchterchen schläft mit ihren Drei Jahren (wieder) bei uns im Bett. Dafür hat Sohnemann ihr Hochbett besetzt, weil seines nach eigener Aussage zu wackelig ist – und ja, das ist es leider wirklich.
Eine Sache aber hat sich geändert: ich brauche nicht mehr warten, bis Töchterchen eingeschlafen ist. Ich darf gehen, denn unsere Kleine hat die Gewissheit, dass ich mich später dazu kuschle. Zwar darf ich sie dann nicht in eines ihrer Betten bringen, aber das macht nichts. Der Zeitpunkt wird kommen, in dem sie es selbst möchte.

Was ich im übrigens zum Thema Schlaf niemals zurate gezogen habe, war irgendwelche Ratgeberliteratur. Ich erinnere mich an ein einzige Mals, wo ich mich nach Ideen erkundigt habe, wie ich ein Schlafproblem lösen könnte, doch letztlich habe ich immer meine Intuition entscheiden lassen. Jedes Kind ist anders. Allein meine beiden unterscheiden sich schon unglaublich. Meine Kuschelmaus ist nun einmal sehr Nähebedürftig, wie könnte ich sie dann einfach so dazu zwingen alleine in ihrem Bett zu schlafen? Zudem ist sie mittlerweile in einem Alter, in dem sie verständig ist. Verständig genug, dass sie weiß, auch wenn sie alleine einschläft, später kommt Mama dazu. Mit dieser Sicherheit lässt es sich wohl am besten Schlafen.

Das dritte Jahr.

Jedes Mal, wenn eines meiner Kinder ein Jahr älter wird, frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist. Nun bist du schon drei Jahre alt, ein Kindergartenkind.

Noch vor einem Jahr wolltest du dich auf deinem neuen Dreirad nur schieben lassen, noch vor einem Jahr mussten wir noch überlegen, was genau du sagen willst, wenn du mit uns gesprochen hast, noch vor einem Jahr hast du nirgendwo anders geschlafen, als bei uns im Bett.
Jetzt fährst du schon ganz alleine, sprichst verständlich in ganzen Sätzen und lässt dich immerhin bereitwillig in dein eigenes Bett bringen, sobald du schläfst.
Von Anfang an bist du gerne in deine Kindergruppe gegangen und auch der Wechsel in den richtigen Kindergarten war kein Problem. Du hast ein paar Tage gebraucht, um wirklich zu begreifen, dass du nun dein eigenes Zimmer hast, doch jetzt bist du darüber sehr glücklich. Du bist selbstständig, wie eh und je, und doch bist du etwas vorsichtiger im Umgang mit anderen Menschen geworden. Auch deine Art zu Spielen hat sich verändert. Ich schaue dir zu und kann ein Grinsen dabei nicht lassen, denn nun verstehe ich, was du spielst. Du begreifst viel mehr und hast nun sogar schon deine eigenen Vorlesewünsche. Du hast so oft deinen eigenen Kopf, ein Kind wie dich gibt es kein zweites Mal.

Doch manche Dinge ändern sich auch innerhalb eines Jahres nicht. Noch immer bist du sehr schmusebedürftig, noch immer kommst du mitten in der Nacht zurück zu uns ins Bett und kuschelst dich unter meine Decke; nicht zu deinem Daddy, nur zu mir. Und ich würde es nicht anders haben wollen.
Du und dein Bruder, ihr seid das Wichtigste auf der Welt, das Schönste und das Beste, das mir jemals passieren konnte.

Kleines Mädchen mit großem Teddy-Bär

Kleines Mädchen mit großem Bär

Musik: „Mama singe? Oke!“

Ich singe gerne für meine Kinder. Ob gut oder schlecht, kann ich kaum beurteilen, aber Töchterchen möchte viel mehr Gesang von mir hören, als Söhnchen mit zwei Jahren.
Mittlerweile musste ich allerdings feststellen: Ich muss für Töchterchen mehr Lieder mit deutschen Texten lernen. Ich merke den Unterschied, wenn ich ihr abends im Bett vorsinge; sie nimmt viel mehr Anteil, wenn ich etwas singe, dass sie versteht.
Manchmal denke ich mir – wie beim Zahnputzlied, das ich mittlerweile auch hin und wieder für Töchterchen singen kann – einfach einen Text zu einer gängigen, schönen Melodie aus. Das freut sie ganz besonders.

Die drei liebsten Lieder, habe ich hier zusammengestellt 🙂

Ein Lied zum Amüsieren: Old McDonald hat ne Farm

Ein Lied zum Mitsingen: My Litte Pony Theme Song

Ein Lied zum Schlafen: Lullaby – Loreena McKennitt