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Von der Kunst, Zeit zu erschaffen, oder: Beitrag zur #Blogparade – Wie kann man allen Kindern gerecht werden?

Sobald man zwei oder mehr Kinder hat, kommt als Elternetil die unweigerliche Frage auf: Wie mache ich es jedem Kind recht? Wie verteile ich meine Aufmerksamkeit gerecht? Und wie meine Zeit?
Da genau das in meinem leider doch sehr arbeitsreichem Alltag immer mehr zu einem Problem wird, je älter meine Kinder werden, kam mir die Blogparade von Mamakind „Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?“ gerade recht. Denn es ist genau das Problem, mit dem ich zunehmend zu kämpfen habe.

 

Am Anfang war der Mama-Söhnchen-Tag

Lange lange ist es her, dass ich über meinen Mama-Söhnchen-Tag berichte. Im Februar 2013 war Töchterchen gerade 1 1/2 Jahre alt und hat sich noch nicht dafür interessiert, was ich tat, wenn ich nicht zuhause war. Der Mann war ja da und konnte auf sie aufpassen und meine Zeit mit Töchterchen alleine hatte ich, wenn ich mit ihr ihrer Lieblingsbeschäftigung nachging: raus gehen und die Umgebung erkunden. Für Sohnemann erfand ich den Mama-Söhnchen-Tag.
Doch Töchterchen wurde älter und irgendwann verlangte auch sie, mitkommen zu dürfen. Einige Zeit fuhren wir gut damit, dass Sohnemann entschied, ob seine Schester mitkommen durfte oder nicht. Dann führte ich auch exklusive Nachmittage für Töchterchen ein, in denen sie auch das Recht besaß zu entscheiden, ob wir ihren Bruder mitnehmen. Denn entscheidend war: Ich blieb an den Kindertagen nicht mit ihnen zuhause sondern wir unternahmen irgendetwas. Ob es nun ein Ausflug auf den Spielplatz war, in die Stadt oder ins Museum. Das durften die Kinder entscheiden.

Der Alltag brachte es aber mit sich, dass Stress meine Zeit – und vor allem meine Kraft – immer mehr auffraß. Stress hat nunmal keinen guten Einfluss und nimmt sich heraus, Prioritäten zu verschieben.
Irgendwann gab es die Kindertage nur noch am Wochenende im wöchentlichen wechsel, dann schaffte ich es nur noch einmal im Monat. Und jetzt? Jetzt schaffe ich es nur noch, wenn ich Urlaub habe.

 

Wenn Kinder gleichzeitig erzählen wollen

Jedes Kind ist anders. Und jedes Kind hat andere Interessen. Besonders auffällig werden diese verschiedenen Interessen am Esstisch. Wenn wir abends zusammensitzen und essen, erzählen beide Kinder – meistens gleichzeitig. Und beiden Kindern möchte ich natürlich zuhören. Leider ist die Aufmerksamkeit ein stures Ding und möchte sich nicht aufteilen lassen. Und ich will es auch nicht. Ich möchte ganz bei der Sache sein, bei einem Thema. Beide Kinder haben ihren Kopf oft hoch oben in den Wolken und denken sich Dinge aus. Doch diese Dinge sind bis auf wenige Ausnahmen mittlerweile so verschieden, dass ich kaum gleichzeitig mit ihnen über ein Thema reden kann. Und wenn sie nicht von ihren erfundenen Geschichten oder von gemeinsamen Interessen erzählen, erzählt Sohnemann von Schulproblemen und Töchterchen von ihren Freundinnen im Kindergarten – zwei völlig verschiedene Welten.
Meine Aufmerksamkeit teilen ist dabei schwierig. Ich kann nur versuchen zu ergründen, welches Kind gerade am meisten Aufmerksamkeit braucht und dem anderen später zuhören.

 

Geteilte Interessen

Auch wenn ich es schaffe, mit beiden Kindern die Interessen zu teilen und von mir auch behaupte zu wissen, womit sie sich gerade am meisten beschäftigen, so wandeln sich die Interessen der Kinder doch mit dem Älterwerden deutlich.
Auch bei den Ausflügen kommen wir nicht mehr allzu oft auf einen Nenner. Spielplatzausflüge sind Sohnemann meistens zu langeweilig. Er legt seinen Fokus lieber auf seine Freunde und schließt sich nur dann an, wenn ihm wirklich langweilig ist. Spielplatznachmmittage sind also nun mehr Töchterchen vorbehalten und ihre Mama-Zeit.
Sohnemann hingegen steht an der Schwelle zur Pubertät und interessiert sich zwar (noch) nicht für Mädchen, doch für Filme, Serien und Computerspiele. So kann ich mit Sohnemann mittlerweile Filme sehen, für die Töchterchen einfach noch zu jung ist. Seine Zeit wandelte sich also in einen Fernsehabend in der Woche. Und ja, es gibt Filme und Serien, bei denen warte ich schon lange darauf, sie mit Sohnemann sehen zu können!

 

Wohltat Spaziergang

Die beste Möglichkeit, Zeit für meine Kinder zu haben, ist aber derzeit der Hundespaziergang. Auf dem Spaziergang habe ich Zeit und oft auch einen Kopf, um Sohnemann zuzuhören oder mit Töchterchen Lilly Lichtmaus zu spielen. Manches Mal zanken sie sich darum, wer mit spazieren gehen darf. Manches Mal will niemand und ich muss anordnen ob mich jemand begleitet. Letzteres trifft meistens auf Sohnemann zu. Doch auch wenn er erst keine Lust hat, nehme ich ihn mit, redet er wie ein Wasserfall über all das, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und es ist gut, dass er das tut. Es ist gut, dass ich ihm damit die Möglichkeit bieten kann, ihm zuzuhören und zu erfahren, womit er sich gerade beschäftigt.

 

Das Wichtigste beim „Gerecht werden“

Es tut mir so unendlich Leid, dass ich derzeit für regelmäßige Ausflüge nicht die Zeit und vor allem nicht die Kraft aufbringen kann. Doch es ist Änderung ins Sicht. Ich bin dabei aus meinem Stressloch herauszukriechen und ich hoffe, dass auch meine Kinder das spüren. Dennoch liegt es noch nicht hinter mir.
Aber meine Kinder reden mit mir. Es ist gut, dass beide wissen, sie können mit mir reden; über alles. Das hilft mir, sie zu verstehen. Und es hilft ihnen zu begreifen, dass ich immer für sie da bin, egal um was es geht und auch in diesen Stresszeiten.

Das fünfte Jahr

Meine Tochter. Mittlerweile habe ich schon so viele Worte über sie verloren, dass ich fürchte, mich zu wiederholen. Denn auch das fünfte Jahr mit ihr war unendlich schön! Die Freude über ihr Regenbogenkleid, die Freude am Spielen und natürlich auch die Diskussionen und ihre Uneinsichtigkeit, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Sie ist ein kleiner Wirbelwind und sie ist so unendlich eigensinnig! Ich lasse ihr ihren Raum, wo immer ich kann. Besonders in Sachen Kleidung hat sie ihre Eigenheiten. Kaum wurde es wärmer, wurden die Hosen weggepackt und nur noch Leggins zu ihren Kleidern getragen. Kaum stiegen die Temperaturen weiter, wollte sie nur noch kurzärmlige Kleider tragen und keine Leggins mehr. Nur eines änderte sich das ganze Jahr nicht: Kleider. Neue Kleider, Lieblingskleider, aber keine, die nicht bequem sind. Da wurden schöne Kleider so lange aussortiert, weil sie Knöpfe hatten oder weil der Gummizug im Brustbereich zu eng saß, bis sie sie doch wieder ausprobierte.
Und ich liebe es, wie sie sich morgens ihre Kleidung zusammensucht, wie sie einfach zwei verschiedene Sochen anzieht, weil es gerne möchte, wie sie Muster und farben kombiniert. Ich liebe es, am Wochenende im Bett zu lauschen, wie sie in ihrem Zimmer spielt und singt, obwohl es ihr peinlich ist, sobald sie merkt, dass jemand zuhört. Ich liebe es, wie sie noch immer darauf besteht nur in Mamas Arm einzuschlafen, obwohl sie jetzt mit Fünf doch alles alleine kann – außer einschlafen natürlich. Ich liebe es sogar, wie sie schmollt.

Das schönste Ereignis in diesem Jahr mit ihr kann ich dieses Mal sogar benennen: Das Spiel im Urlaub! Wir begannen zu spielen und wir spielen noch! Auch Sohnemann macht mit, denn auch Sohnemann spielt liebend gerne. Es gibt nichts Schöneres, als mit meinen Kindern zu spielen und mit ihnen zu lachen. Und es gilt immer noch: Ich habe die süßesten, tollsten, liebsten, schönsten, herzlichsten, mutigsten Kinder in allen bekannten Universen!

 

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Die gefährliche Welt – oder: Wenn Selbstständigkeit im Keim erstickt wird

Im Leben aller Eltern gibt es Ereignisse, die sie ins Grübeln bringen; über die eigene Situation, die eigenen Kinder, die eigenen Erziehungsmethoden und so weiter. Im letzten Sommer passierte etwas, dass mich seit dem nicht mehr ganz losgelassen hat und mich seither doch immer mal wieder über die Selbstständigkeit meine Kinder nachdenken lässt.

Der freundliche Nachbar

Es war einer meiner Migränetage in den Sommerferien, die ich letztes Jahr leider viel zu oft hatte. Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit waren zwar vorbei, doch es war „der Tag danach“, an dem ich mich die durchgekaut und ausgespien fühle. Entsprechend hatte ich keine Kraft mit den Kindern rauszugehen. Genauso wenig, wie mit dem Hund. Die Kinder konnte ich immerhin in den Garten schicken, unser alter Hund jedoch wollte wenigstens einmal am Tag ein bisschen spazieren gehen.
Also bat ich meinen Sohnemann, mit dem Tier wenigstens eine Runde zu drehen. Töchterchen, zu dem Zeitpunkt zweieinhalb, wollte ebenfalls mitgehen. In völligem Selbstbewusstsein, sagte Sohnemann, sie könne mitkommen und er würde das schon schaffen – ich muss dazu sagen: wenn Sohnemann sich etwas zutraut, ohne, dass ich ihn dazu drängen muss, kann ich davon ausgehen, dass er es auch wirklich kann. Andernfalls würde er es mir sagen.

Nun waren Kinder und Hund vielleicht 20 Minuten weg und hüpften schon wieder im Garten herum, als es klingelte. Am Tor stand ein „freundlicher“ Nachbar, der es darauf angelegt hatte, mir die Leviten zu lesen. Ich könne doch meinen Achtjährigen nicht einfach mit Hund und einem Kleinkind hinausschicken! Das sei eine Verletzung meiner Aufsichtspflicht! Sohnemann sei noch gar nicht in der Lage, auf seine Schwester aufzupassen und den Hund dürfe er sicherlich auch noch nicht führen. Sähe er das noch einmal, würde er das Jugendamt informieren.

Davon war ich nun etwas überrumpelt und den Rest des Tages sehr aufgewühlt. Besagter Nachbar war zwar nicht unfreundlich gewesen, aber deutlich und wenn mir etwas Angst macht, dann ein System, das mir meine Kinder wegnehmen könnte.

Es war das letzte Mal, dass ich Sohnemann seine Schwester auf einen Spaziergang mitnehmen ließ.

Anekdote meiner Mutter

Als ich diese Geschichte meiner Mutter erzählte, erzählte sie mir auch eine.

Sie erinnert sich an eine Begebenheit, als sie vielleicht sieben Jahre alt war. Sie musste schon in dem Alter auf ihre beiden dreijährigen Geschwister aufpassen und sie seien den ganzen Tag draußen gewesen. Während sie mit den Gleichaltrigen spielte, habe sie zwar oft daran gedacht, dass sie auch auf ihre Geschwister achten müsse, habe den Gedanken aber nicht immer in die Tat umgesetzt. Irgendwann war ihr Bruder dann verschwunden.
Als sie fix und fertig mit ihrer Schwester nachhause kam, bekam sie natürlich Schelte. Aber kein Erwachsener sei mitgegangen, um ihren Bruder zu suchen. Im Gegenteil, sie musste es selbst machen und zusätzlich ihre Schwester ebenfalls mitnehmen. Die dürfte auch nicht zuhause bleiben.
Zum Glück fand meine Mutter ihren Bruder wieder. Sie vermutet, er sei einfach einer Gruppe älterer Kinder hinterhergelaufen und habe nicht mithalten können. Als sie ihn fand, lag er schlafend in einem Graben.

Gefährliche Welt oder Wandel der Elternschaft?

Wenn man sich die Geschichten anschaut, stehen dahinter zwei völlig verschiedene Mentalitäten. Die Kinder waren von Anfang an dazu angehalten, selbstständig zu sein, ob sie es wollten oder nicht. 50 Jahre sind seit dem vergangen und die Gesellschaft hat sich gewandelt. Während früher die Kinder einfach nur nach draußen geschickt wurden und sich selbst beschäftigen mussten, werden viele heute stattdessen in irgendwelche Förderkurse gesteckt, die sie nicht brauchen oder wollen, oder dürfen in der dritten Klasse immer noch nicht alleine zur Schule gehen. Für Beides kenne ich leider Beispiele.
Sicherlich, man ist als Elternteil verpflichtet, auf seine Kinder zu achten und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Ich weiß auch, dass die Auslegungen für so etwas sehr weit gedehnt werden kann. Da gibt es die sogenannten Helikoptereltern, die ihre Kinder immer im Auge haben müssen und jeden Keim an Selbstständigkeit zu ersticken scheinen und es gibt jene, die das noch viel lascher sehen, als ich – oder es einfach nicht anders können, weil 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche vier kleine Jungen um sie herumspringen und beschäftigt werden wollen.

Immer wieder scheinen Kinder fasziniert davon zu sein, dass ich auf sie reagiere, wenn sie mich ansprechen. So erfahre ich manches Mal auch ihre Sicht der Dinge und habe bereits Geschichten gehört, bei denen ich dachte „das arme Kind“. Aber wer bin ich, über Eltern zu urteilen, die ich nichteinmal kenne? Sicherlich würden einige genauso denken, wenn sie wüssten, dass ich Sohnemann mit fünf Jahren bereits alleine auf den Spielplatz habe gehen lassen. Aber ich kenne meine Kinder, ich weiß, was ich ihnen zutrauen kann und was nicht. Und ich denke – oder hoffe vielleicht mehr – dass andere Eltern das genauso gut einschätzen können wie ich. Die Welt ist nicht gefährlicher geworden, sie ist voller geworden. Es gibt mehr Autos, mehr Dreck, mehr Lärm, mehr Menschen in den Städten und dadurch leider auch mehr Verrückte an einem Fleck. Aber hier in Deutschland, in einer mittelgroßen Stadt, ist das Leben nun einmal so. Und damit müssen meine Kinder umgehen lernen, denn hier leben wir. Dafür haben wir Regeln; allgemeine, wie die Verkehrsregeln und eigene, die meinen Kindern sagen, was sie machen sollen, wenn sie zum Beispiel von Fremden angesprochen werden.
Sohnemann ist sensibel genug, dass er weiß, diese Regeln sind nur zu seiner eigenen Sicherheit gedacht. Er weiß, wenn er mich fragt, gibt es nicht kategorisch ein Nein. Wenn es eines gibt, dann immer mit Begründung. Andersherum darf er mir aber auch sagen, warum er etwas machen möchte und mich umstimmen. Ich vertraue ihm schließlich.

Töchterchen ist übrigens auch gerade in einer Phase, in der sie Selbstständigkeit zeigt. Leider geht das oft mit einem Dickkopf, Tränen oder Schmollen einher, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Doch habe ich die Zeit, darf sie die Schuhe alleine anziehen – auch falschherum. Sie darf beim kochen helfen und den Hund an die Leine nehmen.
Auch da muss man sich als Eltern jedoch sensibilisieren. Manchmal ist es schon ein Drama, wenn ich den Klettverschluss öffne und den Schuh wegstelle, anstatt sie das selbst machen zu lassen. Denn, wenn sie hilfe braucht, sagt sie es.

Fazit

Wenn ich darüber nachdenke, stoße ich doch immer wieder auf Situationen, in denen Sohnemann von anderen Menschen, Behörden und so weiter in die Schranken gewiesen wird, obgleich wir beide wissen: er kann es. Der neueste Fall ist, dass er nicht alleine mit dem Rad zur Schule fahren darf, da er noch keine Prüfung abgelegt hat. Sicherlich hätten auch diverse Leute aufgeschrienen, wenn sie gewusst hätten, dass Sohnemann schon mit fünf alleine auf die Spielplätze in der Umgebung gehen dufte. Er hatte es sich zugetraut, also durfte er, denn ich war dank meiner zweiten Schwangerschaft oft nicht dazu in der Lage ihn zu begleiten. Und wir haben dafür Regeln aufgestellt, die er befolgen sollte und soweit mir bekannt ist, auch befolg hat.

Vermutlich wird es uns auch noch öfter treffen, dass meine Kinder nicht tun dürfen, was sie können – auch wenn ich bei Töchterchen anders Maß nehmen muss. Sie ist sich nicht immer so sicher, wie Sohnemann. Letzterer versteht es aber immerhin. Er findet es nicht gut, aber er versteht es. Ich hoffe inständig, dass Töchterchen es ebenso einsehen wird, wenn ich ihr Dinge verbieten muss, die sie eigentlich kann.

Besonders eines halte ich in der Erziehung nun einmal für sehr wichtig: Man muss seinen Kindern auch Vertrauen schenken und sie Dinge tun lassen, die sie machen wollen, auch wenn man selbst Zweifel hat, ob das klappt. Denn das fördert die Selbstständigkeit und diese ist im späteren Leben sehr hilfreich.

Links

Eltern.de: Der lange Weg zur Selbstständigkeit

kizz – Das Elternmagazin für die Kitazeit: Ich kann das schon alleine – Selbstständigkeit bei Kindern

kinder.de: Die Entwicklung des Kindes im 3. Lebensjahr – Entwicklung zur Selbständigkeit

Anekdote: Ganz großer Bruder

Neulich war ich mit einer Freundin in der Stadt verabredet. Weil es mit unserem Mama-Söhnchen-Tag in der letzten Zeit nicht so recht geklappt hatte, durfte Söhnchen mitkommen. Als es auf dem Spielplatz dann zu kalt und zu dunkel wurde, wanderten wir in einen bekannten Elektronik-Großmarkt, in dem es immer irgendwelche Konsolen und Videospiele zum Ausprobieren gibt. Perfekt, um Söhnchen für sein an dem Tag wirklich unproblematisches Verhalten zu belohnen und noch etwas in Ruhe zu plaudern.
Während ich mit meiner Freundin dort saß und Söhnchen irgendwo in einem Nebengang spielte, kam eine Durchsage: „Der Zweijährige XYZ würde seine Eltern suchen und warte beim Sicherheitsdienst auf seine Abholung.“ Etwas zehn Minuten später folgte diese Durchsage noch einmal. Mutter die ich bin fragte ich mich natürlich, was da los sei und unterhielt mich auch mit meiner Freundin darüber; Söhnchen war derweil schwer beschäftigt.

Als sich der Nachmittag dann auch dem Ende zuneigte und wir beschlossen noch irgendwo eine Kleinigkeit zu essen, kamen wir auf der Suche nach einem Café an einem kleinen Jungen vorbei, der seelenruhig an einem (kleinkindersicheren) Geländer stand und dem Treiben unter ihm zuschaute. Einige Meter entfernt waren noch mehr Mütter mit Kleinkindern und ich nahm an, der Junge gehöre dazu. Söhnchen aber blieb stehen, sah sich nach der Mutter des Jungen um und fragte: „Mama, ist das vielleicht der Junge, der vorhin seine Eltern gesucht hat?“
Die Mutter des Jungen hatte derweil auch bemerkt, dass wir stehen geblieben waren und kam herüber. Da war Söhnchen beruhigt – und ich unheimlich stolz auf meinen Jungen. Er ist eben wirklich ganz der große Bruder, auch wenn seine kleine Schwester gar nicht da ist!

Der Mama-Söhnchen-Tag – oder: Die schönste Zeit im Leben!

Mutter und Tochter

Mutter und Tochter @ A. Scheel / pixelio.de

Das wichtigste und schönste, das man seinen Kindern schenken kann, ist Zeit; so meine Einstellung. Den Kindern ist es meistens nicht so wichtig, was man mit der Zeit macht. Es können einfache Spiele sein, ein Gespräch, ein Ausflug. Egal was, Hauptsache, die Aufmerksamkeit gehört ganz den Kindern.

Schon als ich mit Töchterchen schwanger war, stand eines für mich fest: Ich musste darauf achten, auch weiterhin Zeit für meinen Sohn zu haben. Ein zweites Kind bedeutete natürlich weniger Zeit, weniger Aufmerksamkeit für den Großen. Aber die Lösung, wie auch Söhnchen zu seinem Recht kommt, ist denkbar einfach: Ein Mama-Söhnchen-Tag musste her.

Ein bisschen Planung

Kinder, Haustiere, Arbeit, Kochen, Wäsche, ein Teil des Haushaltes; meine Tage beginnen morgens um sechs und enden abends um zehn. Woher die Zeit also nehmen?
Mit ein bisschen Planung geht alles. Am Wochenende mache ich mir Gedanken über die anstehende Woche; Termine, Aufgabe, was eben alles so anfällt. Dazu gehört auch der Mama-Söhnchen-Tag.

Einmal in der Woche nehme ich mir heraus, sobald ich zuhause bin, nur Zeit mit unserem Großen zu verbringen, bis es ans Abendessen geht. Dafür habe ich extra meinen kürzesten Arbeitstag eingeplant. Je nachdem komme ich auch mal früher nach Hause – dank Gleitzeit kann ich es mir leisten.

Der Mama-Söhnchen-Tag fordert aber dennoch etwas Aufwand: Ich muss zuvor sondieren, ob es etwas Interessantes zu sehen oder zu machen gibt. Im Sommer gibt es zahlreiche Möglichkeiten, im Winter sind sie schon mal rarer gesät. Trotzdem, es gibt so viele Möglichkeiten: Vom Schwimmen gehen, über Spielplätze, Spielmobil oder Bibliotheksbesuche, bis hin zum Kino, Stadtbummel, Straßenfeste oder einfach gemeinsam etwas backen oder kochen oder spielen. Habe ich Urlaub, sind sogar Besuche im Museum oder im Zoo in der nächsten Großstadt drin.
Bis auf wenige Fixpunkte, die in regelmäßigen Abständen folgen, gehe ich die Möglichkeiten gehe ich mit Söhnchen durch. Letztlich entscheidet er, was wir tun.

Eine einzige Regel gibt es allerdings: Töchterchen darf nur mitkommen, wenn der Große es möchte. Und ja, es gibt Gelegenheiten, bei denen er sie gerne mitnehmen will. Sie sind eben Geschwister.

Söhnchen seinerseits freut sich immer auf seinen Nachmittag mit mir. Mama ganz für sich alleine ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso mehr genießt er es, alleine mit mir unterwegs zu sein – und ich genieße es ebenso, nicht noch einem Kleinkind hinterherrennen zu müssen.
Auch der Große kann anstrengend sein, aber dennoch macht es Spaß!

Fazit

Ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, mir regelmäßig die Zeit nehmen zu können und mich den wichtigsten Menschen in meinem Leben zu widmen. Es ist die schönste Zeit, und so lange Söhnchen will, werde ich ihm die Zeit geben; denn irgendwann wird er sie lieber mit seinen Freunden verbringen, als mit mir.

Schnappschuß: Geschwister

Geschwister

Geschwister

Ursprüngliche Idee:
Ein Foto von Töchterchen, wenn sie begeistert ihre Bücher anschaut.

Daraus geworden:
Da Söhnchen es nicht einsieht, nicht mehr der alleinige Fotostar zu sein, hat er sich prompt daneben gesetzt.

Netter Zufall:
Beide tragen die Pullies, die ich ihnen gestrickt habe 😉