Tag-Archiv | Kindererziehung

Mama-Kinder-Tage in Bildern

Leider sind meine „Kindertage“ in der letzten Zeit immer seltener geworden. Ich hatte vor einer Weile einmal über meine Mama-Söhnchen-Tage berichtet. Mittlerweile sind es zwei Kinder, die gerne einen Mamatag haben möchten; einen Tag eben, an dem Mama nur für das eine Kind da ist. Und wer bin ich, ihnen das zu verweigern? 😉 Meinen Urlaub habe ich also genutzt und für beide Kinder einen Tag eingeschoben.
Hier meine Impressionen:

 

Die falschen Kartoffeln – oder: Was Ernährungsgewohnheiten bewirken können

Ernährung halte ich für ein wichtiges Thema. Ich bin zum großen Teil vegetarisch aufgewachsen und war schon Flexitarierin, als der Vegetarismus noch lange kein Trend war und ich mich in Restaurants mit Beilagen begnügen musste. Damals nannte ich mich „Gelegenheitsfleischesserin.“
Den Schritt zur richtigen Vegetarierin tat ich, kurz bevor ich mit Töchterchen schwanger wurde. Obwohl ich mir vornahm, in der Schwangerschaft eventuellen gelüsten nach Fisch (ja, ich war eine Fischliebhaberin) nachzugeben, hatte ich dieses Bedürfnis nie. Seit dem Entschluss vor mittlerweile sechs Jahren bin ich nicht mehr abgewichen und musste mich natürlich auch den Fragen meiner Kinder stellen, weswegen ich kein Fleisch und keine echte Wurst esse. Denn der Mann isst Fleisch. Er isst leider sogar gerne Fleisch und wenn er kocht, dann ist immer Fleisch drin.

Mein vegetarisches Grundrezept

Dadurch, dass ich die Hauptköchin bei uns bin und auch frisches und saisonales Biogemüse bevorzuge, haben meine Kinder eine ähnliche Kindheitsernährung, wie auch ich sie genießen durfte. Auch, als ich noch Flexitarierin war, habe ich nie selbst mit Fleisch gekocht und mich nur ab und zu mal an einem Fischfilet versucht. So kam es natürlich, dass auch meine Kinder weitestgehend vegetarisch ernährt werden.
Als ich dann bei Töchterchen mit Beikost begann, hielt ich mich auch da an mein vegetarisches Grundkonzept. Ich kochte verschiedenes Gemüse und verarbeitete es zu Brei. Gekaufte Gläschen kamen mir nicht ins Haus, unter anderem weil es wenig Auswahl in Bioqualität und ohne Fleisch gab. Allein der Gedanke, dass mein eigenes Kind ein anderes Kind, ein Tierkind, essen sollte, ein Lamm oder Kalb, verursachte mir Übelkeit. Also ließ ich es. Während der Breizeit bekam sie also gar kein Fleisch und auch keine anderen Tierprodukte.

Aber auch Kinder werden größer und wollen andere Dinge ausprobieren und ich bin die Letzte, die versuchen würde in dieser Richtung etwas zu verbieten. Käse hatte Töchterchen schnell für sich entdeckt. Die Wurst, die der Mann für sich kaufte und das bisschen Fleisch an seinen Gerichten, aßen sie irgendwann auch. Allerdings sind sie beide mittlerweile so weit, dass sie lieber die vegetarische Wurst essen und auch nicht immer das Fleisch, dass der Mann ihnen vorsetzt. Und das ist gut. Sie setzen sich also durchaus mit der Ernährung auseinander.

Brotboxeninhalte

Immer mal wieder bekommen die Kinder Broschüren und Flyer aus dem Kindergarten oder der Schule mit, in denen es um ein gesundes Frühstück geht. Immer, wenn es so weit ist, schaue ich mir die Informationen an und befinde, dass das all das doch eigentlich selbstverständlich ist. In Brotboxen gehört Brot, am besten Vollkorn, und etwas Obst. Der Brotbelag variiert zwischen Frischkäse, Veggi-Wurst und Schokocreme – Letztere dürfen die Kinder einmal die Woche haben. Bei uns war also immer alles im Lot.
Ein Licht ging mir erst auf, als der Mann seinen Minijob begann und das erste mal eine Kleinkindergruppe betreute. Er ist nicht das leuchtende Beispiel für eine gesunde Ernährung, doch was er in den Brotboxen der Kinder sah, schockierte ihn – und im Grunde auch mich. Natürlich zielen diese Flyer nicht auf Mütter wie mich ab. Ich mache mit dem Frühstück meiner Kinder alles richtig -im Gegensatz zu vielen anderen. Der Mann redete sich in seiner Zeit dort den Mund fusselig, und versuchte den Eltern zu verdeutlichen, dass Milchschnitte und Joghurt kein ausgewogenes Frühstück war.
Auch das Resultat solcher Ernährung bekam er zu sehen: eine Dreijährige hatte so schlimmen Karies, dass sie ihre Milchzähne alle wurzelbehandelt und überkront bekam. Ihre MILCHZÄHNE! Aber laut der Eltern ließ sie sich eben nicht die Zähne putzen. Laut der Eltern aß sie auch nichts anderes, als das, was der Mann täglich in ihrer Brotbox sah. Töchterchen fand sich schnel damit ab, dass sie im Gegensatz zu anderen Kindern keinen Joghurt im Kindergarten frühstücken darf, denn Joghurt ist bei uns Nachtisch.
Diese Gewohnheiten tragen die Kinder ihr Leben lang mit, so lange sie nicht anfangen, sich darum Gedanken zu machen.

Bio vs. Billig

Eine dieser Gewohnheiten, die ich meinen Kindern offensichtlich vermittelt habe, stufe ich als positiv ein, denn: Es bedeutet Biogemüse und -obst schmecken anders. Ich rede es mir nicht ein, auch Andere bemerken es. Zum Beispiel meine Kinder.
Vor über einem Jahr war es so weit, dass Töchterchen länger im Kindergarten bleiben und dort auch zu Mittagessen musste. Ich gebe zu, Töchterchen ist nicht ganz einfach, was das Essen betrifft. Ließe man sie, würde sie sich wohl nur von Äpfeln und Schokolade ernähren. Was aber auch immer ging, waren Nudeln und Kartoffeln – bis sie mir schon in der ersten Woche des Mittagessens im Kindergarten erzählte, die hätten da die falschen Kartoffeln und diese würden ihr nicht schmecken.
Problemetisch wurde es, als Sohnemann im Sommer endlich auch in die Nachmittagsbetreuung der Schule gehen konnte. Zuerst freute ich mich, denn es bedeutete, ich musste mich nicht mehr jeden Abend hinstellen und etwas kochen. Ich begann am Wochenende Kleinigkeiten vorzukochen, mit denen ich mir unter der Woche schnell etwas Warmes am Abend zaubern konnte. Zuerst hängte sich der Mann wieder dran. Seine Aussage „Lass mein Abendessen meine Sorge sein“ löste sich in Luft auf. Danach dauerte es aber nicht lange, bis auch Sohnemann ankam und mich fragte, ob ich nicht abends wieder für alle kochen könnte, denn die Kartoffeln in der Nachmittagsbetreuung würden so wässrig schmecken.

Das moralische Debakel

Im Kindergarten und in der Schule bekommen die Kinder natürlich auch Fleisch vorgesetzt. Sohnemann weiß, weswegen ich Vegetarierin bin. Er weiß, dass ich es einfach nicht für richtig halte, Lebewesen so zu behandeln, wie es in der Massentierhaltung getan wird. Und er ist das, was ich noch vor einigen Jahren war: Flexitarier. Töchterchen hat es mit ihren gerade mal fünf Jahre bevorzugt, sich keine Gedanken darüber zu machen, ob das, was sie im Kindergarten bekommt richtiges Fleisch ist. Sie ist fest davon überzeugt, auch dort bekommen sie vegetarisches Schnitzel, wie ich es auch manchmal mache. Selbst nachfragen möchte sie aber nicht.
Zum Jahreswechsel geriet ich nun abermals ins Grübeln, wie bereits vor sechs Jahren. Ich fasse nie Vorsätze für das neue Jahr. Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn, denn wenn ich etwas ändern will, sollte ich dann anfangen, wenn ich erkannt habe, dass ich etwas ändern will, anstatt damit zu warten. Dennoch habe ich mich gefragt, ob es nicht möglich wäre, vielleicht Veganerin zu werden und auf jegliche tierische Produkte zu verzichten. Doch allein diese Überlegung eröffnete mir, dass es nicht ganz so einfach wird, wie der Schritt zur Vegetarierin. Aber ich kann nach und nach meine Ernährung prüfen und zunächst Kleinigkeiten ändern, sowohl für mich selbst als auch beim Kochen. Ich kann mehr veganes in meinen Alltag bringen. Und in einem bin ich mir sicher: Meine Kinder werden es bemerken.

Zirkus in der Schule – oder: Ein wunderbares Schulprojekt

Schon am Anfang des Schuljahres war das »Zirkusprojekt« in der Schule meines Sohnemanns angekündigt. Ich konnte mir nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Irgendwann wurde dann klar, dass es nicht nur ein Klassenprojekt, sondern ein ganzes Schulprojekt war, in dem die Kinder mit einem richtigen Zirkus zusammenarbeiten würden. Dennoch hatte ich keine großen Erwartungen – ich bin kein Zirkus-Fan. Die meisten kleinen Zirkusse, die ich bisher besucht hatte, waren vielleicht ganz witzig, aber nicht wirklich beeindruckend. Meistens fehlte mir das »gewisse Etwas«. Mit Tieren mag ich Zirkus ohnehin nicht. Ein großer Zirkus, mit wirklich guten Akrobaten, wird nicht mit einer Schule zusammenarbeiten, so dachte ich.
Da es aber ein Schulprojekt war und ich finde, bei so etwas steht der Spaß der Kinder im Vordergrund, freute ich mich zumindest für Sohnemann. Die Schule würde sich schon etwas dabei gedacht haben. Außerdem gab es eine Aufführung nach der Zirkuswoche. Und auch wenn ich kein begeisterter Zirkusgänger bin, so möchte ich natürlich trotzdem keine Aufführung meines Sohnemannes verpasst. Außerdem erzählte er begeistert von dem Trick, den er mit seiner besten Freundin als Zauberer aufführen würde, und auch von seinem Zauberlehrer.

Am Abend der Aufführung waren wir also da; Töchterchen, mein Mann, weitere Verwandte, die es einrichten konnten und ich natürlich. Und ich war wirklich überrascht.
Schon als wir die Turnhalle betraten, sah man den Aufwand, der betrieben worden war. Es war eine richtige Bühne aufgebaut, mit Sound und Musik und Lichtern. Und dann begann die Show.
Ich gebe zu, ich hatte anfangs keine großen Erwartungen. Aber was ich mir dann ansehen dürfte, war einfach wunderbar! Innerhalb einer Woche hatten es die Mitglieder des Zirkus wirklich geschafft all die Kinder einer ganzen Schule professionell auf ihren Auftritt vorzubereiten. Es mochten nun keine spektakulären Tricks dabei gewesen sein und keine akrobatischen Höchstleistungen. Aber die Kinder hatten sich in den wenigen Probetzeiten Dinge angeeignet, die auf der Bühne wirklich toll wirkten. Es gab jede Menge Zaubertricks und Akrobaten. Nichts misslang wirklich und jeder einzelne Auftritt war nicht nur gut durchdacht, sondern auch gut aufgeführt. Man sah den Kindern an, dass sie ihren Spaß daran hatten.
Am besten fand ich (neben meinem Sohnemann natürlich) erstaunlicherweise die Auftritte der Clowns. Es waren wirklich witzige, kleine Sketche, die sie aufführten. Und Sohnemann und ich sind uns über den besten Auftritt der Clowns sogar einig. Wir hatten einen tollen Abend und auch, wenn die Show für Töchterchen leider etwas zu lang war, so war es doch um längen besser als jedes Schulprojekt, dass ich zu meiner Zeit gemacht habe.

Das schöne ist, der Zirkus ist in ganz Deutschland unterwegs. Wenn also ein Zirkusprojekt mit dem Zirkus Pompitz bei euren Kindern ansteht, verpasst es nicht! Ich finde, es ist es wirklich wert. Und ich freue mich richtig darauf, wenn der Zirkus Pompitz in ein paar Jahren wieder kommt und Töchterchen mitmachen kann!

Über den Zirkus Pompitz

Der Zirkus Pompoitz entstand bereits 2003 und arbeitet seit dem mit diversen Einrichtungen zusammen. Dahinter steht auch ein pädagogisches Konzept, in dem die Kinder sich im Team gegenseitig bestärken sollen. Das »schwächste Kind« bestimmt das Tempo der Gruppe. Die Kinder lernen zusammenzuarbeiten und auf die anderen Mtgilder der Gruppe zu achten – und ich finde, das hat man bei der Aufführung gemerkt!
Den Webauftritt des Zirkus findet ihr hier: http://www.pompitz.de

Anekdote: Konflikte und Mutterstolz

Neulich erzählte mein Sohnemann, ein Junge in der Schule habe ihn geärgert und ihn ins Gesicht geschlagen. Es war nicht richtig fest, doch fest genug, dass ein Wackelzahn herausfiel. Ich fragte ihn, was er dann gemacht habe und er sagte, er habe sich bei einem Lehrer der Pausenaufsicht beschwert. Danach sei er dem Jungen gefolgt, um zu sehen, in welche Klasse er ging, und habe sich noch einmal bei der Klassenlehrerin beschwert. Von dieser habe der Junge nochmal richtig Ärger bekommen – und Sohnemann ein »Idiot« hinterhergeworfen.
Ich kann schwer beschreiben, was bei dieser Geschichte in mir vorging. Ich weiß, mein Sohnemann ist kein Rabauke und er würde nicht zurückschlagen. Doch als ich über diese Geschichte nachdachte, füllte sich meine Brust zunehmend mit Stolz. Mein Sohn hat dem Jungen gezeigt, dass er sich nicht herumschupsen lässt und er hat es ihm gezeigt, indem er den richtigen Weg gewählt hat. Er hat nicht etwa zurückgeschlagen, er war nicht außer sich oder in Tränen aufgelöst. Er war sicherlich wütend, doch er hat das getan, was bei Kindern, die unbedingt dazugehören wollen, verpönt ist: petzen. Und es ist gut so! Es ist gut, dass er sich nicht davon scheut, es Erwachsenen zu sagen! Es ist gut, dass er nicht den Kopf einzieht und sich herumschupsen lässt!
Ich bin mir nicht sicher, ob ich in der Schule damals so gehandelt habe, ob es mir eingefallen ist, den Lehrern bescheid zu geben, wenn ich geärgert wurde. Allerdings wurde ich als Mädchen nie geschlagen. Aber ich bin stolz darauf, dass mein Sohnemann von ganz alleine den meines Erachtens richtigen Weg gewählt hat um dem Jungen zu zeigen, dass er sich nicht herumschuppsen lässt!

Ein Kichern in der Nacht – oder: Windelentwöhnung

Seit Töchterchen im letzten Jahr in den Kindergarten gekommen ist, stand im Raum: wann lernt sie selbstständig auf die Toilette zu gehen? Zwar sind wir – anders als bei Sohnemann damals – nicht von Seiten des Kindergartens darauf angesprochen worden, doch man hat im Hinterkopf, dass es langsam so weit sein müsste.
Also versuchten wir gegen Töchterchens Dickkopf anzukommen, fragten sie öfter, ob sie auf Toilette gehen wolle, ob sie mal müsse und und und. Meistens schüttelte sie den Kopf und ob mit oder ohne Toiletensitz oder Töpfchen, es kam nie etwas. Doch all das war eher nebenbei und inkonsequent.

Versuch Nummer 1.

Der erste Versuch fand Anfang des Jahres statt, als Töchterchen von sich aus sagte, sie wolle keine Windel mehr tragen. Da beschlossen wir, das ganze nun konsequent anzugehen.
Also zog ich los und kaufte Unterhosen; was keine leichte Aufgabe war, da Töchterchen ein schmales Kind ist und es in ihrer Größe kaum Auswahl gab. Dennoch, ich fand welche, die passten. In schnödem Weiß. Nachdem es einmal daneben ging und Töchterchen in ihrer eigenen Pipi dastand, weigerte sie sich, Unterhosen zu tragen und bestand auf ihre Windel.
Auch die Unterhosen mit ihren Lieblingsmotiven, die ich danach noch mitbrachte, halfen bei dem Dickkopf nicht mehr. Zwar ließ sie sich ab und zu noch einmal dazu überreden, eine Unterhose anzuziehen, allerdings wollte sie immer nur eine bestimmte und keine andere – keine gute Ausgangssituation, wenn man diese dann doch öfter vollpinkelt.

Versuch Nummer 2.

Der zweite Versuch begann diesen Frühling. Wir hatten den Hintergedanken, dass es einfacher für sie sei, je weniger sie sonst noch anhaben musste. Außerdem versprachen wir ihr eine Belohnung, wenn sie endlich keine Windeln mehr brauchte. Das war immerhin ein guter Ansporn.

Die ersten paar Male gingen wieder schief, doch wir blieben hartnäckig. Beim Abendessen dann rutschte Töchterchen unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Die Frage, ob sie denn auf Toilette müsse, verneinte sie. Trotzdem griff ich sie mir, setzte sie auf die Toilette und erzählte ihr Hundegeschichten, um sie abzulenken. Und siehe da: Irgendwann hörten wir es Plätschern.
Töchterchens Freude war groß! Und es war genau der richtige Zeitpunkt, denn damit hatte es Klick gemacht. Plötzlich wusste sie, wann sie Pipi machen musste und es ging wirklich nur noch wenige Male schief.

Innerhalb von vielleicht einer Woche war es dann schon geschafft. Töchterchen hatte es sehr schnell raus, wann sie auf Toilette musste. Ob Groß oder Klein, alles landete dort, wo es hingehörte.
Windeln brauchte Töchterchen sehr bald nur noch nachts und somit hatte sie sich ihre Belohnung verdient:

Das Fahrrad mit Lila mit Stützrädern und Korb

Das Fahrrad mit Lila mit Stützrädern und Korb

Und ja, sie liebt ihr Fahrrad! 😉

Das Kichern in der Nacht

Es kam der Tag, an dem ich vergaß Töchterchen abends eine Windel anzuziehen. Erst als ich Töchterchen morgens für den Kindergarten anzog bemerkten wir beide, dass sie noch immer eine Unterhose trug. Zu meiner Freude war mein Bett trocken geblieben.
Fortan bestand Töchterchen darauf, auch ohne Windel zu schlafen. Ein wenig Magengrummeln hatte ich schon noch. In ihrer Windel war morgens oft nichts drin gewesen, doch es hatte immer diese wenigen Nächte gegeben, in denen sie eben doch im Schlaf gepinkelt hatte. Und es kam, wie es kommen musste.

Es begann mit einem Kichern. Ich wurde wach, weil Töchterchen neben mir im Bett lag und kicherte. Dann folgte ein: „Mama, ich muss Toilette.“ Leider war es da schon passiert; Töchterchen hatte ins Bett gemacht.
Ich hatte es ja quasi schon erwartet. Ich hatte erwartet, dass sie nachts weinend aufwachen würde, weil sie nass war. Ich hatte erwartet, dass ich sie beruhigen musste, dass wir ihr erklären müssten, dass es nicht schlimm war und manchmal einfach passierte, auch wenn man schon auf Toilette gehen konnte. Ich hatte ziemlich viel erwartet, nur nicht, dass sie kichern und es völlig ruhig hinnehmen würde. Ich wischte sie ab und zog sie um, während mein Mann das Bett soweit sauber machte, die Matratze umdrehte und die Bettwäsche wechselte. Dann legte sich Töchterchen seelenruhig wieder hin und schlief weiter.

Das Problem, das keines war

Ein paar Mal passierte es noch, dass Töchterchen ins Bett machte. Dann stellte sich heraus, dass es im Grunde sehr einfach zu lösen war: sie musste einfach vor dem Zubettgehen noch einmal Pipi machen.
Auch da stellte ich mich darauf ein, dass es schwierig werden würde, ihr beizbringen, dann zu pinkeln, wenn sie es wollte und nicht nur, wenn musste. Den Trick hat Sohnemann noch immer nicht drauf (aber der hat niemals ins Bett gemacht, er ging immer brav auf die Toilette, auch mitten in der Nacht). Doch schon bei der ersten Aufforderung ging Töchterchen nach dem Zähneputzen Pipimachen, einfach so. Sie wollte keine Windel mehr tragen. Und sie konnte sich ganz offensichtlich dann erleichtern, wenn sie es wollte. Und schon war das Problem vom Tisch.

Natürlich passiert es noch ab und zu, dass sie im Schlaf Pipi machte. Wenn sie abends viel trinkt, nutzt es auch nichts, vor dem Schlafengehen noch einmal auf Toilette zu gehen. Doch nachdem es nun noch ein paar Mal daneben ging, wacht sie nun auf wenn sie muss – und erfüllt jetzt meine Erwartungen. Sie weint, scheint aber nicht richtig wach zu werden. Fragen nutzt in dem Fall nichts. Aber setzten wir sie dann auf Toilette, macht sie etwas und schläft hinterher im Bett seelenruhig weiter.

Jetzt warte ich nun also nur noch auf die nächste Überraschung: dass Töchterchen nachts einfach aufsteht, Pipimacht und wir dann von einem „Kannst du mir helfen?“ aus dem Bad geweckt werden, anstatt von einem weinenden Kind 😉

Wortgewalten – oder: wie man mit seinem Kind nicht reden sollte

Neulich war ich mit Töchterchen auf dem Rad unterwegs. Töchterchen fährt gerne Rad, besonders dann, wenn sie mir sagen darf, wo wir hinfahren. An einer ungünstigen Kreuzung, wo die Vorfahrtsstraße abbiegt und es weder einen Zebrastreifen noch eine Fußgängerampel in unmittelbarer Nähe gibt, begegnete mir eine Frau mit ihrer Tochter. Das Mädchen war vielleicht drei oder vier Jahre alt und hatte ihr Laufrad dabei.
Auf der Vorfahrtsstraße war viel Verkehr und ich wartete geduldig auf eine Gelegenheit, die Straße schiebender Weise zu überqueren. Die andere Mutter war nicht so geduldig. Ich hörte neben mir ein „Schnell jetzt!“. Die andere Mutter hatte einen Augenblick gewählt, in dem sich die abbiegenden Autos gegenseitig ausbremsten, um auf die andere Seite zu gelangen. Mir war das zu heikel. Also wartete ich, aber keinen Moment später drang erneut die Stimme der anderen Mutter zu mir, jetzt von der anderen Straßenseite. „Bist du dumm!“, sagte sie ärgerlich. Ich schaute wieder hin. Das Mädchen hatte Schwierigkeiten, ihr Laufrad auf den Gehweg zu heben. Ob sie an dem hohen Bordstein hängen geblieben war oder in dem Gullideckel davor konnte ich nicht einordnen. Ich sah und hörte nur, dass das Mädchen begann zu weinen – und es tat mir so Leid.

Die falsche Wortwahl

„Du bist dumm.“, das ist ein Satz, der so niemals aus meinem Mund käme. Schon gar nicht auf meine Kinder bezogen. „Das war dumm“ ist eher meine Wortwahl. Es ist nur eine kleine Feinheit und doch ist die zweite Variante nicht derart beleidigend.
„Das war dumm“ kann sich auf alles Mögliche beziehen. Es kann etwas Gesagtes meinen, es kann eine Handlung beschreiben, aber es beschreibt nicht den Menschen selbst. Jemand kann etwas Dummes tun ohne selbst dumm zu sein. Oft beziehe ich diese Worte sogar auf etwas, das ich selbst getan habe, manchmal auch auf etwas, das Sohnemann oder unser Hund getan hat. Aber es beleidigt nicht und meistens lachen wir über die Dummheit.
Selbst, wenn ich wirklich sauer bin, beleidige ich meine Kinder niemals.

Aber wie sehr muss es schmerzen, wenn man von der eigenen Mutter als dumm bezeichnet wird? Besonders, wenn es nicht einmal die eigene Schuld gewesen war? Dann gibt es kein Lachen, dann gibt es nur Tränen; wie bei dem armen Mädchen.
Das Mädchen hatte keine Schuld, es war nur auf die Eile der Mutter eingegangen. Die Mutter hätte ihr mit dem Laufrad helfen müssen, hätte fragen müssen, ob sie es schafft, das Laufrad den Bordstein hochzustemmen.

Meinen eigenen Prinzipien zur Folge müsste ich nun sagen: „Es war dumm von der Mutter, ihre Tochter über die Straße zu hetzen. Es war dumm von der Mutter ihre Tochter zu beleidigen und für etwas zu tadeln, dass wirklich nicht ihre Schuld gewesen sein kann; dass sie bestimmt nicht absichtlich getan hat.“
Aber in diesem Fall würde ich der Mutter gerne an den Kopf werfen: „Du bist dumm! Du bist zu dumm deiner Tochter die Sicherheit zu geben, die sie benötigt! Du bist zu dumm um deiner Tochter zuliebe die Geduld zu haben, so lange zu warten, bis keine Autos mehr kommen und sie sicher über die Straße zu lotsen anstatt zur Eile anzutreiben!“ Ich frage mich, wie sie sich dann fühlen würde.