Tag-Archiv | Lebensart

Von der Kunst, Zeit zu erschaffen, oder: Beitrag zur #Blogparade – Wie kann man allen Kindern gerecht werden?

Sobald man zwei oder mehr Kinder hat, kommt als Elternetil die unweigerliche Frage auf: Wie mache ich es jedem Kind recht? Wie verteile ich meine Aufmerksamkeit gerecht? Und wie meine Zeit?
Da genau das in meinem leider doch sehr arbeitsreichem Alltag immer mehr zu einem Problem wird, je älter meine Kinder werden, kam mir die Blogparade von Mamakind „Wie kann ich meinen Kindern gerecht werden?“ gerade recht. Denn es ist genau das Problem, mit dem ich zunehmend zu kämpfen habe.

 

Am Anfang war der Mama-Söhnchen-Tag

Lange lange ist es her, dass ich über meinen Mama-Söhnchen-Tag berichte. Im Februar 2013 war Töchterchen gerade 1 1/2 Jahre alt und hat sich noch nicht dafür interessiert, was ich tat, wenn ich nicht zuhause war. Der Mann war ja da und konnte auf sie aufpassen und meine Zeit mit Töchterchen alleine hatte ich, wenn ich mit ihr ihrer Lieblingsbeschäftigung nachging: raus gehen und die Umgebung erkunden. Für Sohnemann erfand ich den Mama-Söhnchen-Tag.
Doch Töchterchen wurde älter und irgendwann verlangte auch sie, mitkommen zu dürfen. Einige Zeit fuhren wir gut damit, dass Sohnemann entschied, ob seine Schester mitkommen durfte oder nicht. Dann führte ich auch exklusive Nachmittage für Töchterchen ein, in denen sie auch das Recht besaß zu entscheiden, ob wir ihren Bruder mitnehmen. Denn entscheidend war: Ich blieb an den Kindertagen nicht mit ihnen zuhause sondern wir unternahmen irgendetwas. Ob es nun ein Ausflug auf den Spielplatz war, in die Stadt oder ins Museum. Das durften die Kinder entscheiden.

Der Alltag brachte es aber mit sich, dass Stress meine Zeit – und vor allem meine Kraft – immer mehr auffraß. Stress hat nunmal keinen guten Einfluss und nimmt sich heraus, Prioritäten zu verschieben.
Irgendwann gab es die Kindertage nur noch am Wochenende im wöchentlichen wechsel, dann schaffte ich es nur noch einmal im Monat. Und jetzt? Jetzt schaffe ich es nur noch, wenn ich Urlaub habe.

 

Wenn Kinder gleichzeitig erzählen wollen

Jedes Kind ist anders. Und jedes Kind hat andere Interessen. Besonders auffällig werden diese verschiedenen Interessen am Esstisch. Wenn wir abends zusammensitzen und essen, erzählen beide Kinder – meistens gleichzeitig. Und beiden Kindern möchte ich natürlich zuhören. Leider ist die Aufmerksamkeit ein stures Ding und möchte sich nicht aufteilen lassen. Und ich will es auch nicht. Ich möchte ganz bei der Sache sein, bei einem Thema. Beide Kinder haben ihren Kopf oft hoch oben in den Wolken und denken sich Dinge aus. Doch diese Dinge sind bis auf wenige Ausnahmen mittlerweile so verschieden, dass ich kaum gleichzeitig mit ihnen über ein Thema reden kann. Und wenn sie nicht von ihren erfundenen Geschichten oder von gemeinsamen Interessen erzählen, erzählt Sohnemann von Schulproblemen und Töchterchen von ihren Freundinnen im Kindergarten – zwei völlig verschiedene Welten.
Meine Aufmerksamkeit teilen ist dabei schwierig. Ich kann nur versuchen zu ergründen, welches Kind gerade am meisten Aufmerksamkeit braucht und dem anderen später zuhören.

 

Geteilte Interessen

Auch wenn ich es schaffe, mit beiden Kindern die Interessen zu teilen und von mir auch behaupte zu wissen, womit sie sich gerade am meisten beschäftigen, so wandeln sich die Interessen der Kinder doch mit dem Älterwerden deutlich.
Auch bei den Ausflügen kommen wir nicht mehr allzu oft auf einen Nenner. Spielplatzausflüge sind Sohnemann meistens zu langeweilig. Er legt seinen Fokus lieber auf seine Freunde und schließt sich nur dann an, wenn ihm wirklich langweilig ist. Spielplatznachmmittage sind also nun mehr Töchterchen vorbehalten und ihre Mama-Zeit.
Sohnemann hingegen steht an der Schwelle zur Pubertät und interessiert sich zwar (noch) nicht für Mädchen, doch für Filme, Serien und Computerspiele. So kann ich mit Sohnemann mittlerweile Filme sehen, für die Töchterchen einfach noch zu jung ist. Seine Zeit wandelte sich also in einen Fernsehabend in der Woche. Und ja, es gibt Filme und Serien, bei denen warte ich schon lange darauf, sie mit Sohnemann sehen zu können!

 

Wohltat Spaziergang

Die beste Möglichkeit, Zeit für meine Kinder zu haben, ist aber derzeit der Hundespaziergang. Auf dem Spaziergang habe ich Zeit und oft auch einen Kopf, um Sohnemann zuzuhören oder mit Töchterchen Lilly Lichtmaus zu spielen. Manches Mal zanken sie sich darum, wer mit spazieren gehen darf. Manches Mal will niemand und ich muss anordnen ob mich jemand begleitet. Letzteres trifft meistens auf Sohnemann zu. Doch auch wenn er erst keine Lust hat, nehme ich ihn mit, redet er wie ein Wasserfall über all das, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und es ist gut, dass er das tut. Es ist gut, dass ich ihm damit die Möglichkeit bieten kann, ihm zuzuhören und zu erfahren, womit er sich gerade beschäftigt.

 

Das Wichtigste beim „Gerecht werden“

Es tut mir so unendlich Leid, dass ich derzeit für regelmäßige Ausflüge nicht die Zeit und vor allem nicht die Kraft aufbringen kann. Doch es ist Änderung ins Sicht. Ich bin dabei aus meinem Stressloch herauszukriechen und ich hoffe, dass auch meine Kinder das spüren. Dennoch liegt es noch nicht hinter mir.
Aber meine Kinder reden mit mir. Es ist gut, dass beide wissen, sie können mit mir reden; über alles. Das hilft mir, sie zu verstehen. Und es hilft ihnen zu begreifen, dass ich immer für sie da bin, egal um was es geht und auch in diesen Stresszeiten.

Advertisements

Ungeziefer – oder: Warum man sich über Läuse freuen sollte

Jeder kennt sie, jeder hatte sie schon mal: Läuse. Wir hatten mittlerweile schon vier Mal das Vergnügen, seit Sohnemann in der Schule ist. Und auch, wenn Läuse weder gefährlich, noch ein Anzeichen für mangelnde Hygiene sind, es ist Ungeziefer und einfach nur „ihhhbä!“, um es mit Töchterchens Worten auszudrücken.

Nun fragt ihr euch wahrscheinlich – und berechtigter Weise: Warum schreibt sie über Läuse?
Die Antwort darauf ist einfach: Weil es ein Schämthema ist obwohl es keinen Grund gibt, sich deswegen zu schämen.

 

Läusepanik

Diese Läusepanik kennt wahrscheinlich jeder Erwachsene, der schon einmal seine Kinder hat entlausen müssen. Ungeziefer! Ihh! Ja, das war beim ersten Mal auch meine Reaktion. Allerdings war mir da noch nicht klar, wie man Läuse eigentlich wieder los wird. Mir war nur klar, dass ich nicht in Panik verfallen sollte. Habe ich Panik, haben sie die Kinder auch. Dazu kam noch: ich musste zwei wissensdurstigen Kindern natürlich auch erklären, was Läuse sind, warum deswegen der Kopf juckt und weswegen sie deswegen auch noch zuhause bleiben müssen. Und vorallem Töchterchen stellte mir noch mehr Fragen, als wir sie vor zwei Jahren das erste Mal entlausen mussten.
Aber für so etwas gibt es Abhilfe. Für alles, was ich nicht auf Anhieb beantworten kann, frage ich zuersteinmal YouTube, ob es vielleicht einen Beitrag aus Der Sendung mit der Maus gibt. Und ja, den gab es. Auch beim letzten Läusebefall schauten wir uns zuerst noch einmal zusammen das Video an:

 

 

Und schon waren so ziemlich alle Fragen beantwortet. Die Kinder wussten, weswegen sie ein Antiläusemittel auf den Kopf bekamen und weswegen ich in den nächsten Tagen viel Zeit damit verbringen musste, ihre Haare gut auszukämmen. Sie halfen mir die Bettwäsche zu wechseln und ihre geliebten Pillowpets zu waschen.
Manchmal kann Erklären so einfach sein 😉

Es muss übrigens nicht immer die Maus sein, die etwas erklärt. Vor zwei oder drei Wochen bin ich zufällig noch über ein Video bei Quarks&Co gestolpert, das sich ebenfalls mit Läusen beschäftigte.

 

Doch auch, wenn man all das weiß, gibt es doch eines, dass sich nicht abstellen lässt: Sobald man von Läusen spricht, oder auch nur über sie nachdenkt, beginnt der Kopf zu jucken, ganz automatisch.

 

Der Dank der Kita

Als ich Anfang des Jahres Läuse auf den Köpfen beider Kinder und leider auch auf meinem eigenen entdeckte, griff ich zum Telefon, um beide Kinder zu entschuldigen. Es war die erste Schulwoche nach den Ferien, aber es half nichts: Sohnemann musste zuhause bleiben und entlaust werden.
Ich rief also sowohl in der Schule, als auch im Kindergarten an, um Bescheid zu geben. Pflichtbewusst wie ich bin, sagte ich natürlich auch, worum es ging. Wenn ein Kind Läuse hat, kann man davon ausgehen, dass mehrere betroffen sind. Die Einrichtung muss das erfahren, damit sie die Information an die Eltern weiterleiten kann und damit dem Problem wirklich Abhilfe geschaffen werden kann.
Völlig verblüfft war ich jedoch, als sich eine der Damen am anderen Ende des Apparates bei mir bedankte. Viele Eltern melden leider nicht, wenn die Kinder Läuse hätten, meinte sie.
Eine ähnliche Geschichte erzählte mir die Apothekerin, bei der ich kurz darauf die gängigen Mittelchen zur Läusevernichtung einkaufte. Auch sie wies mich darauf hin, dass ich es Schule und Kindergarten melden müsse. Im Gespräch sagte sie mir, sie hätte schon erlebt, dass sich Eltern aus Zeitmangel gar nicht darum kümmerten, die Läuse loszuwerden. Und natürlich, dass sie sich schämten so etwas zuzugeben.

Das sind Dinge, die ich nie verstehen werde: Wie kann man einfach hinnehmen, dass sich so etwas wie Läuse weiter ausbreiten, weil es niemand außer mir wusste, das mein Kind Läuse hatte? Und das, wo es im Grunde nur Zeit und etwas Sorgfalt kostet, sie loszuwerden? Oder noch schlimmer: Wie kann man einfach hinnehmen, dass Ungeziefer auf den Köpfen der Kinder krabbelt? Die simple Tatsache, dass Sohnemann sich sechs Wochen später schon wieder Läuse eingefing, sagt mir, dass die Apothekerin recht hatte. Allem Anschein nach grassieren die Läuse bereits seit Ende letzten Jahres in der Schule. Und ja, es ist stressig, sein Kind nach ein paar Wochen erneut entlausen zu müssen, weil andere Eltern es nicht tun. Zum Glück bemerkte ich es beim zweiten Mal in diesem Jahr früh genug und Töchterchen und ich blieben dieses Mal verschont.

Und ja, ihr habt richtig gelesen: Ich hatte die Läuse ebenfalls. Das ist der grundlegende Nachteil eines Familienbettes. Ob Sohnemann die Läuse an mich weitergab und ich sie an Töchterchen, oder umgekehrt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Aber schliefe Töchterchen nicht immer noch dicht an mich gekuschelt, wäre mir die Läuse auf meinem eigenen Kopf erspart geblieben.

 

Mein Appel an euch

Liebe Eltern, nun folgt eine Aufforderung an Euch: Wenn euer Kind Läuse hat, bitte bitte meldet es den entsprechenden Einrichtungen. Läuse sind unangenehme und lästige kleine Gesellen, doch dort, wo Kinder die Köpfe zusammenstecken, können sie sich gut verteilen.
Wegen Läusen muss man sich nicht schämen. Im Gegenteil: Sie bedeuten, Eure Kinder haben genug soziale Kontakte. Ohne diese, könnten sie nicht von einem Kopf auf den anderen klettern.

Also freut Euch doch das nächste Mal, wenn Ihr Läuse findet! Denn dann wisst ihr mit Sicherheit, Eure Kinder haben Freunde.

Intuition vs. Verstand – oder: warum meine Kinder und ich ein Team sind

Selbstaufgabe für seine Kinder. Das Thema hat im Dezember allem Anschein nach viel Aufruhr verursacht. Ich finde auch, es ist ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. Einerseits nutzt es keinem Kind etwas, Eltern zu haben, die völlig am Ende mit Nerven und Kräfte sind. Andererseits würde ich niemals mein Kind weinen lassen.
Frau Chamailion hat zu diesem Thema »Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung« zu einer Blogparade aufgerufen, zu der ich nun meinen Senf geben möchte.

Muttergespräche

Zuerst gestehe ich: Meine Kinder würde ich als einfach bezeichnen – zumindest für uns sind es einfache Kinder. Klar, es gab immer schwierige Phasen, wie das Zahnen, die Blähungen und und und. Aber wir haben uns zusammengerauft und einen passablen Weg gefunden. Dass dieser Weg bis zum Kleinkindalter natürlich kindbestimmt war, halte ich für selbstverständlich. Ich liebe meine Kinder und ich möchte, dass es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Denn dann bin ich auch zufrieden und glücklich.
Die schwierigste Zeit war die Babyzeit. Sowohl Sohnemann als auch Töchterchen hatten große Probleme mit Blähungen und Zähnen. Da hat im Grunde nichts geholfen, aber sie brauchen die Nähe von meinem Mann oder mir. War unser Sohnemann als Baby eher unkompliziert, so stellte Töchterchen danach schon mehr Ansprüche. Für sie essentiell ist Körperkontakt – auch mit ihren jetzigen vier Jahren noch. Und auch, wenn sie manchmal nervt, wenn sie ständig meine Hand streichelt, wenn sie ihre Knuddelzeit braucht, dann braucht sie sie.

Im Zuge der bisherigen Beiträge, die ich schon gelesen habe, habe ich auch mal wieder ein Gespräch mit meiner Mutter über diese Thematik geführt; mit einem ernüchternden Resultat. Als meine Mutter klein war, war alles anders. Und die Geschichten, die ich mir über meine Großmutter anhören darf, sind stellenweise grauenhaft. Wenn sie etwas nicht zu haben schien, dann Mutterinstinkt. Ich habe in meinem Beitrag »Die gefährliche Welt – oder: Wenn Selbstständigkeit im Keim erstickt wird« schon einmal von einer Begebenheit geschrieben, die meine Mutter mir aus ihrer Kindheit geschildert hatte (mittlerweile weiß ich übrigens auch, dass meine Großeltern sehr wohl das verlorene Kind gesucht und auch die Polizei informiert haben. Es war also nicht ganz so schlimm, wie ich es mir ausgemalt hatte). Analog dazu gibt es noch mehr Geschichten.
Und all das, weil meine Großmutter dem gängigen Erziehungskonzept folgte, ohne Kompromisse und vermutlich auch ohne einem Fünkchen Intuition. Damals war es halt so. Damals galt man als schlechte Mutter, wenn man seiner Intuition nachgab. Und wer wollte schon als schlechte Mutter dastehen? Meine Großmutter bestimmt nicht!

Von Intuition und Verstand

Ich gebe zu, ich habe mich niemals für einen sehr intuitiven Menschen gehalten. In meinem Berufsleben und für mich selbst lebe ich am besten mit Vernunft und gesundem Menschenverstand. Letzteren habe ich auch versucht, bei meinen Kindern anzuwenden – und bin mit der Nase darauf gestoßen, dass meine Intuition zumindest bei meinen Kindern doch sehr ausgeprägt ist.
Zum Beispiel wäre ich niemals auf die Idee gekommen meine Kinder schreien zu lassen – und mein Mann ist zum Glück derselben Meinung. Immer wieder hörte man natürlich die Ratschläge von anderer Eltern: »Lasst das Kind doch weinen, es muss lernen alleine zu schlafen«, hieß es bei Töchterchen. Oder: »Sie muss lernen zu essen, was man ihr vorsetzt!«
Aber all das haben wir nie gemacht. Weder mein Mann noch ich konnten es ertragen, unsere Kinder einfach weinen zu lassen, wenn es um echte Bedürfnisse ging. Klar, bei Trotzweinphasen, weil sie ihren Willen einfach nicht bekamen, war und ist es noch immer etwas anderes. Sie muss von meinem gekochten Abendessen etwas essen, sonst gibt es keinen Nachtisch. Aber ich zwinge Töchterchen zum Beispiel nicht, die ihr verhassten Karotten herunterzuwürgen. Was ihr nicht schmeckt, muss sie nicht essen und so lange ich weiß, dass sie Kartoffeln, Nudeln und im Zweifelsfalls einen ihrer geliebten Äpfel gerne isst, habe ich immer einen Ansatzpunkt.
Aber warum soll ich meine Tochter alleine und einsam in einem Zimmer liegen lassen, wenn sie nun mal nähebedürftig ist? Nein, das kam nicht in Frage; und es fühlte sich viel besser an, sie zufrieden bei uns im Familienbett zu haben, als mit schlechtem gewissen alleine in ihrem Bett. Zwar mussten wir das erst richtig hinbiegen, denn Töchterchen schlüpft am liebsten mit unter meine Decke und wenn ich nicht komplett eingemummelt bin, kann ich nicht schlafen. Aber es ging, wir fanden eine Lösung und haben damit sowohl Töchterchens als auch mein Schlafbedürfins gelöst.

Es sind nur zwei Beispiele von vielen und über unsere Schlafsituation habe ich auch schon einmal im Rahmen einer anderen Blogparade etwas geschrieben: Wie man sich bettet, so lügt man. Doch ist unser Grundrezept der Kompromiss. Solange man merkt, was den Kindern wirklich wichtig ist, lohnt es sich darauf einzugehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. So lernen auch die Kinder etwas Einfühlungsvermögen. Natürlich ist es nicht möglich, so lange die Kinder noch ganz klein sind. Doch da müssen alle Eltern durch, denn die Bedürfnisse der Kinder gehen vor. In dem Moment, in dem sie einfach von uns abhängig sind kommt nichts anderes in Frage, als es einfach zu tun und bis an seine Grenzen zu gehen, ohne sich selbst auszulaugen. Und da fängt das mit dem Kompromiss schon an: Wenn das Kind nur auf dem Schoß einschläft, dann lasse ich es auf dem Schoß einschlafen und lege es erst danach weg – in sein Bett, neben mich auf die Couch, wohin auch immer. Hauptsache das Kind ist zufrieden und man selbst kann das tun, was man noch tun muss oder will, um nicht am Ende aus dem letzten Loch zu pfeifen.
Jetzt, mit vier Jahren, ist Töchterchen soweit, sich ein Stück weit abzukapseln. Sie schläft zwar nicht alleine in ihrem Zimmer, aber dafür liebend gerne im Gästebett unseres Sohnemanns. Und das, ohne ständig jemanden zum Kuscheln direkt neben sich zu haben. Ich werde sie nicht dazu zwingen, doch ich bin sicher, der Zeitpunkt wird kommen, an dem sie von sich aus sagt, sie möchte in ihrem eigenen Bett in ihrem eigenen Zimmer schlafen.

Lesenswerte Beiträge zu der Blogparade:

Frau Chamailion bloggt: Eltern in der (Auf)-Opferungsrolle – elterliche Grenzen vs. kindliche Bedürfnisbefriedigung {Blogparade}

Glucke und so: Wieso die Beduerfnisse meines Kindes oberste Prioritaet haben?

wheelymum: Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern

Abenteuer Papa: Eltern vs. Kinder oder: Prioritäten setzen [Blogparade]

Unser Leben ohne Auto

PICT0717_kleinFast ein ganzes Jahr hatten wir kein Auto. Wer mich kennt, würde sich über diese Aussage eigentlich nicht wundern; als Anhänger von schönen Ideen wie Foodsharing, Repair-Cafés und Upcycling und noch dazu führerscheinlos, war ich ohnehin schon immer von anderen Transportmitteln abhängig.
Dennoch macht das Auto es sehr bequem und mein Mann benutzte es doch gerne. Bis es den Geist aufgab.

Unfreiwillig Autofrei

Letztes Jahr im Sommer musste unser Auto – oder besser das Auto meines Mannes – zum TÜV. Wiedererwartend schaffte es diese Hürde noch einmal … und stand zwei Wochen späte doch wieder in der Werkstatt. Diagnose: Die Reparaturkosten für die durchgerostete Lichtmaschine hätten den Wert des Autos überstiegen.
Und da fing es an, unser Leben ohne eigenes Auto, denn das Geld für einen neuen Gebrauchten hatten wir einfach nicht. Doch es war für uns nicht ganz ein Sprung ins kalte Wasser. Uns war schon zuvor klar, dass das Auto nicht mehr lange fahrtüchtig gewesen wäre und schon öfter hatte ich mit meinem Mann darüber gesprochen. Ich wollte kein neues Auto haben. In meinen Augen war das Auto vor allem ein Geldfresser, der manches zwar bequemer machte, aber Kosten verursachte, auf die wir durchaus hätten verzichten können. Schon öfter hatten wir durchgesprochen, wie wir bestimmte Dinge erledigen konnten. Und dann war es soweit und wir waren gezwungen, nicht nur darüber zu sprechen, sondern es zu tun; und es klappte.

Die Grundpfeiler des Autofrei

Vor allem, was die alltäglichen Einkäufe anging waren wir bereits im Vorteil. Gemüse und Obst bekamen wir ohnehin schon von meinem geliebten Bio-Anbieter geliefert, Getränke konnten wir uns ebenso ins Haus bringen lassen. Der Samstagseinkauf für alles Weitere ließ sich mit dem Rad erledigen und auch zu unserem Sportzentrum kamen wir ganz bequem mit dem Bus. Das waren die Eckpunkte, die wir bereits überdacht hatten und die wir nun einsetzten.
Und es klappte. Für mein Befinden sogar wirklich gut. Dennoch lief ohne Auto nicht immer alles glatt.

Mit den Kindern gab es ebenfalls keine Probleme. Schon seit Sohnemann hier in den Kindergarten gehen konnte, sind wir den Weg zu Fuß oder mit dem Rad gefahren. Und so hielten wir es einfach weiter. Auch vorher waren wir fast die einzigen, die bei jedem Wetter einfach zur Schule liefen – es sind keine 15 Minuten, weswegen sollte man die auch mit dem Auto fahren? Während wir also gemächlich durch den Regen schlenderten, stiegen andere Kinder aus den Autos. Aber Sohnemann störte das nie.

Schwierigkeiten beim Autofrei

Auch, wenn man wie wir in einer Stadt mit einem guten Öffentlichen Verkehrssystem wohnt, gibt es doch immer wieder Dinge, die sich ohne Auto einfach schwierig gestalten. Darunter fallen diverse Ärzte, besonders, wenn man wie ich den Drang hat, nicht zu irgendeinem Arzt zu gehen, sondern zu einem guten.
Ein paar Beispiele? Gerne 🙂

Wir haben seiner Zeit lange gesucht, bis wir unsere jetzige Kinderärztin gefunden hatten. Leider ist die Praxis in einer Nachbarstadt, die von uns aus mit dem Bus eher schlecht zu erreichen ist. Außerdem: Mit einem kranken und vielleicht sogar noch fieberndem Kind Bus fahren ist nicht gerade Gesundheitsfördernd; weder für Eltern, noch für das Kind.

Einen Tierarzt hatten wir die ganze Zeit nicht in der Nähe. So haben wir auch da eine Tierklinik in „autonähe“ gesucht, gefunden – und hatten nun Probleme dort hin zu kommen.
Ähnlich verhält es sich noch mit meiner Gynäkologin und unserem Zahnarzt.

Dazu kommen solche Hürden wie Krankheiten. Das gemeinsame Einkaufengehen war eigentlich sehr angenehm, man konnte sich unterhalten und bis man nach zwei bis drei Stunden wieder zuhause war, hatte man auch das Gefühl, den Kindern etwas Gutes getan zu haben.
Leider war dieses gemeinsame Einkaufen eher eine Seltenheit. War ein erwachsener Krank, blieb er zuhause. War Töchterchen krank, musste ebenfalls jemand mit ihr zuhause bleiben. Und je nach Gefühlslage war es bei Sohnemann nicht anders.
Aber es ging irgendwie. Wir standen niemals mit völlig leerem Kühlschrank da. Manchmal ohne Schokolade, manchmal ohne Belag für das Brot, das ich auf dem Weg von der Arbeit nach hause wunderbar mitbringen kann und zur Not konnten wir immer noch Pfannkuchen machen. Aber ganz ohne Essbarem waren wir nie.

Aus einigen Schwierigkeiten ergaben sich aber auch sehr schöne Gelegenheiten. Dazu zählt nicht nur das Einkaufen, sondern auch unsere Trainigszeiten im Sportzentrum. Jeder hat andere Zeiten und manches Mal wäre es mit dem Auto leichter gewesen, diese auszunutzen. Dadurch musste einmal die Woche ich und einmal die Woche mein Mann mit beiden Kindern in die Stadt fahren und Sohnemann zum Training bringen, damit der andere Elternteil jeweils hinterher zu Training gehen konnte.
Aber eine Stunde mit Töchterchen in der Stadt ist wunderbar! Rolltreppe rauf, Fahrstuhl runter, Brezel essen, hier schauen, dort gucken; was gibt es schöneres, als Zeit mit einem Kind?

Carsharing & Co

Wer ohne Auto klar kommen muss, muss sich natürlich auch überlegen, woher ein Auto kommen kann, wenn man doch wirklich mal eines braucht. Gründe dafür gab es ja durchaus. Eine Recherche im Internet ergab allerdings, dass unsere Stadt leider doch etwas zu klein für viele – und vor allem spontan brauchbare – Carsharing-Angebote ist. Aber da war das Glück auf unserer Seite; das Glück einen Vater zu haben, dessen Firma von uns aus in Laufnähe liegt und bei dem meistens ein Auto zur Verfügung stand.
Auch anderweitige Verwandtschaft hätte uns natürlich ausgeholfen.

Die Bequemlichkeit des Autos

Vor einigen Wochen hat mein Mann es geschafft und ein erschwingliches Auto an Land gezogen. Tja, leider ist es seit dem vorbei. Wir fahren einkaufen, obwohl es anders geplant war. Mein Mann fährt Töchterchen zur Kindergruppe, obwohl es anders geplant war. Mein Mann fährt auch zum Training, obwohl es anders gedacht war.
Und ich? Ich stehe so da, wie zuvor auch. Ich kann nicht fahren und möchte es auch nicht. Gut, ich habe mein Fahrrad wieder für mich und ich bringe auch Sohnemann zusammen mit Töchterchen noch einmal die Woche mit dem Bus zum Training – Busfahren macht Töchterchen schließlich Spaß. Ich begleite Sohnemann auch noch regelmäßig zur Schule, egal bei welchem Wetter.
Dennoch: die Bequemlichkeit des Autos ist wieder da.

Ich war mit dem Leben ohne Auto zufrieden. Jetzt bin ich schon wieder an einem Punkt, an dem ich mich selbst mit der Bequemlichkeit eines Autos abfinde. Nein, ich mag keine Autos und ich werde sie niemals mögen. Aber manchmal – und doch viel zu oft – ist es bequemer mit dem Auto zu fahren.
Mir bleibt nur zu hoffen, dass ich meinen Kindern etwas meiner Einstellung mitgeben kann, wenn die Zeit kommt, in der sie selbst so weit sind, ein Auto fahren zu dürfen.

Interessante Links

http://www.autofrei.de/index.php
http://www.carsharing.de/
https://flinc.org/

http://einjahrohneauto.wordpress.com/
http://blog.zeit.de/fahrrad/2012/11/19/autofrei-auf-dem-land/